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Geburtshilfe Ein Drittel der Hebammen gibt auf

Explodierende Haftpflichtprämien sind für viele Hebammen nicht mehr bezahlbar. Weniger als 2500 bieten noch klassische Geburtshilfe an.
Freiberufliche Hebamme in Dresden: Viele können sich den Job nicht mehr leisten

Freiberufliche Hebamme in Dresden: Viele können sich den Job nicht mehr leisten

Foto: Matthias Hiekel/ picture alliance / dpa

2014 wurde die Versicherung für Geburtshelferinnen so teuer, dass viele den Job schmissen. Heute ist die Lage noch trostloser - und trotzdem meldet der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die Zahl der freiberuflichen Hebammen sei gestiegen von 5018 Geburtshelferinnen im Jahr 2014 auf 5121 im Jahr 2015. Wie kann das sein?

In der GKV-Statistik sind alle Hebammen erfasst, die berechtigt sind, ihre Leistungen über die gesetzliche Krankenversicherung abzurechnen. Aber wie viele bieten auch wirklich eine Leistung an? 2411 lautet die Antwort des Deutschen Hebammenverbands.

"Um als freiberufliche Hebamme arbeiten zu dürfen, muss man zwei Voraussetzungen erfüllen: Man braucht eine Nummer von der gesetzlichen Krankenversicherung - und man muss selbst haftpflichtversichert sein. Und dies trifft aktuell auf weniger als 2500 Menschen zu", sagt Maren Borgerding vom Hebammenverband. 2014 hatten noch 3500 Hebammen die nötige Versicherung, um klassische Geburtshilfe zu Hause, im Geburtshaus oder als Beleghebamme in Kliniken anbieten zu dürfen.

Ohne Haftpflichtversicherung dürfen Hebammen nicht arbeiten. 2004 kostete ihre obligatorische Berufshaftpflicht noch rund 1350 Euro, heute ist es knapp das Vierfache, und der Beitrag soll am 1. Juli 2016 schon wieder um neun Prozent steigen - auf dann jährlich 6843 Euro.

Dass die Summe so hoch liegt, ist kalte Versicherungslogik: Geburtsgeschädigte Kinder leben heute durch den medizinischen Fortschritt länger, was aber für die Versicherer die Kosten erhöht. Zudem sprechen Gerichte den Familien höhere Entschädigungen zu.

Hebammenverbände und GKV haben lange über einen finanziellen Ausgleich für die Geburtshelferinnen gestritten. Im vergangenen Jahr legte eine Schiedsstelle einen Ausgleich fest, der seit 1. Januar greift. Mit der Auszahlung ist der GKV-Spitzenverband beauftragt worden. Am Freitag seien die ersten Zahlungen überwiesen worden, heißt es.

Laut Verband liegt der Haftpflichtausgleich bei mindestens vier Geburtshilfen pro Jahr zwischen 4000 und mehr als 5000 Euro, je nach Höhe der tatsächlich gezahlten Prämie. Je Hausgeburt bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen bei Tag rund 870 Euro, bei Nacht 1034 Euro. Bei einer Geburt im Geburtshaus liegen die Tarife am Tag bei gut 1460 Euro und in der Nacht bei gut 1600 Euro.

vet
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