Ländervergleich Deutsche Firmen kommen mit viel weniger Chefs aus

In deutschen Unternehmen haben Chefs für viel mehr Mitarbeiter Verantwortung als in britischen oder amerikanischen. Eine Studie hat drei Faktoren ermittelt, die diese flachen Hierarchien möglich machen.

Ein Chef, x Mitarbeiter
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Ein Chef, x Mitarbeiter


Angestellte brauchen Führung - das ist in fast allen Unternehmen Konsens. Aber wie viele Mitarbeiter auf einen Vorgesetzten kommen, variert deutlich - abhängig vom Land. Das belegt eine Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Zürich und Cambridge, die von der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt wurde. In Deutschland gibt es demnach im Schnitt deutlich weniger Führungskräfte als in anderen Ländern.

Die Forscher verglichen das Verhältnis von Vorgesetzten und Mitarbeitern in 22 Maschinenbauunternehmen in der Produktion. Dabei untersuchten sie, wie viele Mitarbeiter im Schnitt auf einen Chef kommen. Das Ergebnis:

Deutschland: 26
Schweiz: 13,6
Großbritannien: 10,3
USA: 7,1

Der niedrigste Wert bei den deutschen Firmen beträgt der Studie zufolge 17,6, in den USA liegt der höchste Wert bei 13. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler Unternehmen, die mindestens 50 Beschäftigte haben und mit vergleichbaren Technologien arbeiten. Die Daten interpretieren sie so:

In "liberalen Marktwirtschaften" wie den USA "fehle es an Mechanismen zur Gewährleistung von adäquater Qualifikation, Mitarbeiterbindung und Vertrauensbildung", heißt es in einer Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung. Daher seien die Firmen gezwungen, in erster Linie auf Hierarchie und Regeln und damit auf eine enge Kontrollspanne zu setzen.

Forscher: Qualifizierte Mitarbeiter brauchen wenig Überwachung

In einer "koordinierten Marktwirtschaft" wie Deutschland dagegen seien im Vergleich weniger Chefs nötig und es werde weniger kontrolliert. Denn: "Ein solides Berufsbildungssystem sorge für qualifizierte Arbeiter, die wenig Anleitung und Überwachung brauchen." Die Rede ist von "flachen Hierarchien". Wenn gut ausgebildete Beschäftigte auch anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, sei die Motivation von vornherein höher.

Der Mitteilung zufolge sind vor allem drei Aspekte notwendig, damit eine Firma mit wenigen Chefs auskommt: eine qualitativ hochwertigen Berufsbildung, ein hoher Anteil interner Beförderungen und eine Arbeitnehmervertretung. Sobald nur eines dieser Elemente fehle, nehme der Überwachungsbedarf erheblich zu.

fok



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