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Job & Karriere

Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Werden Sie zum Chef Ihres Lebens

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Die klassischen guten Vorsätze haben wenig Aussicht auf Erfolg. Hier kommt ein Fünf-Schritte-Programm, das Ihnen wirklich helfen kann, Ihre Ziele zu klären und zu erreichen.
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Taylor Callery / Ikon Images / IMAGO

Markus, 45 Jahre, fragt: »Im Job bin ich sehr zielorientiert, doch für mich selbst schaffe ich es einfach nicht, meine jedes Jahr aufs Neue gesteckten beruflichen und privaten Ziele anzugehen. Was raten Sie mir, wie ich meine guten Vorsätze endlich umgesetzt bekomme?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Lieber Markus,

frohes Neues! Ja, das mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel ist so ein Ding. Es wundert mich nicht, dass statistisch 50 Prozent von ihnen den März nicht überleben. Schließlich sind sie meist mehr das Resultat einer beschwipsten Silvesterlaune als echte Motivation. Es kann nicht gut gehen, derart persönliche Entscheidungen mal eben so zwischen Weihnachtsgans und Neujahrskrapfen zu treffen. Veränderung und Entwicklung erfordern Selbstreflexion und sind Arbeit, die jedoch auch Freude machen darf.

Wenn Ihre guten Vorsätze also mehr als das Pflichtprogramm zum Jahreswechsel sind und Sie wirklich Lust auf Veränderung haben, dann werden Sie die folgenden fünf Schritte mit Leichtigkeit in die Umsetzung bringen.

1. Befördern Sie sich zum Chef Ihres Lebens

Übernehmen Sie Selbstverantwortung, statt bequem mit dem Finger auf andere zu zeigen. Auf den ungerechten Chef, die mobbende Kollegin, die doofen Nachbarn oder eine unfähige Regierung. Und überhaupt, wenn Corona nicht wäre, ja dann hätten Sie Ihre Ziele der letzten zwei Jahre längst erreicht.

In diesem Zustand können Sie Ihre guten Vorsätze noch heute vergessen. Es ist Ihre eigene Haltung als Gestalter statt Opfer, die darüber entscheidet, ob Sie sich auf den Weg in Richtung Ihrer Ziele machen oder bereits jetzt gute Gründe dafür finden, warum Sie es am Ende einfach nicht schaffen konnten. Woran werden Sie bemerken, dass Sie der Chef Ihres eigenen Lebens sind?

2. Definieren Sie attraktive Annäherungsziele

Weniger Alkohol, endlich mit dem Rauchen aufhören, abspecken. Raus aus dem kranken Job, weniger Überstunden, Dinge nicht mehr so persönlich nehmen. Alle diese traditionell auf den Toppositionen der guten Vorsätze rangierenden Ziele sind Vermeidungsziele: Weg von Belastendem statt hin zu Besserem.

Solche Weglaufziele sind für unseren Verstand extrem unattraktiv. Überlegen Sie sich, was stattdessen sein sollte. Was wünschen Sie sich statt des miesen Jobs in Zukunft? Vielleicht einen Arbeitgeber, bei dem Sie den Sinn Ihrer Arbeit erkennen, nette Kollegen haben und eine Aufgabe, bei der Sie Ihre Stärken optimal nutzen können? Je lebendiger Sie sich diese Ziele ausmalen, desto intensiver wird Ihre Lust, sich neugierig auf den Weg dorthin zu machen. Worauf sind Sie neugierig, es dieses Jahr bewusst anders zu machen?

3. Klären Sie die echte Motivation hinter Ihren Zielen

Ein gut klingendes Ziel ohne echte Motivation ist wie ein Fass ohne Boden. Sie können sich die großartigsten Ziele überlegen, doch ohne zu wissen, wofür genau Sie Zeit investieren, alte Gewohnheiten überwinden oder sogar Geld ausgeben, wird es mehr Überwindung und ein harter Kampf sein als die beflügelnd leichte Veränderung.

Mal angenommen, Sie möchten mehr Sport treiben – was verbinden Sie persönlich mit diesem Ziel? Geht es Ihnen vielleicht um mehr allgemeine Fitness, die Vorbereitung für den nächsten Marathon, den muskulösen Waschbrettbauch, andere Menschen treffen oder um den Abbau von Stresshormonen? Was ist es für Sie persönlich, das tatsächlich hinter Ihren Zielen steckt?

4. Kommen Sie mit kleinen Schritten ins Handeln

»Das schaffe ich doch niemals«, höre ich häufig, wenn wir im Coaching über Veränderungen im Beruf und hiermit verbundene Ziele sprechen. So weit oder herausfordernd ein Weg auch sein mag, so wichtig ist es, die ersten noch so kleinen Schritte möglichst konkret zu planen.

Es geht nicht um den vollständigen sicheren Plan bis zum Ziel. Entscheidend ist es, in die Veränderung hineinzukommen und das gute Gefühl zu spüren, etwas für sich zu tun. Womit können Sie heute oder morgen konkret beginnen, das Sie ins Handeln bringt?

5. Erlauben Sie sich, Ziele mit Leichtigkeit zu erreichen

Vermutlich kennen Sie die SMART-Formel, nach der Ziele spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein sollten. Doch was nützt das smarteste Ziel, wenn Sie sich selbst im Weg stehen? Weil Sie perfektionistisch sind, sich keinen Erfolg gönnen dürfen oder Ihnen nur der Gedanke an Veränderung Angst macht.

Wie ist es bei Ihnen? Können Sie sich selbst erlauben, Ihren Weg neugierig zu entdecken? Denn dann wird es auch leicht sein. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Umsetzung!

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