Headhunterin "Manche Frauen sagen, sie wollen die Spiele auf dieser Ebene nicht mitmachen"

Siemens-Personalchefin Janina Kugel steht überraschend vor dem Abgang. Wie oft wechseln Topmanager ihren Job? Und ist das bei Frauen und Männern unterschiedlich? Anruf bei einer Headhunterin.

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Zur Person
  • Dr. Bjørn Johansson Associates AG
    Sabine Kohler, Jahrgang 1974, ist Senior Partner beim Schweizer Personalberater Dr. Bjørn Johansson. Als Headhunterin rekrutiert sie international Toppersonal für Verwaltungs- und Aufsichtsräte sowie Konzernvorstände.

SPIEGEL ONLINE: Frau Kohler, Janina Kugel tritt nach vier Jahren im Vorstand von Siemens ihren Posten als Personalchefin ab. Wie hoch ist die Fluktuation in diesem Topmanagementbereich?

Kohler: Sie hat sich gut geschlagen. Ich habe zwar keine Statistik vorliegen, aber vier, fünf Jahre dürfte der Durchschnitt sein. In börsennotierten Unternehmen wechseln die Spitzenposten etwas häufiger, in familiengeführten Unternehmen gibt es mehr Kontinuität.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt das?

Kohler: In Familienunternehmen kann man langfristiger Entscheidungen treffen, weil man sich nicht nach jedem Quartalsbericht wieder rechtfertigen muss. Der Druck durch die Aktionäre ist einfach höher.

SPIEGEL ONLINE: Also entscheiden die meisten Topmanager nicht selbst über ihren Abgang, wie es bei Janina Kugel aufgrund von Differenzen mit der Konzernführung offenbar der Fall war?

Kohler: Den Fall von Frau Kugel kenne ich nicht. Aber der Druck ist bei börsennotierten Unternehmen hoch. Allerdings hatte Kugel keine Business Unit unter sich, sondern den Bereich Human Ressource. Sie musste also nicht fortlaufend Geschäftszahlen liefern.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was die Standhaftigkeit angeht?

Kohler: Nein, das wüsste ich nicht. Frauen verlieren ihre Posten nicht schneller als Männer.

SPIEGEL ONLINE: Aber sie ergattern einen Spitzenposten viel seltener. In Deutschland liegt der Frauenanteil im Vorstand der Topunternehmen nur bei rund neun Prozent.

Kohler: In der Schweiz ist das ähnlich, hier liegt er bei gut zehn Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Ist das also mit Ihre Schuld? Suchen Sie als Headhunterin nicht genug nach Frauen?

Kohler: Doch, doch. 40 Prozent der Placements, also unserer erfolgreichen Vermittlungen, waren Frauen. Wir haben Suchaufträge, die sich explizit an Frauen richten. Und welche, bei denen wir nach Möglichkeit eine Frau finden sollen. Der politische Wille ist absolut da.

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Top-Managerinnen: Rennen um die erste Frau an der Spitze

SPIEGEL ONLINE: Aber es gibt keine Frauen, oder sagen die alle Nein, wenn Sie anrufen? Laut Statistik besteht ja noch ein riesiger Unterschied.

Kohler: Es gibt sehr gute Frauen. Aber manche sagen, sie wollen die Spiele auf dieser Ebene nicht mitmachen. Andere überlegen sich genau, was sie einbringen können, bevor sie zusagen. Sie wollen 100 Prozent der geforderten Kriterien erfüllen können. Männer zweifeln weniger an sich. Nur im Techbereich ist der Pool an Frauen tatsächlich kleiner als der der Männer.

SPIEGEL ONLINE: Mit Janina Kugel geht jetzt ausgerechnet eine Topmanagerin aus der Techbranche. Sie wurde bereits als Nachfolgerin von Siemens-Chef Joe Kaeser gehandelt. Bisher hat es noch keine Frau an die Konzernspitze der Dax-Unternehmen geschafft. Sie kennen den Markt. Ist das fehlender Wille oder fehlendes Personal?

Kohler: Das überrascht mich. Die deutschen Topunternehmen werden wirklich ausschließlich von Männern geführt? In der Schweiz ist das nicht so extrem. Das dürfte auch daran liegen, dass wir internationaler sind und die Konzernsprache Englisch ist. In Deutschland werden Muttersprachler gesucht, das schränkt den Markt ein. Das deutet auf einen weiteren wichtigen Punkt: Wir müssen insgesamt diverser werden und andere kulturelle Hintergründe und Denkweisen einbringen.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
karl_idstein 31.07.2019
1. Nicht sehr informativ und aussagekräftig
Wenn Frau Kohler bzw. ihr Arbeitgeber international tätig sind, wie erwähnt, sollte sie sich doch diesbezüglich besser auskennen, nicht zuletzt Deutschland betreffend. Etwa den Überblick über die DAX-Unternehmen haben und den Anteil der Frauen dort auf CEO-Posten (Null). Das weiß zumindest in Deutschland jeder wirtschaftlich Interessierte.
andreas sperling 31.07.2019
2. ... nicht wirklich.....
Ein Interview in welchem die Befragte mehrfach angibt sich nicht auszukernen und man dann auf Allgemeinplätze ausweicht (Beispiel Sprache) sollte man sich verkneifen. mfg A. Sperling
klichti 31.07.2019
3.
an Nr. 2. Warum? Das gemeinsame Merkmal fast aller Personalvermittler ist eine massive Unkenntnis der Zielvakanz, da werden die doch erst recht nicht Zeit auf Branchen-Evaluierung oder branchen- und nationenübergreifende Analysen verschwenden.
karl_idstein 31.07.2019
4. Telefoninterview
Offenbar ein recht kurzes Telefoninterview, vielleicht hat sie das zwischen zwei Meetings reingeschoben oder am Frühstückstisch. Habe selbst so etwas gelegentlich "erleiden dürfen" und war nicht eben glücklich, auch mit mir nicht. Man sollte all so etwas face to face machen in akzeptablem Zeitrahmen und anschließend ggf. auch noch überarbeiten dürfen. Ja, klar, etliche Politiker können und müssen das auch ohne, selbst wenn sie nachts um 3 kalten Anruf erhielten.
freigeistiger 31.07.2019
5. Richtige Selbsteinschätzungen
"Aber manche sagen, sie wollen die Spiele auf dieser Ebene nicht mitmachen. Andere überlegen sich genau, was sie einbringen können, bevor sie zusagen. Sie wollen 100 Prozent der geforderten Kriterien erfüllen können. Männer zweifeln weniger an sich." Es kann auch an richtigen Selbsteinschätzungen liegen. Ein gutes Hochschulzertifikat reicht nicht als Qualifikation für eine gute Führungskraft.
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