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Schlechter bezahlte Frauen Ein Drittel weniger Gehalt - BBC-Redakteurin schmeißt hin

Sehr viel weniger Geld für den gleichen Job: Die China-Korrespondentin der BBC will nicht länger hinnehmen, dass ihre männlichen Kollegen deutlich mehr verdienen - und hat ihren Job gekündigt.

30 Jahre lang war sie Journalistin bei der britischen Rundfunkanstalt BBC, nun hat sie offenbar genug: Die China-Korrespondentin Carrie Gracie hat ihren attraktiven Job in Peking gekündigt, weil sie deutlich weniger verdiene als ihre männlichen Kollegen. Der öffentlich-rechtliche Sender habe es versäumt, die Lücke bei der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen zu schließen, kritisiert die 55-Jährige.

"Genug ist genug", schreibt Gracie in einem offenen Brief . Vor einer Woche habe sie ihren Posten als Korrespondentin in China aufgegeben. Sie wolle nun auf ihren alten Posten in London zurückkehren. "Dort erwarte ich, gleich bezahlt zu werden", schreibt Gracie. Sie betont, dass es ihr nicht darum gehe, mehr Geld zu bekommen. Sie fordert gleiche Bezahlung.

Die BBC habe ihr eine Gehaltserhöhung angeboten, die sie ausgeschlagen habe. Die Rundfunkanstalt habe eingeräumt, dass es Gehaltsunterschiede je nach Position gebe, aber nicht deutlich gemacht, wie diese entstehen.

Seit Jahren wird international über die faire Bezahlung von Männern und Frauen diskutiert - zuletzt angefacht durch die "metoo"-Debatte. Einige Länder verfügen bereits über Gesetze, die mehr Gerechtigkeit bringen sollen. So etwa Island, wo ungleiche Löhne von Männern und Frauen inzwischen verboten sind. In Deutschland gilt seit Anfang Januar das Entgelttransparenzgesetz.

Arbeitgeber müssen jetzt Frauen mitteilen, was Männer verdienen, die einen ähnlichen Job machen wie sie - und Männern umgekehrt den Lohn von Frauen. Dabei gibt es jedoch erhebliche Einschränkungen. Der Nutzen des Gesetzes ist deshalb umstritten. In Deutschland verdienen Frauen auf den gleichen Positionen laut Statistischem Bundesamt  durchschnittlich sechs Prozent weniger als Männer.

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Eine Analyse bei der BBC hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass zwei Drittel der Spitzenverdiener Männer sind. Die BBC stecke in einer Vertrauenskrise, riskiere krachende juristische Niederlagen und den Abgang weiblicher Talente auf allen Ebenen, schreibt Gracie in ihrem Statement. Frauen mit Migrationshintergrund seien häufig mit noch größeren Gehaltsunterschieden konfrontiert.

Sie könne ihre Arbeit nicht mehr auf hohem Niveau ausführen, wenn sie gleichzeitig mit ihren Chefs über faire Bezahlung streiten müsse. Sie habe erfahren, dass die zwei männlichen internationalen Redakteure von BBC mindestens 50 Prozent mehr verdienen würden als Gracie und ihre Kollegin.

Es sei schmerzlich für sie, sich von ihren talentierten Kolleginnen in China zu verabschieden. "Ich will nicht, dass sie in der Zukunft diesen Kampf führen müssen, weil meine Generation es nicht geschafft, ihn jetzt zu gewinnen", schreibt Gracie.

Ein Sprecher der BBC sagte, viele Unternehmen hätten mit ungleicher Bezahlung von Männern und Frauen zu kämpfen. Die BBC schneide deutlich besser ab als der Durchschnitt. Zudem habe eine unabhängige Überprüfung ergeben, dass es keine "systematische Diskriminierung" von Frauen gebe.

"Hunger nach fairer Bezahlung"

In sozialen Netzwerken bekommt Gracie indes viel Lob. "Wir unterstützen sie aus vollem Herzen und fordern von der BBC, ohne Verzögerung die ungleiche Bezahlung im Unternehmen anzugehen", schreiben mehr als 130 BBC-Journalisten in einem Statement. Andere solidarisieren sich unter dem Hashtag "IStandWithCarrie" mit der Journalistin.

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"Die Unterstützung, die ich in den vergangenen Stunden bekommen habe, spricht für den tiefen Hunger nach einem gleichen, fairen und transparenten Lohnsystem", sagte Gracie dem BBC-Radiosender Radio 4. "Ich freue mich besonders, dass die Leute auch meine Arbeit in China erwähnen. Ich möchte nicht als die Frau in Erinnerung bleiben, die sich über Geld beschwert hat."


Anmerkung: In einer früheren Version lautete die Überschrift "50 Prozent weniger Gehalt - BBC-Redakteurin schmeißt hin". Sie transportierte den Inhalt des Textes nicht korrekt. Carrie Gracie gibt an, dass ihre männlichen Kollegen mindestens 50 Prozent mehr verdienen als sie selbst. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ihr Gehalt rund ein Drittel geringer ausfällt als das der männlichen Kollegen. Wir haben den Fehler korrigiert.

koe