Gehaltsreport Autobranche Das Geld fährt auf der Straße

Die deutsche Autoindustrie hat die Krise der vergangenen Jahre überraschend gut überstanden. Wer geschickt den Job wechselt, kann fünfstellige Gehaltssprünge machen.

DPA

Erinnert sich noch jemand an die Abwrackprämie? Im Jahr 2008 stand es um die Wirtschaft so schlecht, dass die Bundesregierung jeden Neuwagenkauf, für den ein altes Auto verschrottet wurde, mit 2500 Euro belohnte. Schon damals war klar: Die Autoindustrie ist ein Wirtschaftsmotor Deutschlands - wer ihr hilft, schiebt die ganze Volkswirtschaft an.

Die Krise ist passé. Die Autoindustrie verzeichnet seit mehreren Jahren steigende Exporte und immer höhere Umsätze. Der Sektor gehört zu den Top-Branchen für Berufseinsteiger in Deutschland, Aufbruchstimmung und positive Ausblicke wirken sich zunehmend auf die Gehälter aus. Ingenieure werden dringend gesucht und mit attraktiven Angeboten gelockt.

Von steigenden Gehältern profitieren aber nicht nur die Absolventen mit technischem Hintergrund. Auch Betriebs- und Volkswirte oder Geistes- und Sozialwissenschaftler finden in der Autobranche attraktive Stellen, etwa als Key Account Manager, Marketing-Spezialisten oder Angestellte in der Verwaltung.

Die höchsten Einstiegsgehälter in der Autoindustrie beziehen Vertriebsingenieure. Das geht aus der jüngsten Untersuchung des Gehaltsvergleichportals Gehalt.de hervor. Sie verdienen durchschnittlich 52.500 Euro im Jahr. Produktionsingenieure folgen auf Platz zwei mit rund 51.100 Euro. Key Account Manager verdienen zu Beginn ihrer Laufbahn im Fahrzeugsektor rund 46.300 Euro und ein Beschäftigter im Marketing etwa 45.000 Euro (präzise Angaben zu den Vergütungen und Tätigkeitsbereichen finden Sie in der Grafik-Übersicht).

Berufsanfänger mit abgeschlossener Promotion starten mit noch höheren Gehältern. Hier spielt neben dem Titel auch das in der Regel höhere Einstiegsalter eine Rolle. Promovierte Ingenieure starten im Schnitt mit 59.000 Euro.

Lukrative Jobwechsel

Assistenten, Sekretäre und Mitarbeiter in der Buchhaltung gehören zum Verwaltungsstamm eines Automobilunternehmens. In diesem Bereich ist ein akademischer Abschluss keine Einstellungsvoraussetzung, die Durchschnittsgehälter sind geringer als die von Kollegen mit Uniabschluss. Im Schnitt liegt die Vergütung in der Verwaltung bei 35.000 Euro. Im oberen Gehaltssegment zahlen Automobilunternehmen bis zu 45.000 Euro im Jahr.

Fotostrecke

12  Bilder
Arbeitgeber: Die größten Autozulieferer der Welt
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einigen Jahren Berufserfahrung verdienen deutlich mehr als zu Beginn ihrer Laufbahn. Doch welche Sprünge machen Facharbeiter in der Automobilbranche? Ein Key Account Manager bekommt nach sechs bis neun Jahren in der Praxis durchschnittlich rund 20.000 Euro mehr Gehalt. Ingenieure in der Produktion steigen von 51.100 Euro auf knapp 70.000 Euro im Jahr, Angestellte in der Verwaltung von 29.000 Euro auf 32.300 Euro. Große Sprünge können Angestellte in der Fahrzeugtechnik bereits nach wenigen Jahren machen. Große Unternehmen werben um Fachkräfte mit lukrativen Angeboten.

Je größer das Unternehmen, desto mehr Gehalt - dies gilt für alle Branchen. In der gut vergüteten Automobilindustrie kann die Firmengröße einen Gehaltsunterschied von bis zu 30.000 Euro ausmachen. So erhält ein Marketingprofi im kleineren Unternehmen mit bis 101 Mitarbeitern durchschnittlich 42.000 Euro, ein Kollege im Großkonzern mit über tausend Mitarbeitern für die gleiche Aufgabe 72.000 Euro. Ein geschickter Jobwechsel zahlt sich also aus.

Artur Jagiello, Gehalt.de

insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchdiabolo 19.06.2015
1. Geschickt
Herstellerseitig ist die Branche vom festen Arbeiter am Band bis hin zum Manager in Deutschland völlig überbezahlt. Der Händler krebst dagegen mit niedriger Rendite und immer neuen CI - Vorgaben vom Hersteller in seinem "Mikromarkt" herum. Von der deshalb erzwungenen Fusionitis ganz zu schweigen. Es soll ja nur noch "Megahändler" geben.
dr.haus 19.06.2015
2.
Toll,also nach den "sozialverträglichen"deutschen Abzügen sind das durchschnittlich 2.000,- netto. Und das in der Führungsindustrie!
vogel0815 19.06.2015
3.
Zitat von dr.hausToll,also nach den "sozialverträglichen"deutschen Abzügen sind das durchschnittlich 2.000,- netto. Und das in der Führungsindustrie!
Damit kann man dann gerade auf +/- 0 rauskommen am Monatsende. Die Hersteller residieren ja meist in Bestlagen (München und Stuttgart...)
argony 19.06.2015
4. Absolut falsch
der ganze Artikel. Denn zir Automobilindustrie gehören die ganzen Zulieferer - und die finanzieren mit ihren Billiglöhnen den viel kleineren "eigentlichen" Automobilsektor. Also an den Herrn Schreiberling: Note 6 - setzen !
boer640 19.06.2015
5.
Das Ganze geht dann zulasten der kleinen Zulieferer...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.