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15. Januar 2012, 07:16 Uhr

Gründungszuschuss 2012

Bloß nicht gleich zu viel verdienen

Der Gründungszuschuss soll Arbeitslosen beim Start in die Selbständigkeit helfen. Die Bundesregierung hat das Budget um über eine Milliarde Euro gekürzt, Gründer stehen jetzt vor ungeahnten Problemen. Karriereberaterin Svenja Hofert erklärt, womit sie rechnen müssen.

Seit dem Jahreswechsel hat sich der Gründungszuschuss grundlegend gewandelt. Er ist jetzt, in schönstem Beamtendeutsch, eine "Ermessensleistung". Es kann sein, dass ein Arbeitsloser einen Gründungszuschuss bekommt, wie zu den Hochzeiten der Ich-AG. Sie war der Vorläufer des Gründungszuschusses. Es kann aber auch sein, dass die Arbeitsagentur ablehnt.

Welche Begründungen die zuständigen Fallmanager bei der Bundesagentur für Arbeit dann heranziehen werden - derzeit noch unklar. Aber den Rechtsanspruch auf das Geld, wenn man bestimmte Bedingungen erfüllte, gibt es nicht mehr.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sich gegen den Widerstand von Experten durchgesetzt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte den Zuschuss als erfolgreiches Instrument gelobt, das zuvor arbeitslosen Gründern helfe, die schwierige Anfangsphase ihrer Selbständigkeit zu überstehen; die "Mitnahmeeffekte" seien gering. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Der Gründungszuschuss sei ein gelungenes Förderinstrument und werde kaum missbraucht, ergab eine Umfrage unter Jobvermittlern.

Die Regierung will dennoch sparen: Im Haushaltsplan der Bundesagentur ist statt bisher 1,9 Milliarden Euro nur noch eine Milliarde Euro vorgesehen, im Spätsommer war sogar noch von einer Kürzung auf 470 Millionen Euro die Rede. "Wenn die geplanten Einsparungen 1:1 umgesetzt werden, führt dies zu einem Rückgang geförderter Gründungen von etwa 140.000 in diesem Jahr auf rund 90.000 in 2012 und 50.000 ab 2013", rechnet Andreas Lutz von der Informationsseite gruendungszuschuss.de vor.

Viel Unsicherheit bei Gründern

Aber werden die Kürzungen wirklich so strikt umgesetzt? Selbst das ist nicht ganz klar. Genauso wie in den Sternen steht, ob die Maßnahmen von der Leyens das Gründungsgeschehen wirklich beeinflussen.

Sicher sind derzeit nur die von der Bundesagentur kommunizierten Eckdaten:

Bei der Auslegung der neuen Richtlinien dürfte es erhebliche regionale Unterschiede geben, je nachdem, welche Arbeitsagentur zuständig ist. Bei der Hamburger Arbeitsagentur zum Beispiel sah man es schon 2011 höchst ungern, wenn die fachkundige Stellungnahme von einem Steuerberater stammte. Geduldet wurden dagegen bestimmte Unternehmensberater, die den Sachbearbeitern bekannt waren. Wer auch in Zukunft einen Unternehmensberater in Anspruch nehmen möchte, sollte das vorher auf jeden Fall mit seiner Arbeitsagentur klären, um nicht an dieser Hürde zu scheitern.

Wie stehen also nun die Chancen? Schwerer werden dürfte es für Gründer, die mit der Gründung sofort relativ viel Geld verdienen, etwa Freelancer mit Projektverträgen auf Zeit. Auch Gründer, die noch gar keine Kunden oder Einnahmen in Aussicht stellen können, dürften schlechte Karten haben. Die besten Chancen hat die mittlere Gründerschicht: Jung-Entrepreneure, die bereits etwas in der Hand haben, aber noch nicht genug Geld auf dem Konto.

Wann sind die Einkünfte zu hoch?

Doch wer soll das prüfen? Kein Arbeitsagentur-Berater darf, geht es um den Bezug von Arbeitslosengeld I, Einsicht in die privaten Vermögensunterlagen fordern. Indes sind die Einnahmen aus nebenberuflich selbständigen Tätigkeiten normalerweise bekannt, da Antragsteller diese Einnahmen beibehalten dürfen, wenn sie Arbeitslosengeld beantragen.

Ein Beispiel: Ein arbeitsloser Pressereferent hat nebenberuflich als Autor 1500 Euro verdient. Er bekommt Arbeitslosengeld in voller Höhe und kann diese 1500 Euro weiter einnehmen. Bisher war die Umwandlung einer nebenberuflichen in eine hauptberufliche Selbständigkeit problemlos möglich. Die aktuelle Formulierung lässt das offen: "Der Antrag ist vor der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit bei der für Ihren Wohnsitz zuständigen Agentur für Arbeit zu stellen."

Aber auch wenn weiterhin nebenberufliche Tätigkeiten umgewandelt werden können, was absolut sinnvoll wäre: Will der Pressereferent nun hauptberuflicher Autor werden und Gründungszuschuss beziehen, könnte die Bundesagentur mit dem Hinweis ablehnen, dass die Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit ja bereits hoch genug seien.

Nicht zu lange warten

Wie soll man als potenzieller Gründer mit dem Thema umgehen? Entspannt und strategisch! Wer etwas von der Arbeitsagentur möchte, sei es die Finanzierung einer bestimmten Weiterbildung oder einen Gründungszuschuss, war schon immer gut beraten, sich auf die Gespräche vorzubereiten. Je klarer die Absichten, die ein Arbeitsagentur-Kunde seinem Berater mitteilt, desto wahrscheinlicher geht dieser darauf ein.

Deshalb dürfte es von Vorteil sein, möglichst bald seinen Gründungswillen zu signalisieren. Volle sieben Monate vor dem Antrag Arbeitslosengeld zu beziehen und dann erst Gründungsabsichten zu bekunden, das war bisher kein Problem und könnte künftig strategisch unklug sein.

Die Förderung dürfte sich jetzt auf Gründer konzentrieren, die wirklich zur Gründung motiviert sind und schon etwas in der Hand haben - ohne gleich nächsten Monat 10.000 Euro in Rechnung stellen zu können. Alle anderen sollten sich erst einmal nebenberuflich ausprobieren, bevor sie den großen Schritt gehen. Vom Gründungszuschuss abhängig machen muss sich dann niemand: Schön, wenn man ihn bekommt. Und auch kein Drama, falls nicht.

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