Für jeden Gründer die richtige Rechtsform Vorsicht, sonst kommt der Pleitegeier

Die Geschäftsidee steht, jetzt kommt die Bürokratie: GmbH, OHG, KG oder eingetragener Kaufmann? Selbstständige sollten sorgsam prüfen, welche Rechtsform sie ihrem Betrieb geben.

Mut zur Selbstständigkeit: Die Wahl der Rechtsform ist eine wichtige Entscheidung
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Mut zur Selbstständigkeit: Die Wahl der Rechtsform ist eine wichtige Entscheidung

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Als Anton Schlecker vor drei Jahren sein Unternehmen verlor, da verlor er alles - seine Immobilien, seine Luxus-Autos, selbst die Bilder an den Wänden. "Nichts mehr da", sagte seine Tochter Meike, zehn Tage nachdem die größte Drogeriekette Deutschlands Insolvenz angemeldet hatte. Tausende Menschen verloren ihre Jobs. Und es blieb die Frage: Wie kann ein Milliardenvermögen auf null schrumpfen?

Es lag an der Unternehmensform, die der Patriarch gewählt hatte: "Eingetragener Kaufmann (e.K.)". Eine Rechtsform, die in Deutschland sehr beliebt ist. Wer im Handelsregister als Kaufmann eingetragen ist, kann als Inhaber allein entscheiden und muss keine Zahlen offenlegen. Der Nachteil: Nach der Pleite haftet man mit seinem kompletten Privatvermögen.

Hätte Schlecker seine Firma beizeiten in eine "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" (GmbH) umgewandelt, wäre ihm das finanzielle Fiasko erspart geblieben. Dann wären nur die Firmenwerte unter den Hammer gekommen - etwa die Möbel in den Filialen, die Lagerbestände und was sonst noch an Betriebsvermögen da war.

Welche der 14 Rechtsformen hätten's denn gern?

14 verschiedene Rechtsformen gibt es in Deutschland, plus Mischformen. Sie legen unter anderem fest, wie hoch ein Betrieb besteuert wird, ob Gründungskapital vorhanden sein muss und wer im Fall einer Pleite haftet. Deshalb sollte sich jeder, der sich selbstständig machen will, gut überlegen, welchen rechtlichen Rahmen er seiner Firma gibt.

Eine Frage, die vor allem für zukünftige Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte, Heilpädagogen, Autoren, Künstler, Steuer- und Unternehmensberater immer wichtiger wird: Noch nie arbeiteten so viele Selbstständige in freien Berufen. Anfang 2014 waren es laut Institut für Freie Berufe (IFB) in Nürnberg fast 1,27 Millionen Menschen - fast doppelt so viel wie noch im Jahr 1999 (siehe Statistik). Und es werden immer mehr. "Weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, machen sich besonders in Heilberufen immer mehr Menschen selbstständig", sagt Kerstin Eggert vom IFB.

Vertrauen gegen Insolvenzrisiko

Doch was ist für welche Firma wann die richtige Rechtsform? Bei der Entscheidung helfen Anwälte für Gesellschaftsrecht oder Steuerberater, wie der Stuttgarter Jörg Stockum. Er rät: "Für Gründer, deren Einkünfte der Einkommensteuer unterliegen, sind Einzelfirmen oder Personengesellschaften interessant." Vorteil: Ein Verlustausgleich ist möglich, es gibt Steuervergünstigungen. Nachteil: Das Gesetz sieht keine Haftungsbegrenzung vor.

Auch Cevdet Günel hilft jungen Unternehmern beim Start. Der Berliner Wirtschaftsingenieur rät: "Wächst das Geschäft, sollten Unternehmer eine haftungsbeschränkte Rechtsform wählen." Haftungsbeschränkt sind Kapital- und Aktiengesellschaften. Kaufleute entscheiden sich gern für eine Offenen Handelsgesellschaft (OHG) oder eine Kommanditgesellschaft (KG). Auch sie hat Vor- und Nachteile: Sorgt in der Branche für mehr Vertrauen, kann aber im Ernstfall zu einer Privatinsolvenz führen.

Zwei Drittel aller Betriebe sind Einzelunternehmer, weil diese Rechtsform viele Vorteile bietet: Freiberufler im Sinne des Einkommensteuergesetzes können beim Finanzamt über die Gewinn- und Verlustrechnung viele laufende Betriebskosten absetzen: Lohnzahlungen, Reparaturen, betriebliche Versicherungen, Beiträge zu Berufsgenossenschaften oder -verbänden, Kosten für Fortbildung und Fachliteratur sowie beispielsweise die Umsatzsteuer. Dafür haftet der Unternehmer bei einer Pleite mit seinem gesamten Vermögen - geschäftlich wie auch privat.

  • Amelia Wischnewski

    Isabell Prophet (Jahrgang 1986) ist Autorin in Hamburg und zur Sicherheit einfach nur Freiberuflerin. Bei voller Haftung, die sie allerdings ausschließt.

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Affenhirn 24.04.2015
1. Warum wird die UG nicht erwähnt?
Für Jungunternehmer hochinteressant ist doch die seit einigen Jahren mögliche Unternehmergesellschaft (UG(haftungsbeschränkt)), die im Prinzip mit einem Euro Stammkapital gegründet werden kann und mit Mustersatzung ist auch die notarielle Gründung kostenmäßig überschaubar. In sofern ist der Artikel doch halbherzig geschrieben, denn jeder der eine persönliche Haftungebegrenzung haben möchte (und wer möchte das nicht?), muss doch die GmbH oder die UG in Betracht ziehen - nur dieser Artikel macht das irgendwie nicht.
n.nixdorff 24.04.2015
2. Das
mit der Haftung als GmbH-Gesellschafter ist Theorie. Die Banken lassen sich persönliche Bürgschaften geben ("…Sie haben doch Vertrauen in Ihr eigenes Unternehmen…") und wenn es dann durch irgendwelche Umstände zur Insolvenz kommt, ist das Eigenheim, die Lebensversicherung, oder was sonst als Sicherheit dient, gefährdet. Lieferanten und andere gehen unter Umständen leer aus, die Banken bedienen sich immer.
trader_07 24.04.2015
3. Ich habe mich auch gewundert...
Zitat von AffenhirnFür Jungunternehmer hochinteressant ist doch die seit einigen Jahren mögliche Unternehmergesellschaft (UG(haftungsbeschränkt)), die im Prinzip mit einem Euro Stammkapital gegründet werden kann und mit Mustersatzung ist auch die notarielle Gründung kostenmäßig überschaubar. In sofern ist der Artikel doch halbherzig geschrieben, denn jeder der eine persönliche Haftungebegrenzung haben möchte (und wer möchte das nicht?), muss doch die GmbH oder die UG in Betracht ziehen - nur dieser Artikel macht das irgendwie nicht.
Ich habe mich auch gewundert, weshalb die UG (haftungsbeschränkt) nicht erwähnt wird. Auf diese Gesellschaftsform trifft nämlich die Überschrift am meisten zu ("Vorsicht, sonst kommt der Pleitegeier")
janmartin3 24.04.2015
4. Die Rechtsform ist nur Augenwischerei wenn Einzelunternehmer
Die Idee das eine GmbH im Pleitefall das Privatvermögen schützt sofern es sich um eine 1-Mann GmbH handelt stimmt nur, solange kein Banken-Kredit benötigt wird. Dann dann verlangt die Bank, dass der GmbH-Geschäftsführer auch als Privatperson mit-unterschreibt. Und damit ist die GmbH Konstruktion ausgehebelt. Selbst für Fördermittel der KfW verlangt die Hausbank dies. Denn die sind ja nicht zu 100% risikolos für die Hausbank. Und Hausbanken hätten halt gerne überhaupt kein Risiko. Also alles nur ein schöner Schein. Wessen Unternehmen Pleite macht, der ist auch privat erledigt. Eine zweite Chance wie in den USA gibt es in Deutschland nicht.
Affenhirn 24.04.2015
5. Undifferenzierte Jammerei
Zitat von janmartin3Die Idee das eine GmbH im Pleitefall das Privatvermögen schützt sofern es sich um eine 1-Mann GmbH handelt stimmt nur, solange kein Banken-Kredit benötigt wird. Dann dann verlangt die Bank, dass der GmbH-Geschäftsführer auch als Privatperson mit-unterschreibt. Und damit ist die GmbH Konstruktion ausgehebelt. Selbst für Fördermittel der KfW verlangt die Hausbank dies. Denn die sind ja nicht zu 100% risikolos für die Hausbank. Und Hausbanken hätten halt gerne überhaupt kein Risiko. Also alles nur ein schöner Schein. Wessen Unternehmen Pleite macht, der ist auch privat erledigt. Eine zweite Chance wie in den USA gibt es in Deutschland nicht.
Wenn natürlich der Unternehmer UNBEGRENZTE Bankbürgschaften gibt, dann ist die beschränkte Haftung ausgehebelt. Ich habe solche Unternehmen in Insolvenz gehen sehen. Da kann man sich dann nur an den Kopf fassen über die Unbedarftheit der Unternehmer. Allerdings gibt es ja häufig mehrere Gründe für eine Firmeninsolvenz. Unbedarftheit ist dabei durchaus eine Komponente. Andererseits ist es ein Fakt, dass durch die sogenannte Durchgriffshaftung die eigentlich beschränkte Haftung auch leicht mal unbeschränkt wird. Wer ein Unternehmen gründet, sollte sich aber über ein paar Tatsachen informieren, bevor er startet. Denn wenn ein Unternehmer gestartet hat, dann wird er von jeder juristischen Instanz als Vollkaufmann bewertet. Dabei ist es völlig egal, mit welcher Unternehmensform er unterwegs ist. Und dann wird grundsätzlich erwartet, dass auch dieser unbedarfte Jungunternehmer bereits alle rechtlichen und finanziellen Auswirkungen seines Handelns voll beurteilen kann. Verbraucherschutzrechte greifen z.B. praktisch nicht mehr.
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