Hebammen Verband fordert doppeltes Gehalt

Die Versicherungskosten für selbstständige Hebammen steigen und steigen. Im Sommer steht die nächste Erhöhung bevor. Der Hebammenverband fordert deshalb deutlich mehr Lohn.

Hebammen mit Neugeborenem
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Hebammen mit Neugeborenem


An Ostern verhüten, damit das Kind nicht über Weihnachten zur Welt kommt. Mit diesem Tipp hatte eine Hebamme aus dem Rheinland über Facebook für Aufsehen gesorgt. Sie wollte mit ihrem Post darauf aufmerksam machen, wie schwierig es teilweise ist, eine Hebamme zu finden, besonders an Feiertagen.

Nun warnt der Deutsche Hebammenverband: Wenn Geburtshelferinnen nicht bald drastisch mehr verdienen, wird sich die Versorgung von Schwangeren weiter verschlechtern. "Die Vergütung angestellter und freiberuflicher Hebammen ist grauenvoll", sagt Verbandspräsidentin Martina Klenk.

Sie fordert für Freiberuflerinnen einen Brutto-Stundenlohn von knapp 50 Euro. So kämen die Hebammen auf einen netto Stundenlohn von 16 bis 18 Euro. Momentan verdienten sie nur etwa die Hälfte. Mitte Mai verhandeln Hebammenvertreter und der Spitzenverband der Krankenkassen GKV über eine angemessene Vergütung. "Bislang konnten wir nicht erreichen, was wir brauchen", sagte Klenk.

6843 Euro für die Haftplicht

Freiberufliche Hebammen stehen finanziell unter Druck. Sie müssen besonders hohe Haftpflichtprämien zahlen, die seit Jahren steigen. Seit Anfang des Jahres bekommen sie deshalb einen finanziellen Ausgleich. Aktuell liegt die Prämie bei 6843 Euro pro Jahr. Sie soll ab dem 1. Juli allerding um fast 800 Euro erhöht werden. Damit steigt auch der Eigenanteil für Hebammen von aktuell 1954 Euro auf 2053 Euro.

"Steigerungen sind bei dem Ausgleich nicht ausreichend mitberücksichtigt", kritisiert Klenk. "Das zeigt: Eine langfristige Lösung ist das nicht." Der Deutsche Hebammenverband verlangt deshalb erneut einen Haftpflichtfonds oder ein Modell analog zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Viele freiberufliche Hebammen haben wegen der hohen finanziellen Belastung bereits aufgegeben. Insgesamt ist die Zahl der Hebammen 2015 zwar leicht um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, der Anteil der freiberuflichen Hebammen ging jedoch zurück. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2015 fast 11.000 Hebammen in deutschen Krankenhäusern. Davon waren nur etwa 1800 freiberuflich als Belegkräfte tätig. Das sind 3,4 Prozent weniger als noch 2014.

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Die schlechte Bezahlung von Hebammen spiegele das Problem allgemein miserabler Bezahlung sozialer Berufe wider. "Da muss dringend was passieren" sagte Klenk. Das könne auch nicht darüber kompensiert werden, dass man ausländische Pflegekräfte ins Land hole. "Damit ziehen wir ja auch dort die Fachkräfte ab", sagte sie.

Zum Hebammentag am 5. Mai wolle sich der Verband neben Verbesserungen bei der Entlohnung der Geburtshelferinnen mit zwölf Thesen für eine bessere Geburtshilfe einsetzen. Darin wird unter anderem der Wunsch erneuert, eine Eins-zu-eins-Betreuung der Frau durch eine Hebamme während der Geburt sicherzustellen.

koe/dpa



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großwolke 04.05.2017
1. Leider nicht alternativlos
Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: das Modell "Freiberufliche Hebamme" wird entweder aussterben oder zum Luxusgut für Besserveridiener. Wer selbst die Dienste einer Hebamme genutzt hat, braucht sie ab einem gewissen Alter sicher nie wieder, und wer von vornherein keine hatte, wird sie sowieso nicht vermissen. So oder so ist die wahlwirksame Bevölkerungsgruppe, die sich dauerhaft für Hebammen stark machen könnte, zu klein. Und für einen Berufszweig mit unter 2000 Ausübenden werden nicht allzuviele Extrawürste gebraten werden. Zumal das Aussterben dieses Berufsstandes ja eben gerade nicht zu einer kritischen Versorgungslücke führen würde.
iffelsine 04.05.2017
2. Bei 40 Std./Woche sind das dann 8.000€/Monat...
Bei 30 Urlaubstagen sind das 88.000€/Jahr für eine selbständige Tätigkeit. 3 Jahre dauert die Ausbildung an einer Schule incl. Klinikpraxis. Das ist für eine solche Ausbildung ein wenig viel...
Tumtumo 04.05.2017
3. Hilfe
Meine Freundin entbindet Ende Juli und wir haben bis heute keine Hebamme, theoretisch gibt es Hebammen in Nürtinger Umgebung aber entweder keine Zeit weil ausgebucht oder es rentiert sich nicht weil zu weit (15km!!!). Wir haben die Versicherung um Wertscheine gebeten womit man die Hebammen locken kann, wollen die aber nicht! Ich mag es nicht glauben das ich im Moment in Baden-Württemberg? leb, kommt mir eher wie Afrika vor!
nimby 04.05.2017
4. Aussterbender Berufszweig?
Alle die jemals hilflos mit einer hochschwangeren Frau im Kreißsaal standen,würden das sicher anders sehen.Ich habe höchsten Respekt vor diesem Berufszweig! Also ermöglichen wir diesen unersetzbaren Frauen endlich ein normales Auskommen. Deutschland hat zu wenig Nachwuchs?Warum wohl?
catcargerry 04.05.2017
5. Ökonomischer Analphabetismus, Legasthenie oder beides?
Zitat von iffelsineBei 30 Urlaubstagen sind das 88.000€/Jahr für eine selbständige Tätigkeit. 3 Jahre dauert die Ausbildung an einer Schule incl. Klinikpraxis. Das ist für eine solche Ausbildung ein wenig viel...
Die 50 Euro sind der Umsatz, nicht der Gewinn - steht da. Der ist "16 bis 18" Euro/Stunde, schillernd als "netto" bezeichnet. Das wären also 2.800 bis 3.100 Euro/mtl., bei 30 Urlaubstagen - wenn die überhaupt drin sind - also 30 bis 33 TEuro p.a. So dargestellt, müsste das Reingewinn, also vor Steuern und persönlicher Vorsorge (KV, RV, doppelt so hoher Beitrag wie bei Angestellten) sein, finde ich für die Verantwortung kein bisschen viel...
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