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Headhunter Beichtgespräch beim Berater

Tritt man im Job auf der Stelle, kann ein Headhunter-Kontakt zum Sprungbrett werden - aber der aktuelle Chef sollte nichts davon erfahren. Im Interview erklärt Karriereberater Steffen Westermann, wann sich Eigeninitiative auszahlt und warum seriöse Personalberater offene Worte schätzen.
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Foto: Corbis

SPIEGEL ONLINE: Auf was sollte man achten, bevor man seine Bewerbung einem Personalberater schickt?

Westermann: Der derzeitige Arbeitgeber darf auf keinen Fall mitbekommen, dass sein Arbeitnehmer sich bewirbt. Man sollte tunlichst vermeiden, Kollegen von den Wechselabsichten zu erzählen. Zudem muss man auch bei der Wahl der Personaldienstleister aufpassen: Sie behandeln eine Bewerbung fast immer vertraulich - aber es gibt auch schwarze Schafe, die etwas laxer mit den Informationen umgehen, so dass es zum Arbeitgeber durchsickern kann.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man denn ausschließen, dass man an so ein schwarzes Schaf gerät?

Westermann: Ganz auszuschließen ist das nie. Es hilft, sich auf den Web-Seiten der Personalberater die Referenzen anzusehen. Ein Gütesiegel sind die Dachverbände, zum Beispiel der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater oder die Vereinigung Deutscher Executive-Search-Berater. Wichtig sind auch die Kontaktdaten: Da sollte nicht nur info@irgendwas stehen, sondern ein persönlicher Kontakt und im besten Fall auch ein kurzer Lebenslauf des Vermittlers angeboten werden.

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Personalberater trifft Kandidat: Was Headhunter raten

SPIEGEL ONLINE: Wenn ich einen beruflichen Wechsel plane - welche Mindestvoraussetzungen muss ich erfüllen, um mich an einen Personalberater zu wenden?

Westermann: In eher konventionellen Branchen wie Banken, Versicherungen und Handel sollte man mindestens fünf Jahre Berufserfahrung gesammelt haben, möglichst in einem statt mehreren Unternehmen. Denn häufige Wechsel interpretiert der Personalberater hier als Unstetigkeit, zu wenig Ausdauer, eventuell schwierige Persönlichkeit, nicht teamfähig, niedrige Frustrationstoleranz - als alles in allem keine überzeugende Leistungsmotivation. In der Werbung wird es dagegen eher positiv gesehen, wenn der Kandidat sich die ersten Sporen nicht nur in einer Agentur verdient hat. Dort werden Wechsel als Zeichen von Dynamik und Interesse an verschiedenen Agenturkonzepten gesehen.

SPIEGEL ONLINE: In welcher Situation ist es sinnvoll, bei einem Personalberater anzuklopfen?

Westermann: Wenn man sich in seinem Unternehmen, in seiner Abteilung wie in einer Sackgasse fühlt. Dann ist der Personalberater ein guter Weg, in ein anderes Umfeld zu kommen. Es kommt ja sehr häufig vor, dass Absolventen in einem kleineren Unternehmen ins Berufsleben starten. Da können die Entwicklungsmöglichkeiten schnell ausgeschöpft sein. Für viele spielt auch die interne Weiterbildung eine große Rolle: Die kann später vor Arbeitslosigkeit schützen, wird aber oft nur von größeren Unternehmen angeboten. Auch deshalb kann ein Wechsel Sinn ergeben.

Lotsen für den Aufstieg

SPIEGEL ONLINE: Wie sollte man den Kontakt mit Personalberatern aufnehmen?

Westermann: Der beste Weg ist meist eine Mail mit angehängtem Lebenslauf. Der Lebenslauf sollte nicht länger als eine Seite sein, da sollte klar werden: Was kann der? Was ist der Mehrwert? Dann lässt man ein, zwei Wochen verstreichen. Wenn Personalberater Interesse haben, melden sie sich. Sollte nach spätestens drei Wochen nichts passiert sein, kann man anrufen, auf die Mail hinweisen und nachfragen. Damit ist man auf der sicheren Seite und belästigt niemanden.

SPIEGEL ONLINE: Ist es klug, gleich zu Anfang den Grund für den Wechselwunsch zu nennen?

Westermann: Man sollte das wie ein Beichtgespräch verstehen: Wenn man davon ausgeht, dass man einen seriösen und vertrauenswürdigen Anbieter anschreibt, kann man ruhig offen Gründe nennen, auch schon gleich zu Beginn. Bliebe man in diesem Punkt nebulös, könnte man schnell in die Rubrik Querulant fallen: Eine Persönlichkeit, die vielleicht einfach mit den Kollegen nicht klarkommt und deshalb weg will. Es ist doch gut, wenn gleich aus der Mail hervorgeht: Ich bin gut, ich bin motiviert, und genau deshalb will ich eine neue Herausforderung, die ich in meinem aktuellen Unternehmen nicht bekommen kann.

SPIEGEL ONLINE: Wann darf das Gehalt ins Spiel kommen?

Westermann: Wenn der Personaldienstleister Interesse hat, wird er die Gehaltsfrage im Normalfall ansprechen. Dann erst wird diskutiert, welche Gehaltsmargen in Frage kommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind denn die Erfolgsaussichten einer Initiativbewerbung bei Personalberatern?

Westermann: Vorausgesetzt, der Berater hat Interesse und nimmt den Bewerber auf, sind die Erfolgschancen sehr hoch. Sie liegen bei 60 bis 70 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Macht es einen Unterschied, ob man sich bei kleinen, auf die jeweilige Branche spezialisierten Beratern bewirbt oder bei großen, breiter aufgestellten Unternehmen?

Westermann: Das hängt stark von der Branche ab, in der man arbeitet. Für mittelständische Betriebe mit Technikorientierung hilft ein Spezialist, auch in der Hotellerie ist das der bessere Weg. Für Betriebswirte oder Juristen kommt eher ein größerer Generalist in Frage, der über umfangreiche Ressourcen verfügt. Auch wenn der Wunsch besteht, ins Ausland zu wechseln, ist der Generalist erfolgversprechend.

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