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Lebenslauf-Ghostwriter: Gut verkauft

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Ghostwriter für Bewerbungen Wir pimpen deinen Lebenslauf

Die perfekte Bewerbung gibt's ab 250 Euro. Ein früherer Personalmanager stellt gleich die ganze Mappe zusammen, inklusive Motivationsschreiben in Ich-Form. Kommt man so an den Türstehern der Arbeitswelt vorbei?

Über sein Talent könnte Stefan Gribi ein paar bescheidene Worte sagen, aber sein Job ist es, dann doch lieber dick aufzutragen: "Ich kann allein durch eine Bewerbung einschätzen, wie ein Mensch tickt. Zu 90 Prozent liege ich damit richtig."

Gribi, 46, hat in seinem Berufsleben schon viele Bewerber durchleuchtet. Er war Personalchef bei einem Beratungsunternehmen und Rekrutierungsmanager beim Telefonkonzern Swisscom. Dabei ist ihm aufgefallen, dass viele Anschreiben die Anforderungen nicht erfüllen.

Wer aber einen guten Job haben möchte, der muss häufig erst an den Personalern vorbei, mit einem guten Bewerbungsschreiben. Sie sind die Türsteher der Arbeitswelt.

Gribi möchte der Türöffner der Arbeitswelt sein. Seine Geschäftsidee: Wenn die Türsteher sich pro Bewerber oft nur wenige Sekunden Zeit nehmen, muss in den Unterlagen eben alles professionell aussehen. Gribi gründete ein Ein-Mann-Unternehmen und macht es seinen Kunden besonders leicht, er übernimmt die komplette Bewerbung.

Geld statt Gespräch

Meistens sogar ohne ein persönliches Gespräch. Kunden müssen bloß einen Lebenslauf und das Stelleninserat an den Personalprofi schicken. Gribi schreibt dann die Bewerbung, das Motivationsschreiben, pimpt den Lebenslauf. Am Ende gibt es eine PDF-Datei. Kosten: zwischen 250 und 400 Euro.

Mit der Unsicherheit von Berufseinsteigern und Stellenwechslern kann man gut verdienen. Eine kleine Bewerbungsindustrie ist entstanden: Unzählige Ratgeber versprechen Tipps für die innovative Strategie zum Traumjob. In Seminaren tüfteln Bewerbungstrainer mit ihren Klienten an maßgefertigten Formulierungen.

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Bewerbungspannen: 15 kuriose Missgeschicke

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Das Grundproblem: Viele blicken bei den Bewerbungen nicht mehr durch. Sie sind verunsichert, überfordert, manchmal auch faul. Junge Bewerber sind gehemmt, wenn sie ihre Qualifikationen verschriftlichen müssen. Älteren Jobsuchern fehlt das Fachwissen, wie ein Lebenslauf heute aufgebaut sein sollte. Kaum jemand, der sich da nicht von Bekannten helfen lässt oder im Internet nach Vorlagen sucht. Deshalb sei es auch zulässig, dass jemand als Dienstleister dafür Geld verlangt, findet Gribi.

Doch solche gekauften All-inclusive-Pakete sind umstritten: "Ich sehe die große Gefahr, dass die Authentizität verlorengeht", sagt Folke Werner, 45, Leiter des Recruitings bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Er sollte es wissen. Im vergangenen Jahr hatte Werner 33.000 Bewerbungen, 1600 Einstellungen, 16.000 Bewerbungsgespräche und 1200 Praktikantenstellen zu verantworten.

"Ich rate Ihnen: Tun Sie das nicht"

"Ich möchte auch bei einer schriftlichen Bewerbung den Menschen kennenlernen", sagt Werner. Zwar gebe es allgemeine Standards, aber: "Ich lese gern eine Bewerbung, die nicht durchgestylt ist. Oft sind sie besser als Hochglanzbewerbungen." Die gepimpten Versionen seien "nicht aussagekräftig". Letztlich hätten auch Bewerbungsprofis nur eine gewisse Zahl von Vorlagen, die sie variieren. "Und die kennt man irgendwann", so Werner.

Auch steht oft der Vorwurf im Raum, ein vom Profi geschriebener Lebenslauf sei ein Plagiat. Das lässt Gribi nicht gelten: "Personaler sind nicht blöd. Die wissen auch, dass viele sich helfen lassen. Wenn ein IT-Spezialist sich bewirbt, dann ist doch klar, dass seine Kernkompetenz nicht im Schreiben liegt."

Als früherer Personalchef könne er sich nicht nur "extrem gut" in Menschen hineinversetzen, "ich treffe manchmal auch den Kern einer Bewerbung besser als der Bewerber selbst". Die Fakten in der Bewerbung seien schließlich alle authentisch, er arbeite sie bloß professionell auf. Gribi ist überzeugt: "Ich biete die größtmögliche Wahrscheinlichkeit, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden."

Zumindest in Karriereforen im Internet wird diese Meinung nicht vorbehaltslos geteilt. "Ich rate Ihnen: Tun Sie das nicht", schreibt Karriereberaterin und KarriereSPIEGEL-Kolumnistin Svenja Hofert in ihrem Blog . "Es ist teuer und kontraproduktiv, einen Werbeheini zu beauftragen, der Ihnen eine Persönlichkeit aufstülpt, die nur mit ihm selbst, aber nichts mit Ihnen zu tun hat."

"Wie ein persönlicher Fingerabdruck"

Auch Bewerbungstrainerin Regine Böttcher, 49, rät von einem Komplettpaket ab. Böttcher hat selbst viele Jahre als Führungskraft in der Verwaltung über Einstellungen entschieden: "Bewerben ist schwer. Aber es ist eben auch wie ein persönlicher Fingerabdruck", sagt sie. Nach ihrer Erfahrung ist das Selbstvertrauen von Bewerbern in den Vorstellungsgesprächen größer, wenn sie wissen: Die Bewerbung ist von mir.

"Es geht darum, die eigenen Worte zu finden und nicht ein Glanzwort neben das andere zu schreiben", sagt Böttcher. Ihre Kunden hätten oft wunderbare Ideen, warum sie sich bewerben wollen und was sie besonders macht. Wer so einen Text nicht komplett allein zu Papier bringen kann, müsse sich natürlich Unterstützung holen.

Allerdings habe auch sie den Eindruck, dass der Wunsch nach der einfachen Lösung, dem Ghostwriter für Bewerbungen, zunimmt, sagt Böttcher. Oft wird sie von Kunden gebeten, das Anschreiben zu übernehmen. "Ich bleibe aber dabei: Lieber an einigen Stellen etwas holprig als zu gelackt. Man muss sich eben etwas Mühe geben."

Die Zeit, die in einer ausgearbeiteten Bewerbung steckt, möchten sich einige Menschen sparen. Serviceschreiber Gribi hat gut zu tun, sagt er: "Im Schnitt schreibe ich jeden Tag zwei Bewerbungen." Seine Kunden seien durchschnittlich Mitte 30, häufig Manager, die am Wochenende lieber mehr Zeit mit der Familie verbringen wollen.

Letztlich hilft auch ein gepimpter Lebenslauf nur bis zum Vorstellungsgespräch. Denn: "Ein Interview kann man nicht faken", sagt Gribi.

Foto: Frauke Lüpke-Narberhaus

KarriereSPIEGEL-Autor Jonas Leppin (Jahrgang 1983) ist Journalist in Hamburg. Zuvor hat er Politik, Geschichte, Jura studiert und die Henri-Nannen-Journalistenschule absolviert.

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