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"Lehrende" statt "Lehrer" Hannover führt gendergerechte Sprache ein

Herr und Frau wird es als Anrede nicht mehr geben, Lehrer und Wähler auch nicht: Die Stadt Hannover will E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer und Briefe künftig genderneutral formulieren.
Das Neue Rathaus in Hannover

Das Neue Rathaus in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Lehrer werden zu Lehrenden, Wähler zu Wählenden, Teilnehmer zu Personen - und aus dem Rednerpult wird das Redepult: Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover setzt in Zukunft stärker auf Gendergerechtigkeit.

Der gesamte städtische Schriftverkehr, also E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer, Hausmitteilungen, Formulare, Rechtstexte und Briefe, werde von nun an in "geschlechtergerechter Verwaltungssprache" formuliert sein, wie eine Sprecherin der Stadt auf SPIEGEL-Anfrage bestätigte. Die neue Regelung gilt für die 11.000 Mitarbeiter der Stadt.

Oberbürgermeister Stefan Schostok sagte: "Vielfalt ist unsere Stärke - diesen Grundgedanken des städtischen Leitbilds auch in unsere Verwaltungssprache zu implementieren, ist ein wichtiges Signal und ein weiterer Schritt, alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen."

"Sprache ist in Bewegung"

Außerdem entspreche der Beschluss der aktuellen Gesetzgebung, nach der seit dem 1. Januar das dritte Geschlecht im Personenstandsregister geführt werden muss. Die wichtigste Grundregel sei, überall da, wo es möglich ist, "geschlechtsumfassende Formulierungen" zu verwenden, sagte Schostok. Falls dies nicht möglich sei, dürfe auch das Gender-Sternchen zum Einsatz kommen - etwa bei Dezernent*innenkonferenz.

Das Sternchen* zwischen der maskulinen und femininen Endung soll in der Schriftsprache als Darstellungsmittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten dienen. Damit soll es gezielt den Geschlechterdualismus aufheben, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt.

Das Gender-Sternchen ersetzt das bisher verwendete Binnen-I. Das war bereits 2003 im offiziellen Schriftverkehr der Stadtverwaltung eingeführt worden. Die Landeshauptstadt will mit den neuen Formulierungen, eine "diskriminierungsfreie und den Geschlechtern gerecht werdende Sprache" umsetzen. Die Regeln sind laut der Pressemitteilung ab sofort gültig.

"Sprache ist in Bewegung", sagt die Sprecherin der Landeshauptstadt. Dies gelte auch für die aktuelle Neuregelung: Ein Einwohner hatte angeregt, das geplante "Wählendenverzeichnis" in "Verzeichnis der Wahlberechtigten" umzubenennen - ein Vorschlag, der sofort umgesetzt werden soll.

kha
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