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Gedächtnis und Alter Gut gelaunt merkt besser

Ob das Gedächtnis gut funktioniert, ist auch eine Frage der Einstellung. Wer mit dem eigenen Alter entspannter umgeht, vergisst weniger. Das können Sie in unserem Gedächtnistraining üben.
Foto: Jörg Hülsmann / SPIEGEL CLASSIC

Auch wenn es etwas unwahrscheinlich klingt: Unsere eigene Einstellung zu unserem Gedächtnis hat Einfluss darauf, wie gut wir uns Dinge merken können und wie fit wir uns geistig fühlen. Das alles hat auch mit der Einstellung zum Thema "Alter" zu tun. Einen Dreißigjährigen ficht es noch nicht an, wenn er von sich glaubt, dass er im Alter geistig nachlassen wird, aber je älter Menschen werden, desto mehr scheint ihre Gedächtnisleistung und sogar ihre körperliche Verfassung davon abzuhängen, ob sie positive oder negative Bilder vom Älterwerden haben.

Wie genau die Zusammenhänge aussehen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Verschiedene Faktoren spielen eine vermittelnde Rolle: Wer beispielsweise von sich glaubt, dass er sich Dinge - egal in welchem Alter - gut merken kann, wird sich auch mehr zutrauen und mehr fordern. Und wer das Älterwerden halbwegs gelassen nimmt, ist besserer Laune - und auch eine positive emotionale Stimmung hebt die Gedächtnisleistung. Es ist kein Zufall, dass Menschen mit schweren Depressionen häufig auch Gedächtnisstörungen haben. In dieser Woche geht es also darum, die Einstellung zum eigenen Gedächtnis und zum Älterwerden ein wenig zu verändern. Wiederum gibt es zwei Übungsalternativen - für Jüngere und für Ältere.

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Foto: Jörg Hülsmann / SPIEGEL CLASSIC

Für Jüngere

Wahrscheinlich machen Sie sich noch nicht viele Gedanken darüber, wie Ihr Leben aussehen wird, wenn Sie älter sind. Machen Sie jetzt einmal einen Sprung und überlegen Sie: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie daran denken, dass Sie 60 Jahre alt oder älter sind? Ist das ein positives Gefühl? Oder schwingen negative Gedanken mit? Überlegen Sie sich jetzt, ob Sie eine positive Vision Ihres Lebens mit 60 Jahren entwerfen können. Was tun Sie? Sind Sie weise? Welchen älteren Schauspieler oder welche ältere Politikerin könnten Sie sich zum Vorbild nehmen? Oder gibt es vielleicht Menschen in Ihrem direkten Umfeld, die "gut" altern? Entwerfen Sie ein möglichst genaues Bild. Und nun kommt die eigentliche Aufgabe: Immer wenn Sie in dieser Woche mit dem Thema Gedächtnis ("Wo ist schon wieder der Autoschlüssel?") oder mit dem Thema Alter ("Der Popstar XY ist gestorben?") zu tun haben, denken Sie an dieses positive, geistig fitte Bild von Ihrem eigenen Alter. Viel Spaß dabei.

Für Ältere

Ganz klar, hier geht es nicht um eine "Gehirnwäsche". Jeder weiß, dass das Gedächtnis im Alter tatsächlich auch nachlässt. Das ist normal. Beobachten Sie in dieser Woche dennoch genau, wie Ihre begleitenden Gedanken und Emotionen aussehen, wenn Sie im Alltag etwas vergessen, verwechseln, verlegt haben. Achten Sie darauf, ob Sie pessimistisch reagieren ("So ist das, wenn man alt ist", "Typisch, ich kann das alles nicht mehr so") und ob Sie ungute Gefühle haben ("Schade, dass es nicht mehr so wird wie früher", "Ich bin unfähig"). Versuchen Sie in dieser Woche, diese Gedanken und Gefühle nicht weiterzuverfolgen oder sogar ein bisschen zu verulken. Sprechen Sie sich den negativen Gedanken oder Kommentar beispielsweise mit einer ganz hohen Stimme vor oder singen Sie ihn wie einen Schlager. So verliert er seine negative Wirkung. Probieren Sie, was Ihnen hilft, die Gedanken zum Thema "Ich bin alt, das kann ich alles nicht mehr" nicht zu dominant werden zu lassen.

Die Übungen in dieser Woche setzen mehr an der Psyche an als am Geist. Die Trainingseinheiten werden deshalb auch keine kurzfristigen und direkten Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung haben wie etwa eine neue Merktechnik oder die Brain Gyms. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass genau diese Übungen "Ihr Thema" treffen, dann kann Ihnen die Arbeit an Ihrer Einstellung dauerhaft sehr wohl helfen - sie verbessert Ihre Stimmung und Ihre Merkfähigkeit.

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