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Huhu, Headhunter: Hier bin ich!

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Karriereplanung Lieber Headhunter, ich wäre dann so weit

Kann man Karriere tatsächlich planen? Studium oder Auslandserfahrung sind zwar Bausteine für beruflichen Erfolg, aber lange keine Garantie. Karriereberater und Headhunter versprechen Hilfe auf dem Weg nach oben. Selbst sie sagen: Nach Plan verläuft der Aufstieg bei den wenigsten.
Von Maria Zeitler

Ingenieur war Wolfgang Laures nicht genug. Das Studium hatte er abgeschlossen, doch jetzt wollte er mehr: Unternehmensberater bei McKinsey, das schien ihm passend. "Mir wurde schnell klar, wenn ich Karriere machen will, darf ich nicht lange im technischen Bereich bleiben, ich wusste, dass ich da schnell raus muss", sagt er. Also fasste er einen Plan. Und der ging nicht auf.

Denn die Bewerbung bei McKinsey scheiterte. Aufgeben kam für Laures aber nicht in Frage: "Ich wusste, dass viele Unternehmen für die Top-Positionen Auslandserfahrung verlangen", sagt er. Deshalb suchte er nun gezielt nach Stellen mit Auslandseinsätzen. So kam er zu Procter & Gamble, "das waren die Einzigen, die mir versprechen konnten, dass sie mich sehr früh ein Jahr ins Ausland schicken", sagt er. Den Traum vom Unternehmensberater-Job bei McKinsey hatte er immer noch.

Nach sechs Jahren bewarb er sich wieder, er schaffte es - und stieg höher ein, als er es zuvor getan hätte. Er war am Ziel. "Aber dann erkannte mich meine kleine Tochter nicht mehr, weil ich kaum zu Hause war - ich hatte ein Problem", sagt er.

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Karriere nach Plan: Zum Chef in sieben Jahren

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Nun war er offen für neue Angebote. Anrufe von Headhuntern hatte er schon etliche bekommen, seit er sich auf den entsprechenden Internetseiten eingetragen hatte. Die Offerte, die er schließlich annahm, kam von Headhunterin Sabine Hansen: Ein Führungsposten bei Zweckform, das Avery Dennison Materials gehört, dem weltweiten Marktführer in der Etikettiertechnologie. Dass er mehr Zeit für die Familie wollte, sprach nicht dagegen, darüber hatte er mit Sabine Hansen offen gesprochen.

Verdrehen sollte man sich nie, nur um den Job zu bekommen, den der Headhunter bereithält, sagt sie: "Denn wenn das alles nicht zu organisieren ist und scheitert, ist es ein Karriererückschritt, den man schwer erklären kann." Hansen ist seit elf Jahren im Geschäft, kennt unzählige Unternehmen und verfolgt viele Lebensläufe. "Viele haben die Vorstellung, dass man eine Karriere selbst strategisch und professionell planen kann", sagt sie. "Geplante Karrieren, die auch aufgehen, erlebe ich aber nur bei zehn oder 15 Prozent."

Ab 150.000 Euro wird's für den Headhunter interessant

Studium mit Praktika und Auslandserfahrung, Einstieg in ein Top-Unternehmen, nach drei bis fünf Jahren die erste Führungsaufgabe, zwischen 35 und 38 die erste Bereichsleitungsposition - das ist laut Hansen eine beispielhafte Karriere. "An so etwas darf man sich aber nie sklavisch klammern, wichtig ist, dass dieser Weg auch immer menschelt", sagt sie. Voraussetzung sind aber harte Kriterien: Interessant für Headhunter werde man ab einem Jahresgehalt von 150.000 Euro.

Es gibt aber auch Fälle, in denen meldet sich niemand, trotz hohem Gehalt und guter Position. Das sind potentielle Kunden für Thorsten Knobbe. Er berät bei Leaderspoint vor allem Menschen in Führungspositionen: "Wir analysieren dann Stärken und Schwächen, finden heraus, was die Gründe für die Funkstille sind und schauen, welche Kontakte man auffrischen kann."

Seiner Meinung nach wird es immer schwieriger, eine Karriere im Vorhinein zu planen. Auch abseits typischer Aufstiegswege gibt es Chancen, sogar mit reiner Projektarbeit kann man in Unternehmen bis ganz nach oben kommen. Dennoch: "Ein Einstieg in die Unternehmensberatung ist immer noch gut, man steigt schnell auf und kommt in Kontakt mit den Mächtigen."

Florian Weispfenning gehört zu denen, die erfolgreich die Karriere geplant haben - und am Ende lief es doch ganz unerwartet. Er erstellte einen klaren Plan, holte sich gezielt Startvoraussetzungen wie Auslandserfahrung oder MBA: "Dieses Raster muss man dann ansetzen und innerhalb dessen den Zufall agieren lassen." Der kam zu ihm in Person eines Headhunters. Einen Job im Management der Deutschen Bank bot der ihm an. "Die Möglichkeiten werden nach oben immer größer", sagt er. "Irgendwann ist es gar nicht mehr so wichtig, was man managt."

KarriereSPIEGEL-Autorin Maria Huber (Jahrgang 1983) ist freie Journalistin in Hamburg.