In Kooperation mit

Job & Karriere

Gerüchte im Büro Klatsch hat auch was Positives

Ob Chefin, Lieferant oder Sekretärin - vor Klatsch im Büro ist kaum jemand sicher. Sich da komplett rauszuhalten ist keine gute Lösung. Denn das Tratschen ist wichtig fürs Team.
Hast du schon gehört?

Hast du schon gehört?

Foto: Getty Images/Image Source

"Du, ich glaube, die Sabine ist schwanger. Die streicht sich im Meeting ständig über den Bauch."

"Sag mal, der Sören hat was mit der Carolin, oder?"

Klatsch raubt Zeit. Klatsch kann verletzen. Aber er kann auch dabei helfen, in stressigen Situationen Druck abzulassen und sich von eher langweiligen Routineaufgaben abzulenken. "Klatsch ist etwas Böses, das Gutes tut", sagt Soziologe Christian Schuldt.

Das Reden über Dritte schweiße zusammen. Und nebenbei würden bei solchen Gesprächen auch Werte ausgehandelt, so Schuldt. Werde beispielsweise über eine Affäre im Büro getuschelt, werde damit auch deutlich, dass diese vom Team nicht akzeptiert werde.

Sich beim Tratschen ganz herauszuhalten, sei deshalb häufig keine gute Idee. Man isoliere sich im Team, bekomme viele Informationen nicht mehr mit - und werde auch selbst leichter zum Gegenstand von Klatsch.

Das Wort stammt aus dem 18. Jahrhundert. Damals wuschen Frauen auf öffentlichen Plätzen ihre Wäsche und während Hemden und Hosen auf das Waschbrett klatschten, tauschten sie den neuesten Tratsch aus. Aus dieser Zeit stammten auch Redewendungen wie "schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen" oder "jemanden durchhecheln" oder "Klatschbasen" und "Klatschtanten", wie Birgit Althans von der Leuphana Universität Lüneburg erklärt.

Sie hat eine Kulturgeschichte des Klatsches veröffentlicht - und hebt ebenfalls die positiven Aspekte hervor: Wenn es bei der Arbeit stressig wird, sorge Klatsch für Entspannung.

Wie heißt der neue Chef? Sind Kündigungen geplant? Bevor die Geschäftsleitung es verkündet, wabern erste Gerüchte über den Flur - und darüber reden, das beruhigt die Nerven, haben Forscher der University of California erkannt. Und Evolutionsforscher sagen: Die Neigung, Gerüchte zu verbreiten, ist angeboren.

Trotzdem ist auch klar: Die Grenze zwischen Klatsch und Mobbing ist schmal. Klatsch diene auch dazu, sich über andere zu erheben, sagt Psychologin Juliane Dreisbach. Und in Zeiten, in denen immer mehr Privates in sozialen Netzwerken veröffentlicht wird, taugten nur noch sehr intime Informationen als Klatsch.

Um Gerede zu vermeiden, sollten gerade Berufseinsteiger, die neu in eine Firma kommen, ruhig ein bisschen aus ihrem Privatleben erzählen, rät Coach Regina Michalik. Außerdem sollten sie beim Gerede über Kollegen genau hinhören. Wer gut im Beobachten sei, werde schnell heraushaben, was in der Gruppe toleriert werde und welche Werte in der Abteilung gelten.

vet/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.