Bundestag beschließt neue Studiengänge Wer Hebamme werden will, muss an die Uni

Ein Bachelor für Hebammen, ein eigener Studiengang für Psychotherapeuten: Der Bundestag hat zwei neue Berufsordnungen beschlossen. Dabei geht es auch um mehr Geld während der Ausbildung.

Eine Hebamme wiegt ein Baby (Archiv)
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Eine Hebamme wiegt ein Baby (Archiv)


Wer Hebamme werden will, soll diesen Beruf zukünftig im Rahmen eines Hochschulstudiums erlernen. Der Bundestag verabschiedete am späten Donnerstagabend eine entsprechende Reform.

Das Gesetz muss allerdings noch vom Bundesrat bestätigt werden. Wenn die Länderkammer zustimmt, besteht die Ausbildung ab dem kommenden Jahr aus einem drei- bis vierjährigen Bachelorstudium mit hohem Praxisanteil und einer staatlichen Abschlussprüfung.

Die Reform soll Hebammen auf die gestiegenen Berufsanforderungen vorbereiten. "Wir machen die Hebammenausbildung moderner und attraktiver", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Während bisher zehn Schuljahre für die Ausbildung ausreichten, ist in Zukunft ein zwölfjähriger Schulbesuch notwendig - oder alternativ eine abgeschlossene Ausbildung im Pflegebereich.

Im Video: Hightech für Hebammen

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Spahn brachte außerdem einen weiteren Gesetzentwurf durchs Parlament: die umstrittene Neuregelung für Psychotherapeuten. Die neue Universitätsausbildung soll fünf Jahre dauern und mit einem Master enden. Nach bestandener Prüfung bekommen Absolventen eine Behandlungserlaubnis, die sogenannte Approbation.

Danach schließt sich eine Weiterbildung an, nach der sich Psychotherapeuten dann auch ins Arztregister eintragen lassen können. Während dieser Weiterbildung sollen die angehenden Therapeuten Anspruch auf ein Mindestgehalt von 1000 Euro im Monat haben. Bisher mussten Psychotherapeuten zunächst Psychologie oder Pädagogik studieren, danach folgte eine Ausbildung - ohne Vergütungsanspruch.

Die Neuregelung für Psychotherapeuten war in Fachkreisen, aber auch bei Studierenden auf heftige Kritik gestoßen. Vor allem der Nachwuchs sah sich bei der Reform nur unzureichend berücksichtigt und fürchtete ein jahrelanges Nebeneinander von bezahlten und unbezahlten Psychologen. Hier hat das Gesundheitsministerium nachgebessert: Auch für Psychotherapeuten, die ihre Ausbildung nach dem bisherigen System begonnen haben, gilt zukünftig der Anspruch auf Bezahlung während der Weiterbildungsphase.

Die neuen Studiengänge sollen 2020 starten, fünf Jahre später wären dann die ersten approbierten Master-Absolventen fertig. Gleichzeitig ist eine Übergangsfrist für heutige Psychologiestudenten bis 2032 vorgesehen - danach gibt es keine Möglichkeit mehr, die bisherige Psychotherapie-Ausbildung abzuschließen.

him/dpa

insgesamt 39 Beiträge
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ronald1952 27.09.2019
1. Seit es den Menschen gibt
gibt es auch Hebammen. Dafür braucht niemand zu studieren es ist ein Lehrberuf, nur unsere Politiker/innen sind anscheinend zu dumm um das zu begreifen. Außerdem wurde der Beruf so in den Dreck gezogen das keine Frau mehr Lust hat das zu lernen, aber wenn unsere Politik immer und immer wieder nur zur Industrie, Banken und Versicherungen hält kann es nichts werden. Man muss sich nur mal unsere Führerscheine anschauen, was für ein Blödsinn das gemacht wurde und alles nur für die Versicherungen das diese noch Fetter werden. Die horrenden Versicherungsbeiträge die eine Hebamme bezahlen soll kann sich doch gar keine leisten bei den mickrigen Gehältern die dort Bezahlt werden. Aber das ist Typisch bei uns in Deutschland anstatt Berufe zu stärken und hoch zu halten werden bei uns Berufe zerstört. Wer will denn eine Studierte Hebamme, dann kann Sie doch gleich Medizin studieren das wäre vernünftiger! schönen Tag noch,
heble 27.09.2019
2. Es wird Zeit
Endlich setzen die Politiker eine EU weit geltende Richtlinie um, denn Deutschland bildet in der Hebammenausbildung das Schlusslicht Europas. Seit Jahren ist bekannt, dass spätestens ab 2020 Hebammen an Hochschulen studieren müssen und bisher hat sich die Politik nicht darum gekümmert. Es gibt zwar inzwischen in einigen Städten den Studiengang, aber diese können sich teilweise nur schwer über Wasser halten, da von der Politik nur Gegenwind kommt. Es wird Zeit, dass Deutschland sich endlich dem widmet, was seit Jahren bekannt ist und in allen restlichen EU Ländern bereits umgesetzt wurde! Eine kleine Korrektur noch zum Schluss: auch für die "klassische" Hebammenausbildung waren 12 Jahre Schulbildung Voraussetzung, um zugelassen zu werden - ob Abitur oder mittlere Reife plus Ausbildung in einem anderen Beruf spielte dabei keine Rolle.
so-long 27.09.2019
3. Die Akademisierung
ist ein gewaltiges Geschäftsmodell. Bin gespannt, wer sich das dann leisten kann. In 30 Jahren gibt es einen "Hausmeister, BSc.".
Pela1961 27.09.2019
4. Mich würde ja interessieren,
welche praktischen Probleme bei der Tätigkeit der Hebammen auftraten, dass jetzt plötzlich ein Studium nötig ist. Wie oft sind denn in den vergangenen Jahren bei einer Geburt oder in der Nachsorge Komplikationen aufgetreten, die eine Hebamme nur mit einem Studium bewältigen kann? Es ist zum Heulen, wie inzwischen bei immer mehr Berufen die Zugangsvoraussetzungen erschwert werden, um nur ja auch dem Letzten begreiflich zu machen, dass er ohne Abitur keine Chance im Berufsleben hat. Und können die Hebammen mit Abi und Studium dann wenigstens damit rechnen, dass die Versicherungsprämien sinken, die für viele nicht aufzubringen sind? Die müssten ja normalerweise sinken, wenn das Studium eine spürbare Verbesserung der Hebammentätigkeit zur Folge hat. "Bessere"(?) Ausbildung - weniger Fälle, wo die Versicherung einspringen muss. Ansonsten ist das Ganze mal wieder für die Katz.
chb_74 27.09.2019
5. Eigentliches Kernproblem?
Ich bin mal gespannt, wie die Politik das eigentliche Kernproblem des Hebammenberufs lösen will, nämlich die derzeit kaum auflösbare Diskrepanz zwischen eher niedrigen Vergütungen und sehr teuren Versicherungen für selbständige Hebammen. Es bedarf aber der selbständig tätigen Hebammen, um Schwangere nicht in Krankenhäuser zu zwingen, wo dann vielleicht angestellte hebammen arbeiten. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass die Ausbildung der Hebammen stark mängelbehaftet war, und dass die deutschen dualen oder fachschulischen Ausbildungen im EU-Vergleich nie als "Bachelor-Äquivalent" gezählt werden, ist ja auch keine Neuerung. Ein in Deutschland ausgebildeter Mechatroniker-Geselle ist definitiv fachkompetenter als ein "Bachelor of irgendwas" ost- oder südeuropäischer Prägung, was ja bei den Anerkennungsproblemen gerade von Hochschulabschlüssen aus Staaten der früheren Sowjetunion immer wieder zutagetrat und -tritt.
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