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Geschenke im Job Was man zu Weihnachten annehmen darf

Vorsicht, Geschenke! In der Weihnachtszeit trudeln in vielen Büros Aufmerksamkeiten von Kunden, Geschäftspartnern oder vom Chef ein. Doch wer nicht aufpasst, bekommt deshalb Probleme.

Es kann eine Flasche Wein sein oder eine Packung Pralinen, ein Buch oder ein USB-Stick, VIP-Karten für ein ausverkauftes Bundesligaspiel oder ein paar Büro-Gadgets - kleine Aufmerksamkeiten zum Jahresende gehören bei vielen Geschäftsbeziehungen dazu. Doch wer nicht aufpasst, für den können solche Geschenke - beziehungsweise ihre Annahme - unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Wer muss aufpassen?

Alle - nicht nur Manager und Führungskräfte, sondern auch normale Angestellte. "Allzu große Geschenke gibt es meist ohnehin nicht mehr, um die Risiken zu minimieren", sagt André Kasten, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. "In den Dax-Unternehmen und auch in vielen anderen großen Firmen gibt es sogenannte Compliance-Vorgaben, darin ist das Problem der Geschenke und Zuwendungen geregelt", sagt Kasten.

Mit anderen Worten: Firmen regeln selbst, wie viel die Angestellten annehmen dürfen. Das kann von einem absoluten Verbot für Geschenke bis zu sehr großzügigen Regelungen reichen. Allgemein gelten Geschenke bis zum Gegenwert von etwa zehn oder 15 Euro als reine Aufmerksamkeit, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. Aber vor allem in korruptionsanfälligen Arbeitsbereichen wie dem Einkauf kann auch das schon problematisch werden. "Lässt man sich Geschenke als Gegenleistung für eine dienstliche Handlung geben, kann dies auch eine strafbare Handlung darstellen."

Ist Strafbarkeit das einzige Kriterium?

Nein. Selbst, wenn etwas nicht strafbar ist, kann es schlecht aussehen: Ein Klassiker bei Unternehmen sind laut Anwalt Kasten teure Tickets für Sportveranstaltungen wie etwa Fußballspiele. "Die kosten die Schenkenden meist gar nichts, weil sie ohnehin Dauerkarten für die Boxen haben", sagt er. Trotzdem müssen sich die Eingeladenen nach dieser Vorzugsbehandlung schnell anhören, hier besonders hofiert zu werden - und dann Entscheidungen möglicherweise nicht mehr unbefangen zu treffen.

Besonders strenge Grenzen für Beamte

Um solche Probleme zu vermeiden, dürfen Amtsträger wie Richter, Beamte, Notare und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung überhaupt keine Zuwendungen annehmen - das regelt das Strafgesetzbuch. Sie dürfen sich nicht mal zu einer Tasse Kaffee einladen oder sich einen billigen Kugelschreiber schenken lassen.

Das gilt auch für Lehrer - sogar dann, wenn deren Schüler ihnen ein Abschiedsgeschenk überreichen, wie eine Lehrerin in Berlin erfahren musste. Trotz der klaren Regeln kommt es immer wieder zu juristischen Auseinandersetzungen darüber, was als Geschenk erlaubt ist und was nicht.

Wo finde ich die Regeln, die für mich gelten?

In der freien Wirtschaft müssen die Compliance-Regeln Teil des Arbeitsvertrags sein, entweder als Anlagen, einsehbar im Intranet oder als Datenträger mit allen Bestimmungen. "Der Arbeitgeber hat eine Bringschuld, aber der Arbeitnehmer muss sich auch informieren", sagt Anwalt Kasten. Und seine Kölner Kollegin Nathalie Oberthür sagt: "Ein Verstoß gegen die Richtlinien kann zur Abmahnung und in gravierenden Fällen auch zur Kündigung führen."

Wer nicht genau weiß, wie er mit Geschenken umgehen soll, dem raten die Juristen zum Nachfragen. Denn wenn die Regelungen im Unternehmen Geschenke kategorisch ausschließen, ist sogar ein kleines Werbegadget tabu - selbst wenn es nur ein paar Euro kostet.

Was ist mit Geschenken vom Chef?

Auch firmeninterne Geschenke des Chefs an die Mitarbeiter können zu Verwicklungen führen - und zwar in steuerlicher Hinsicht. Im Allgemeinen gilt für Arbeitnehmer: Geschenke des eigenen Arbeitgebers können sie bis zu einem monatlichen Wert von 44 Euro annehmen, bei persönlichen Anlässen wie einer Hochzeit auch Geschenke bis zu einem Wert von 60 Euro, sagt Anwältin Oberthür. Wenn Kollegen für Kollegen sammeln und ein Geschenk überreichen, zu welchem Anlass auch immer, ist das ebenfalls unproblematisch. Denn das wird in der Regel als privates und nicht als dienstliches Präsent eingeordnet.

Wann will das Finanzamt mehr wissen?

Ganz grundsätzlich ist jede Aufmerksamkeit von Kollegen, Kunden oder Konkurrenten für das Finanzamt interessant. Aber: "Wenn die steuerliche Geschenkgrenze von 35 Euro nicht überschritten wurde, unterliegt ein Geschenk an einen Arbeitnehmer eines anderen Unternehmens nicht der steuerlichen Erfassung", sagt der Berliner Steuerberater Wolfgang Wawro. Ein solches Geschenk erfolge "personenorientiert" und könne somit auch nicht als Geschenk an das Unternehmen gewertet werden. Höhere Beträge allerdings müssen sich in der Steuererklärung wiederfinden.

Einfacher haben es Menschen, die selbstständig unterwegs sind - denn sie dürfen die Geschenke ihrer Kunden und Auftraggeber annehmen. Allerdings auch nicht in allen Fällen stillschweigend, wie Wawro sagt. Nur Geschenke mit geringem Wert müssen sie nicht als Betriebseinnahme angeben - die Grenze liege bei etwa zehn Euro.

Verena Wolff/dpa/him
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