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Studie zur Gleichstellung Zielvorgabe "null Frauen"

Die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen sind weiblicher geworden. Dennoch berufen die Kontrollgremien kaum Frauen in den Vorstand. Viele Aufsichtsräte formulieren gar ausdrücklich das Ziel "null Frauen".
Foto: Tobias Kleinschmidt/ picture alliance / Tobias Kleinschmidt/dpa

Manche oder mancher mag gehofft haben, dass sich auch die Zahl der weiblichen Vorstände erhöht, wenn mehr Frauen in deutschen Aufsichtsräten sitzen. Diese Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt.

Zwar haben 160 börsennotierte deutsche Unternehmen den Frauenanteil in ihren Kontrollgremien auf durchschnittlich 30 Prozent erhöht, obwohl nur jedes zweite durch die 2015 eingeführte Geschlechterquote dazu verpflichtet war. Das hat jedoch nicht zu einer verstärkten Rekrutierung von Vorstandsfrauen geführt: Deren Anteil dümpelt bei 8,8 Prozent.

"Noch immer haben 105 von 160 deutschen Börsenunternehmen keine einzige Frau im Vorstand. In Schweden, in den USA, in Großbritannien wäre das undenkbar. Rein männliche Führungsteams sind dort gesellschaftlich einfach nicht mehr akzeptiert ", sagt Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der AllBright-Stiftung.

Die gemeinnützige deutsch-schwedische Stiftung wird am Montag ihren alljährlichen AllBright-Bericht veröffentlichen: "Die Macht hinter den Kulissen. Warum Aufsichtsräte keine Frauen in die Vorstände bringen." Das liegt, so der Report, hauptsächlich daran, dass Aufsichtsrätinnen in der Regel nicht in den Nominierungsausschüssen der Gremien sitzen.

Diese Ausschüsse haben viel Macht und Einfluss - und selbst die Arbeitnehmervertretungen, deren Frauenanteil deutlich höher ist als der auf der Arbeitgeberseite, schicken lieber Männer in diese Gremien. Wo diese dann nach althergebrachtem Muster Kopien von sich selber befördern. Also Männer.

Zielvorgabe null

Aufsichtsrätin Fränzi Kühne kontrolliert das Telekommunikationsunternehmen Freenet und die Württembergische Versicherung. Sie findet es schade, wenn Firmen "immer noch nicht verstehen, dass ein divers aufgestelltes Unternehmen nicht nur ethisch richtig ist, sondern auch lukrativer". Die Gründerin der Social-Media-Agentur "Torben, Lucie und die gelbe Gefahr" sagt: "Vielleicht ist es der richtige Moment, die Quote im Vorstand einzuführen."

Tatsächlich haben 53 der Aufsichtsräte das Ziel "null Frauen" im Vorstand formuliert, darunter auch die von Zalando, Rocket Internet, Freenet, HelloFresh oder Xing. Damit können sie eine Frau nachrücken lassen, wenn ein Vorstandsposten frei wird, aber sie verpflichten sich nicht selbst dazu.

Und bei aktuellen Neubesetzungen gehen Frauen oft leer aus. Zalando hat seinen Vorstand jüngst um zwei Personen erweitert. Es waren zwei Männer. "Wir sind überzeugt, die richtige Besetzung gefunden zu haben", teilte Zalando dem SPIEGEL mit. "Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass unser Führungsteam größtenteils aus Männern besteht, und arbeiten daran, dies zu ändern."

Auch bei Freenet hat der Aufsichtsrat 2017 die bis Ende 2021 zu erreichende Frauenquote im Vorstand auf null Prozent festgesetzt. Als im März 2018 zwei Vorstandsposten bei Freenet vergeben wurden, gingen die an Männer. Die Begründung klingt altbekannt: "Für die beiden neuen Vorstandsressorts waren die beiden bestellten Herren am besten qualifiziert." Hätte es eine Zielvorgabe für Frauen im Vorstand gegeben, hätte der Aufsichtsrat möglicherweise nicht die besten nehmen können, sondern "andere Auswahlkriterien vorziehen" müssen - so die Befürchtung.

Peinlich berührt

Da ist sie wieder, die Mär von der unqualifizierten Quotenfrau. Fränzi Kühne, Aufsichtsrätin bei Freenet, würde es deshalb begrüßen, wenn Investoren in Sachen Führungsfrauen mehr Druck auf deutsche Unternehmen ausüben würden. Sie schlägt außerdem vor, "Diversity" als Zielvorgabe an die Managergehälter zu koppeln. "Wenn die verfehlt oder nicht erfüllt wird, spüren sie das im Geldbeutel." Lieber wären ihr allerdings "starke und selbstsichere Männer, die ganz ohne Druck, Quote und Repressalien Frauen fördern, einstellen und in den Vorstand berufen".

Tatsächlich zeigen sich viele der Unternehmen, die die Zielvorgabe null für weibliche Vorstandsmitglieder angeben, peinlich berührt und versichern, Frauen in die Chefetagen hieven zu wollen. "Der Aufsichtsrat der K+S AG ist mit dieser Zielvorgabe nicht zufrieden. Er strebt an, zukünftig auch eine Frau in den Vorstand zu berufen", sagte ein Sprecher des Düngemittelherstellers.

Die Holding des Energieriesen RWE will "eine deutliche Erhöhung des Frauenanteils in den operativen Vorstandsgremien der Konzerngesellschaften". So solle das neue Tochterunternehmen RWE Renewables von einer Frau als CEO geführt werden.

Der Bringdienst Hellofresh hebt sein Coaching-Programm für Frauen in Leadership-Rollen hervor, HeidelbergCement will den Pool möglicher Kandidatinnen durch Nachwuchsförderungsprogramme aufbauen. Xing lädt seine Mitarbeiterinnen zu einer "Female Executive Learning Journey" ein, um weibliche Führungskräfte weiterzuqualifizieren.

Das klingt nach den ersten Schritten auf einer noch weiten Reise.

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