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Arbeitsrecht Muss ich an Heiligabend und Silvester Urlaub nehmen?

Heiligabend und Silvester sind keine gesetzlichen Feiertage. Dennoch gelten zu diesen Anlässen in manchen Unternehmen besondere Regeln. Alle Antworten finden Sie hier.
Feuerwerkskörper steigen an Silvester auf dem Augustusplatz in Leipzig auf

Feuerwerkskörper steigen an Silvester auf dem Augustusplatz in Leipzig auf

Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Muss ein Angestellter an Heiligabend und Silvester Urlaub nehmen?

Noch immer stellt sich vielen Angestellten die Frage, ob Heiligabend und Silvester gesetzliche Feiertage sind. Die einfache Antwort lautet: nein. Dementsprechend sind Arbeitnehmer verpflichtet, an diesen Tagen Urlaub einzureichen, sofern sie die Feiertage für eine längere Auszeit nutzen wollen. Ein ebenfalls verbreiteter Irrglaube ist, dass zu beiden Anlässen ein halber Urlaubstag reicht. Das Bundesurlaubsgesetz (BurlG) sieht das tatsächlich nicht vor.

Allerdings: "Viele Arbeitgeber zeigen sich an diesen besonderen Tagen kulant und einigen sich mit ihren Angestellten entweder darauf, dass jeweils ein halber Urlaubstag ausreicht oder sogar gar kein Urlaub genommen werden muss", sagt der auf Arbeitsrecht spezialisierte Jurist Daniel Brügger. Dies ist jedoch allein der Entscheidung des Arbeitgebers vorbehalten. Der erste und zweite Weihnachtstag sowie Neujahr hingegen sind gesetzliche Feiertage. Arbeitnehmer müssen für diese beiden Tage also keinen Urlaub nehmen.

Sofern es Arbeits- und/oder Tarifverträge vorsehen, können bestimmte Arbeitnehmer jedoch auch an den Feiertagen zur Arbeit verpflichtet werden. Dies ist insbesondere in Branchen der Fall, die auch an Sonn- und Feiertagen im Einsatz sein müssen. Betroffen sind beispielsweise Not- und Rettungsdienste sowie Pflegepersonal. "In diesen Fällen sieht das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) in Paragraf 10  sogar eine ausdrückliche Ausnahme vom grundsätzlichen Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit vor", so Brügger.

Muss der Arbeitgeber an Heiligabend oder Silvester einen Zuschlag zahlen?

Hier werden Arbeitnehmer enttäuscht. Eine gesetzliche Pflicht für Arbeitgeber, entsprechende Zulagen zu zahlen, besteht nicht. Dies gilt insbesondere auch für Heiligabend und Silvester, da diese keine Feiertage sind. "Allerdings kann sich ein Anspruch auf einen Feiertagszuschlag aus dem Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag ergeben", sagt Brügger.

War der Arbeitnehmer an einem Sonn- oder Feiertag für den Arbeitgeber tätig, hat er Anspruch auf die Gewährung eines Ersatzruhetages (Paragraf 11 Abs. 3 ArbZG). Dieser muss bei Sonntagsarbeit in einem Zeitraum von zwei Wochen und bei der Arbeit an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, binnen acht Wochen gewährt werden.

Wer muss an Weihnachten arbeiten?

Auch diese Frage ist relativ einfach zu beantworten: Der Chef entscheidet, sofern im Arbeitsverhältnis- oder Tarifvertrag nichts anderes geregelt ist. Nach Paragraf 106 der Gewerbeordnung kann der oder die Vorgesetzte von seinem sogenannten Direktionsrecht Gebrauch machen. Soll heißen: Die Person kann entscheiden, wer die unbeliebten Dienste übernehmen muss. Dabei sollen Vorgesetzte allerdings nach "billigem Ermessen" handeln. Alleinerziehende Mitarbeiter oder Angestellte, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen müssen, sollten bevorzugt nicht eingesetzt werden.

Wie steht es um einen "Betriebsurlaub"?

In manchen Fällen machen Unternehmen vom Betriebsurlaub Gebrauch. Angestellte werden in einem bestimmten Zeitraum "gezwungen", Urlaub zu nehmen. Ein beliebter Zeitpunkt: Die Tage zwischen Heiligabend und Neujahr, wenn die Auftragslage mau ist und viele Kunden im Urlaub sind. Dies ist grundsätzlich auch zulässig. "Die Voraussetzungen sind jedoch nicht ganz eindeutig, da der Arbeitgeber nach Paragraf 7 Abs. 1 BUrlG verpflichtet ist, die Urlaubswünsche der Angestellten zu berücksichtigen", so Brügger.

Sollte das Unternehmen jedoch betriebliche Erfordernisse für einen Zwangsurlaub vorweisen können, kann er über die Wünsche der Mitarbeiter hinwegentscheiden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn auch wichtige Zulieferer oder große Kunden während dieser Zeit Betriebsferien einlegen oder es zu einer erheblich verminderten Kundenfrequenz kommt (z.B. im Einzelhandel).

In Betrieben, in denen ein Betriebsrat existiert, muss dieser vor Festlegung der Betriebsferien involviert werden. Stimmt dieser zu, muss der Arbeitnehmer in dieser Zeit Urlaub nehmen. Sofern die Betriebsferien bereits im Arbeitsvertrag vereinbart sind, besteht über den festgelegten Zeitraum keine Verfügungsbefugnis des Arbeitnehmers mehr. Das heißt: Er muss den Urlaub, wie im Arbeitsvertrag vereinbart, nehmen.

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