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Corona und Arbeitsrecht Was Arbeitnehmer jetzt wissen müssen

Bekomme ich meinen Lohn, auch wenn ich in Quarantäne bin? Darf der Chef mir Urlaub in Spanien verbieten? Und was ist, wenn ich im Urlaub erkranke? Arbeitsrechtler geben Antworten auf die wichtigsten Fragen der letzten Monate.
Zusammengestellt von Florian Gontek
Das Coronavirus stellt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen

Das Coronavirus stellt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen

Foto: Halfpoint Images / Getty Images

Reisen in Corona-Zeiten: Kann ich in meiner Freizeit machen, was ich will?   

Ab in den Urlaub, Hauptsache mal raus - das denken derzeit viele. Doch Ferien sind im Sommer 2020 ein heikles Thema. "Gerade kann man einfach nicht kopflos irgendwo hinfahren", macht der Düsseldorfer Fachanwalt für Arbeitsrecht, Jens Niehl, deutlich. Dennoch gilt: Wohin Sie reisen, ist nicht Angelegenheit des Arbeitgebers.

Also lieber gar nicht verreisen? Wollen Sie Ihren Urlaub selbst zurückziehen, weil die langersehnte Fernreise gecancelt wurde und zu Hause herumsitzen auch nicht als wirklich reizvolle Alternative erscheint, ist das gar nicht so einfach.

Hier gilt der Grundsatz: genehmigt, ist genehmigt. Einigen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf einen Urlaubszeitraum und gibt die Chefin schriftlich ihren Segen, so ist es am Ende im Prinzip nichts anderes, als hätten beide einen Vertrag über freie Tage geschlossen. Von diesem Grundsatz abzuweichen, funktioniert nur einvernehmlich. Wann man seinen Urlaub nimmt, sollte man sich daher ganz genau überlegen. Gerade jetzt.

Haben Sie also doch den Urlaub genommen, von Mallorca auf den Schwarzwald umgebucht und sind mit vollgepacktem Auto in die Ferien gestartet, kommt der nächste Ärger: Sie fühlen sich nach kurzer Zeit zunehmend elend, der Urlaub ist kaum erholsam. Jetzt sollten Sie genau abwägen: Ob auch die Urlaubstage passé sind, wenn Sie im Urlaub krank werden, hängt vom Einzelfall ab.

Liegen Sie krank auf dem Hotelzimmer, dann ist Urlaub auch Urlaub. Suchen Sie jedoch einen Arzt auf, der Ihnen bescheinigt, dass Sie arbeitsunfähig sind, dann verlieren Sie auch Ihre Urlaubstage nicht. Der entscheidende Tipp daher: Lassen Sie sich vom Arzt nicht nur bescheinigen, dass Sie krank sind, lassen Sie explizit Ihre Arbeitsunfähigkeit feststellen.

Sind Sie dann aus dem Urlaub zurück, wartet zu Hause oft das böse Erwachen: Haben Sie Ihre Ferien in einem Land verbracht, das vom Robert Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft wird , gilt eine zweiwöchige Quarantäne. Sie dürfen Ihre Wohnung nicht verlassen, auch nicht, um zur Arbeit zu gehen. Können Sie Ihren Job - etwa, weil Sie im Handwerk arbeiten - nicht von zu Hause erledigen, entscheidet der Grund Ihrer Quarantäne darüber, ob Sie weiterbezahlt werden.

Finanziell werden Sie, wenn Sie in Quarantäne nicht aus dem Homeoffice arbeiten können, durch einen Entschädigungsanspruch so behandelt, als seien Sie erkrankt.

Die gute Nachricht: Nach dem Infektionsschutzgesetz haben Sie ein Anspruch auf Verdienstausfall in den ersten sechs Wochen. Die Entschädigung bemisst sich dabei nach dem Lohnausfall. Kommen Sie auch nach dieser Zeit nicht in den Dienst zurück, erhalten Sie Krankengeld. Die schlechte: Es gibt auch Ausnahmen für Menschen, die verantwortungslos handeln und bewusst in Risikogebiete reisen. Hier kann der Arbeitgeber sogar mit Schadensersatz drohen.

Der Weg zur Arbeit und die Zeit im Büro: Wer haftet, wenn etwas passiert?

In Zeiten von Corona betrifft eine der ersten wichtigen Fragen des Tages den Arbeitsweg: Welches Verkehrsmittel Sie nutzen, um pünktlich im Büro zu sein, ist nicht Sache des Arbeitgebers. Auch während Corona nicht.

Der Weg zur Arbeit und zurück, das spiegelt auch die ständige Rechtsprechung, ist nicht Teil der Arbeit. Pünktlich und sicher zum Beruf zu erscheinen, ist Ihre Privatsache. Sie tragen das sogenannte Wegerisiko und Ihr Arbeitgeber darf Ihnen nicht verbieten, die öffentlichen Verkehrsmittel für den Arbeitsweg zu nutzen.

Kehren Sie aus dem Urlaub aus einem Risikogebiet zurück, verlangen die Behörden seit Ende Juli einen Corona-Test von Ihnen. Aber darf auch Ihr Arbeitgeber Sie zu einem Corona-Test zwingen? Generell ist der Corona-Test eine freiwillige Sache. Das ist auch nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet so.

Kehren Sie dann in den Dienst zurück, ist die Sorge sich anzustecken dennoch präsent. Wer haftet, wenn im Betrieb etwas passiert? Die Sozialgerichte haben noch nicht abschließend dazu entschieden, wie die Rechtslage bei Corona-Infektionen am Arbeitsplatz aussieht. Solange laufen Arbeitgeber Gefahr, für Personenschäden infolge von Covid-19-Erkrankungen auch bei lediglich fahrlässigem Verhalten haften zu müssen.

Werden infizierte Mitarbeiter nicht nach Hause geschickt oder werden von vornherein Sicherheitsabstände nicht vorgeschrieben und deren Einhaltung nicht überwacht, kommt ohnehin eine Haftung des Arbeitgebers wegen bedingtem Vorsatz in Betracht.

Im Falle von Corona lehnt es die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ab, für Schäden aufzukommen, die auf eine Infektion mit Covid-19 am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Die DGUV sieht dies nicht als Arbeitsunfall an. Mit der Einstufung als Pandemie, so der Spitzenverband der Unfallkassen, könne nicht mehr von einer Gefahr die Rede sein, die sich allein auf die Tätigkeit am Arbeitsplatz beschränken lässt.


Homeoffice während Corona: Kann ich meine Arbeit einfach am Küchentisch erledigen?

Homeoffice hat seit Corona einen gesteigerten Stellenwert, das zeigen Studien. Ein Recht auf Homeoffice wegen Angst vor Ansteckung gibt es aber auch in Corona-Zeiten (noch) nicht. Arbeitsminister Hubertus Heil plant bis Herbst, den Dienst im Homeoffice gesetzlich zu regeln. Derzeit gilt: Besteht in Ihrem Arbeitsvertrag nicht bereits eine Homeoffice-Vereinbarung, wird es für Sie schwierig, das Arbeiten von zu Hause von sich aus durchzusetzen.

Verstauchen Sie sich dann während der Arbeit im Homeoffice ein Bein oder brechen sich den Finger, ist die Frage, ob es sich dabei um einen Arbeitsunfall handelt, gar nicht so leicht zu beantworten.

Denn ist die Aufgabe, bei der Sie einen Unfall hatten, Teil des Privat- oder Berufslebens? Allein die räumliche Situation am Heimarbeitsplatz lässt Berufliches und Privates leicht miteinander verschmelzen. Die Rechtsprechung versucht, diese beiden Sphären nach Unfällen im Homeoffice klar voneinander zu trennen. Das hat Folgen für den Versicherungsschutz. Die Gegebenheiten im Homeoffice haben Sie in der Regel selbst gewählt. Sie müssen nicht an einem vom Arbeitgeber vergebenen Ort arbeiten. Gibt Ihr Arbeitgeber den Arbeitsplatz dagegen vor, sind Betriebswege erforderlich, um die Arbeit zu erbringen - das ist hier der Unterschied, auf den es ankommt.

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