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Gehaltsverhandlungen Was bin ich eigentlich wert?

Einmal googeln reicht nicht: Wer wissen will, was er in Gehaltsverhandlungen verlangen darf, sollte sich gut informieren. Gerade Berufsanfänger in den Wirtschaftswissenschaften überschätzen sich aber häufig. Wie viel Gehalt ist möglich? Und wie viel mehr bringt eigentlich ein Master-Abschluss?
Von Marike Frick
Foto: Corbis

Manchmal sitzen in Thomas Breidings Seminaren Absolventen, die sich erst einmal kräftig wundern. Wie jetzt, fragen sie dann, 50.000 Euro Einstiegsgehalt seien unrealistisch?

"Gerade die Absolventen von Business Schools haben oft sehr hohe Erwartungen", sagt Breiding. Für seinen Arbeitgeber MLP Finanzberatung hilft er Berufseinsteigern, die Lage besser einzuschätzen. Vor allem hilft er bei der Frage: Was bin ich eigentlich wert?

MLP pflegt eine Datenbank, die aus den Gehaltsangaben von 800.000 Akademikern gespeist wird. Die Daten zeigen: Die höchsten Einstiegsgehälter sind momentan im Bereich Consulting möglich, insbesondere für Ingenieure und Juristen - die können im Durchschnitt mit 42.000 bis 44.000 Euro jährlich rechnen. Ein Geisteswissenschaftler im Bereich Produktmanagement muss sich dagegen mit durchschnittlich 33.100 Euro begnügen.

Ein Master zahlt sich für Wirtschaftswissenschaftler im Vergleich mit ihren Bachelor-Kollegen mit jährlich 4300 Euro mehr aus. Für eine Promotion kann es bis zu 1000 Euro mehr im Monat geben, in den Ingenieursfächern etwa. Bei Dienstleistern dagegen ist der Titel weniger relevant. Außerdem, so Thomas Breiding, könne sich soziales Engagement im Studium oder die Förderung durch ein Begabtenförderwerk durchaus auch beim Einstiegsgehalt niederschlagen.

Wer wissen will, in welcher Größenordnung er sich einstufen darf, sollte laut Gehalts-Coach Martin Wehrle vor allem eines sein: aktiv. "Auf dem informellen Weg fließen oft die spannendsten Infos zum Thema Gehalt", sagt er. Wie schätzt beispielsweise der Chef aus dem letzten Praktikum den Gehaltsspielraum ein, wenn man sich in genau dieser Firma für einen Arbeitsplatz bewirbt? Gibt es ehemalige Studienkollegen, die schon in einem ähnlichen Job arbeiten und mit denen man sich einmal unterhalten könnte? Wehrle hat ein Buch mit dem Titel "Geheime Tricks für mehr Gehalt" heraus gebracht, und er weiß: "Nur wenn man sich offen austauscht, bekommt man ein Gefühl für die Gehälter."

Erster Anhaltspunkt ist für viele eine simple Internet-Suche. Laut Martin Wehrle birgt das aber Gefahren: "Die Statistiken im Internet sagen wenig aus. Wenn das 'Durchschnittsgehalt' bei 40.000 Euro liegt, verdient der eine 30.000 und der andere 50.000." Wer es genauer wissen will, kann beispielsweise bei MLP anfragen oder beim Beratungsunternehmen Personalmarkt. Auch dort werden kontinuierlich Daten über deutsche Gehälter gesammelt. Eine einmalige Beratung, online durchgeführt, kostet knapp 25 Euro.

Keine Entwicklung, keine Gehaltssprünge

Personalmarkt-Mitarbeiterin Heike Friedrichsen rät, sich vor der ersten Gehaltsverhandlung sehr gut zu informieren. "Schließlich ist das Einstiegsgehalt Grundlage für alle späteren prozentualen Erhöhungen." Außerdem, so die Expertin, sitze man im Bewerbungsgespräch zumeist einem erfahrenen Personal-Profi gegenüber, der sich tagtäglich mit den gängigen Gehältern beschäftige. Wer da nur vage Zahlen kennt, kann nicht mit dem nötigen Selbstbewusstsein argumentieren.

Grundsätzlich gelte: "Wer viel Geld will, muss etwas bieten. Je besser meine Qualifikationen und Erfahrungen auf die ausgeschriebene Stelle passen, desto mehr Geld ist das wert", so Heike Friedrichsen. Umgekehrt heißt das: Hebt mich nichts aus der Masse der Bewerber heraus, so sollte ich nicht allzu fordernd auftreten.

Übrigens ist auch relevant, in welcher Region man sich bewirbt: Im Süden wird generell mehr gezahlt als im Norden, im Westen mehr als im Osten - dort sind die Lebenshaltungskosten durchschnittlich höher. In diese Logik fällt auch, dass in Städten höhere Gehälter möglich sind als auf dem Land. Derzeit liegt Frankfurt am Main an der Spitze, dort liegt der Durchschnittsverdienst 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Am Ende zählt ja aber gar nicht nur das Gehalt. Deshalb fordert Thomas Breiding seine Seminarteilnehmer immer wieder auf, sich zu fragen: Was erwarte ich eigentlich von meinem Job? "Das Einstiegsgehalt ist ja nur ein Faktor unter vielen", sagt Breiding. "Natürlich gibt es bei einem großen Unternehmen erst einmal mehr Geld. Oft stagnieren diese Gehälter dafür aber länger als bei kleineren Unternehmen."

Keine Entwicklung, keine Gehaltssprünge - so einfach ist das. Wer es dagegen in einem kleineren Unternehmen versucht, verdient zwar erst einmal weniger, bekommt aber schneller mehr Verantwortung. Auch kann es sich manchmal auszahlen, einen schlechter bezahlten Job anzunehmen, bei dem die Arbeitsbedingungen besser sind. Der Lohn in diesem Fall: Zufriedenheit. "Es gibt doch wichtigere Aspekte als das Gehalt", sagt Thomas Breiding. Dann lacht er und sagt: "Aber ich bin eben auch ein Geisteswissenschaftler."

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