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Gerechtere Bezahlung von Frauen Kaum jemand nutzt Entgelttransparenzgesetz

Nur wenige Angestellte nutzen die gesetzliche Möglichkeit, ihre Bezahlung mit der ihrer Kollegen zu vergleichen - das zeigt eine Analyse des Familienministeriums. Woran liegt das?

Zwei Jahre nach der Einführung nutzen nur wenige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Gesetz für mehr Lohngleichheit von Frauen und Männern. Das geht aus einer Evaluation der Bundesregierung hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und die am Mittwoch im Bundeskabinett behandelt werden soll.

  • Nur vier Prozent der Beschäftigten in größeren Betrieben forderten demnach entsprechende Auskünfte zum Gehalt von ihrem Arbeitgeber ein.
  • Die Firmen sind deutlich aktiver: 45 Prozent der befragten Unternehmen mit über 200 Beschäftigten haben auf freiwilliger Basis ihre Strukturen überprüft.

Die Bundesregierung hatte das Entgelttransparenzgesetz verabschiedet, um den Gender-Pay-Gap, die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern, zu schließen. Das Gesetz gibt Angestellten das Recht, Auskunft über die Gehälter von Kollegen in vergleichbaren Positionen zu erhalten - allerdings nur dann, wenn der Betrieb mindestens 200 Beschäftigte hat. (Lesen Sie hier, wie Sie erfahren können, was Ihre Kollegen verdienen.)

Viele Betriebe ignorieren Gesetz

Bereits im Januar dieses Jahres ging aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor, dass viele Betriebe das Entgelttransparenzgesetz ignorieren. "Offenbar fühlte sich nur ein kleiner Teil der Betriebe von der Aufforderung angesprochen, im Betrieb für Entgeltgleichheit zu sorgen", schrieben die Autoren. Das Gesetz habe "in den meisten Betrieben keine Aktivitäten" ausgelöst.

So seien in gerade mal zwölf Prozent der Unternehmen mit Betriebsräten die Geschäftsführungen von sich aus aktiv geworden und hätten sich um größere Transparenz bei den Gehältern und bei der finanziellen Gleichstellung von Frauen und Männern bemüht. Die Studienautoren forderten eine Novellierung des Gesetzes: strengere Auflagen und spürbare Sanktionen für Betriebe, die sich nicht daran halten.

Das Familienministerium schreibt nun in seinem Bericht, das Gesetz und seine Möglichkeiten seien noch nicht bekannt genug. Dies solle durch gezielte Beratung geändert werden.

nil/dpa
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