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Großraumbüro vs. Homeoffice Was wir von Kakerlaken lernen können

Großraumbüro, das bedeutet Telefonalarm und nervige Macken der Kollegen. Ist die Flucht ins Homeoffice also eine gute Idee? Nur bedingt - wie ein Experiment mit Kakerlaken zeigt.
Kakerlaken sind dem Menschen ähnlicher als man denkt: Sie mögen keine Zuschauer.

Kakerlaken sind dem Menschen ähnlicher als man denkt: Sie mögen keine Zuschauer.

Foto: CARL COURT/ AFP

Täglich werden Kollegen in Gedanken ermordet - im Großraumbüro. Viele wünschen sich nichts sehnlicher als eine Einzelzelle, in der sie hinter all dem nervigen Gebrummel einfach die Tür zumachen können. Oder noch besser: das Homeoffice, ganz ohne störende Kollegen.

Doch wie störend ist die Anwesenheit anderer tatsächlich für unsere Arbeit? Erste Experimente dazu wurden mit Kakerlaken gemacht: Schon früh hatten Forscher festgestellt, dass die Tiere schneller laufen, wenn andere Kakerlaken ihnen dabei zuschauen. Sollten die Viecher hingegen den Weg aus einem Labyrinth finden, hatten sie Probleme, wenn "Zuschauer" im Raum waren. Daraus entstand die Hypothese: Bei einfachen Aufgaben steigt die Leistung, wenn andere anwesend sind - bei schwierigen sinkt sie.

Der Test funktioniert auch bei Menschen. Die Wissenschaftler sagen Probanden, sie müssten sich für ein Experiment eine bestimmte Laborkleidung anziehen - in Wahrheit geht es um das Umziehen selbst: Eigene Schuhe ausziehen, Laborsocken überziehen, Laborschuhe und Labormantel anziehen. Dann sagt man den Probanden, das Experiment finde leider doch nicht statt - sie könnten sich wieder umziehen.

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Foto: Corbis

All das passiert unter verschiedenen Bedingungen: Einmal sind die Probanden allein, einmal sitzt der Versuchsleiter daneben und schaut ihnen demonstrativ zu. Und einmal befindet sich "zufällig" jemand im Raum, der einen Apparat aufbaut.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Schaut jemand demonstrativ zu, brauchen die Probanden für die "leichten" Aufgaben - die eigenen Schuhe aus- und wieder anziehen - 30 Prozent weniger Zeit als ohne Zuschauer. Und selbst wenn nur "zufällig" jemand im Raum ist und gar nicht aufmerksam hinschaut, sind sie immer noch fast 20 Prozent schneller als allein.

Bei den "schweren" Aufgaben - die ungewohnte Laborkleidung an- und wieder ausziehen - ist es umgekehrt: Hier brauchen die Probanden länger, wenn jemand aufmerksam zuschaut oder auch nur "zufällig" im Raum ist.

Ein guter Arbeitgeber bietet beides an

Die Erklärung für diesen sogenannten Effekt der sozialen Erleichterung lautet: Es erregt uns emotional, wenn Artgenossen anwesend sind, egal, ob wir Kakerlaken sind oder Menschen. Diese Erregung bringt uns auf Trab, wenn wir etwas tun sollen, was uns geläufig ist. Wollen wir uns allerdings auf eine ausgefallene und schwierige Aufgabe konzentrieren, dann stört uns diese Erregung. Geht es um die bloße Anwesenheit anderer, ist der Befund also genau andersherum als bei der Teamarbeit, bei der man auch zusammen an einer Aufgabe arbeitet.

Für jede Tätigkeit gibt es folglich eine richtige Umgebung: Routineaufgaben erledigen sich leichter im Großraumbüro, hinter einer gläsernen Bürotür oder im Café - und viel schwerer im Einzelbüro oder allein im Homeoffice. Wer vorwiegend komplexe Dinge zu erledigen hat, arbeitet hingegen zurückgezogen am besten. Wenn Ihnen Ihre Arbeit also nicht so richtig von der Hand geht, dann prüfen Sie, ob die Umgebung stimmt, ob Sie womöglich mehr Zuschauer dafür brauchen oder weniger. Ein guter Arbeitgeber sollte immer für beide Varianten eine Möglichkeit bieten.

Foto: Mareike Föcking

Volker Kitz (links) hat Jura und Psychologie studiert und unter anderem als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut gearbeitet. Heute lebt er als freier Autor in München. In der Reihe "Büropsychologie" stellen wir seine besten Bürotricks vor. Sie sind seinem aktuellen Buch entnommen: "Warum uns das Denken nicht in den Kopf will. Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie" (gemeinsam mit Manuel Tusch, rechts).Homepage Volker Kitz und Manuel Tusch 

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