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Weniger als Mindestlohn: Das sind die Knauser-Branchen

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Patrick_Seeger/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Gehälter in Deutschland Elf Prozent bekommen nicht einmal Mindestlohn

Mehr als jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer verdient nicht einmal 8,50 Euro pro Stunde - betroffen sind Minijobber und Teilzeitkräfte, aber auch viele Vollzeitbeschäftigte. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

8,50 Euro pro Stunde, so hoch sollte ein gesetzlicher Mindestlohn sein, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seit Jahren. Arbeit würde sich lohnen und tatsächlich vor Armut schützen, so die Befürworter. Außerdem könnten die Arbeitnehmer mehr Geld in die Sozialkassen und ins Steuersäckel zahlen.

Doch wem würde der Mindestlohn helfen? Wer verdient weniger als 8,50 Euro? Darauf gibt das Statistische Bundesamt Antwort, in einer Untersuchung mit dem trockenen Namen "Verdienststrukturerhebung", die im September vorgestellt werden soll. Erste Ergebnisse, die bereits am Donnerstag veröffentlicht wurden, vermitteln eine Übersicht darüber, wie Gehälter in Deutschland verteilt sind.

Rund elf Prozent aller Beschäftigten haben demnach weniger als 8,50 Euro verdient. In den meisten Fällen (46 Prozent) handelt es sich dabei um sogenannte Minijobber oder 400-Euro-Jobber. Immerhin ein Drittel waren Vollzeitbeschäftigte, 21 Prozent arbeiteten in Teilzeit. Magere Einkünfte sind nach diesen Zahlen oft auch eine Frage des Geschlechts: Insgesamt 60 Prozent der Niedrigverdiener sind Frauen.

Zahl der Billiglöhner liegt vermutlich noch höher

Absolute Zahlen will das Bundesamt in diesen Fragen nicht herausgeben, denn es handelt sich nur um eine Stichprobenuntersuchung. Allerdings werden dabei weit über 32.000 Betriebe und 1,9 Millionen Arbeitnehmer erfasst. Roland Günther vom Bundesamt betont: "Uns geht es darum, die Strukturen und Größenordnungen von Verdiensten zu zeigen." Man müsse aber aufgrund der Methode davon ausgehen, dass noch mehr Menschen weniger als 8,50 Euro verdienen.

Die Strukturen, von denen Günter spricht, erscheinen beispielsweise als Ost-West-Gefälle. In den neuen Bundesländern liegt der Anteil der Billigjobber nämlich deutlich höher (22 Prozent). Auch sind dort am häufigsten Vollzeitbeschäftigte betroffen.

Zum anderen wird deutlich, in welchen Branchen besonders schlecht gezahlt wird. Die meisten Beschäftigten unterhalb des Mindestlohns arbeiteten im Verarbeitenden Gewerbe (14 Prozent), in Gebäudereinigung und -betreuung (zwölf Prozent) und in der Zeitarbeit (zehn Prozent). Auch Einzelhändler (zehn Prozent) und Gastwirte (neun Prozent) knausern beim Gehalt. Allerdings ist bei ihnen auch der Anteil Ungelernter und Hilfskräfte besonders hoch. Die meisten Betroffenen arbeiten für einen privaten Arbeitgeber, nur sieben Prozent bei einem öffentlichen.

Die Position der Gewerkschaften zum Mindestlohn werden diese Zahlen stützen. Allerdings können sie auch im eigenen Einflussbereich etwas tun: Rund ein Drittel der Niedriglöhner findet sich bei tarifgebundenen Arbeitgebern.

afp/mamk
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