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Claudia Kimich

Tipps von der Karriereberaterin Wie berechne ich meinen Bonus richtig?

Claudia Kimich
Ein Gastbeitrag von Claudia Kimich
Aleyna überlegt, ob sie den Job wechseln soll – aber sie kann nicht absehen, was sie in der neuen Position verdienen würde: Ein Teil des Gehalts ist variabel. Worauf muss sie achten, um den Bonus richtig einzuschätzen?
Foto: iStock / Getty Images

Aleyna, 29 Jahre, fragt: »Ich bin Teamleiterin und habe ein neues Jobangebot. Derzeit arbeite ich in einem mittelständischen Unternehmen; die neue Stelle wäre in einem Konzern. Leider kann ich nicht richtig einschätzen, was ich dort verdienen würde. Bei einem Wechsel will ich mich natürlich deutlich verbessern, aber das Grundgehalt ist dort nur geringfügig höher; allerdings wird, anders als bei meiner bisherigen Stelle, ein Bonus gezahlt, der angeblich auch mal 20 Prozent des Gehalts ausmachen kann. Das klingt für mich eher unsicher. Ich weiß nicht recht, wie ich an belastbare Informationen kommen soll, wie mein Gehalt tatsächlich ausfallen würde.«

Hallo Aleyna,

unbekanntes ist gern erst mal auch unheimlich und birgt jede Menge Unsicherheit, da befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Vor allem, wenn Ihnen noch kein Vertrag vorliegt und bisher lediglich darüber gesprochen wurde.

Das eigene Sicherheitsbedürfnis spielt hier eine wichtige Rolle. Je größer es ist, desto schwerer werden Sie sich mit variablen Gehaltsanteilen wie einem Bonus anfreunden können. Schauen Sie sich dieses Bedürfnis sehr genau an. Hängt es wirklich an den 20 Prozent? Was bedeutet dieser Anteil genau? Werden Sie möglicherweise, wenn Sie gut sind, viel mehr als bisher verdienen können?

Beleuchten wir Ihre Lage und das Angebot genauer:

  • Was genau macht Ihre Unsicherheit aus?

  • Welche Informationen würden Ihnen helfen?

  • Gibt es jemanden in Ihrem Netzwerk, die oder den Sie fragen können? Wann und wie erreichen Sie diese Person?

Prüfen Sie außerdem, wie interessant das Gesamtpaket der neuen Stelle mit allen anderen Faktoren, auch denen außerhalb der Gehaltskomponente, für Sie ist. Wenn Sie einen Job mit mehr Verantwortung übernehmen, ist ein variabler Vergütungsbestandteil eher die Regel als die Ausnahme.

Informieren hilft!

Sie können sich in Arbeitgeberbewertungsportalen wie kununu oder glassdoor informieren, dort werden auch Gehaltsvergleiche angeboten. Bitte beachten Sie aber, dass dort möglicherweise mehr unzufriedene als zufriedene Mitarbeiter ihre Meinung und ihr Gehalt preisgeben. Machen Sie außerdem einen Faktencheck im Internet zur Marktlage, zur Mitarbeiteranzahl und zur finanziellen Entwicklung des Unternehmens.

Überprüfen Sie Ihre eigenen Kontakte und deren Kontakte in Ihren realen und digitalen Netzwerken, wie LinkedIn oder Xing, ob jemand aus dem Unternehmen dabei ist, mit dem Sie über das Thema ins Gespräch kommen könnten.

Schauen Sie, ob das, was Sie erfahren, ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in Ihnen auslöst.

Lesen hilft!

Das wichtigste Element ist der Vertrag oder die entsprechende Zusatzvereinbarung zum Bonus. Dort sollte detailliert beschrieben sein:

  • Wie der Bonus berechnet wird: Oft sind die Formulierungen in Bonusvereinbarungen komplex und in englischer Sprache verfasst. Trotzdem müssen Sie sie unbedingt verstehen.

  • Auf welcher Basis die Berechnung erfolgt: Typischerweise setzt sich das Gehalt aus einem garantierten Fixeinkommen und einem variablen, erfolgsabhängigen Anteil zusammen. Aber Achtung: ist der Bonus als Anteil vom Zieleinkommen (etwa 80/20) formuliert? Sprich: Gelten bei einem Zieleinkommen von hoffnungsfroh angenommenen 10.000 Euro (als 100 Prozent) 8000 Euro als fix und 2000 als Bonus? Oder ist das Fixeinkommen (=100 Prozent) die Berechnungsbasis für den Bonus? Dann hätten sie die 10.000 sicher in der Tasche und die 2000 kämen obendrauf. Das wäre moderner, aber nicht alle Unternehmen handhaben das so.

  • Wie er erreichbar ist: Wichtig ist hier, wie groß der Anteil ist, den Ihre eigene Leistung hat. Oft sehe ich, dass ein Bonus nur zu 35 Prozent durch eigene Leistung erreicht werden kann – die anderen 65 Prozent hängen vom Teamerfolg und der Unternehmenszielerreichung ab.

  • Wie viel Einfluss Sie persönlich auf welche Faktoren haben: Verhandeln Sie gut, wenn es um die Ziele geht, die sie selbst beeinflussen können. Schauen Sie, von wem Ihre persönliche Zielerreichung möglicherweise abhängig ist: Sind Sie beispielsweise auf Zuarbeit von Kollegen angewiesen, um gute Ergebnisse zu erreichen?

Lesen Sie genau und gern mehrfach. Schreiben Sie für Ihren guten Überblick alle relevanten Informationen auf einer Seite zusammen.

Fragen hilft!

Fragen ist nach wie vor eine der allerzuverlässigsten Informationsermittlungsmöglichkeiten. Trauen Sie sich! Fragen Sie bei allen Punkten nach, die im Vertrag nicht erklärt sind und/oder die Sie nicht verstehen. Bleiben Sie höflich und freundlich. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand dazu keine Auskunft bekommen hat. Im Gegenteil, die meisten Personalerinnen und Personaler freuen sich darüber und erklären gern.

Gut entscheiden!

Jetzt haben Sie jede Menge Informationen. Was machen Sie damit?

Unterschreiben Sie nur, was Sie wirklich komplett verstehen. Sonst drehen Sie besser eine Extrarunde in Sachen Recherche. Entscheiden Sie mit Herz und Verstand: Bewerten Sie die Fakten sachlich – aber hören Sie auch darauf, was Ihr Bauch zum Ergebnis sagt.

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