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16. April 2018, 20:18 Uhr

Hessen

Zu viele Hausbesuche - Landärzte müssen Honorar zurückzahlen

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Viele Patienten auf dem Land sind darauf angewiesen, dass der Arzt zu ihnen kommt. Zwei hessische Mediziner müssen nun jedoch Tausende Euro zurückzahlen, weil sie angeblich zu oft Hausbesuche machten.

Nils Wagner-Praus ist sauer. Der Landarzt aus Hessen arbeitet im Gilserberger Hochland, einer ländlichen Gegend. Öffentlichen Nahverkehr gibt es hier so gut wie nicht, viele junge Menschen ziehen weg, zurück bleiben die älteren. Wagner-Praus und seine Kollegin Marei Schöller machen deshalb viele Hausbesuche - zu viele, wie nun eine Prüfungskommission entschied.

Die Ärzte müssen deshalb ihr Honorar teilweise zurückzahlen, insgesamt eine höhere fünfstellige Summe. Zunächst hatte die "Hessenschau" über den Fall berichtet. "Die Entscheidung macht mich fassungslos", sagt Wagner-Praus. "Wir besuchen unsere Patienten schließlich nicht zu unserem Vergnügen, sondern weil es notwendig ist." Er macht derzeit etwa fünf Hausbesuche pro Tag.

20 Euro mehr pro Hausbesuch

Reich wird er dadurch nicht - pro Besuch bekommt er etwa 20 Euro zusätzlich. Das decke kaum die Kosten, wenn man den zusätzlichen Aufwand mit einrechne. "Dass wir nun auch noch Geld zurückzahlen sollen, ist eine enorme Belastung", kritisiert Wagner-Praus.

Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, ihre Patienten wirtschaftlich angemessen zu behandeln. So überprüft eine unabhängige Prüfungsstelle unter anderem auch, wie viele Hausbesuche eine Praxis abrechnen darf. In Hessen wie in den anderen Bundesländern werden dazu die Zahlen aus allen Arztpraxen verglichen und ein Mittelwert gebildet. "Liegt eine Praxis deutlich darüber, ist die unabhängige Prüfstelle für Ärzte und Krankenkassen gesetzlich verpflichtet, die Abweichungen zu prüfen", sagt Karl Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen.

Tatsächlich hatte die Praxis von Wagner-Praus zwischen 2012 und 2014 deutlich mehr Hausbesuche abgerechnet als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte. Der Beschwerdeausschuss, in dem drei Vertreter der Krankenkassen, drei Ärzte und ein Jurist sitzen, kam zu dem Schluss, dass nicht alle Hausbesuche nötig gewesen seien. Die Praxis von Wagner-Praus und Schöller müsse die zu viel gezahlten Honorare zurückzahlen.

"Für mich bedeutet die Entscheidung nichts anderes als die Aufforderung, die medizinische Qualität herunterzuschrauben", kritisiert Wagner-Praus. Er räumt ein, dass nicht alle Hausbesuche Notfälle gewesen seien. So sei er auch mal ausgerückt, wenn eine 90-Jährige eine Erkältung gehabt oder ein Kleinkind mit hohem Fieber im Bett gelegen habe.

"Für diese Patienten bedeutet der Weg zum Arzt Stress", begründet der 55-Jährige die Hausbesuche. Außerdem hätten viele gar nicht die Möglichkeit, in seine Praxis zu kommen, weil sie beispielsweise kein Auto hätten oder chronisch krank seien. Seit das Verfahren gegen die Praxis laufe, habe er Hausbesuche massiv einschränken müssen - aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen.

Wagner-Praus moniert, dass in der Berechnung nicht stärker zwischen Praxen auf dem Land und in der Stadt unterschieden wird. Als Landarzt müsse man eben häufiger Hausbesuche machen als ein Arzt in Wiesbaden oder Frankfurt am Main, so der 55-Jährige.

"Nicht jammern"

Seinem Ärger macht er auf Facebook Luft. "Wer als Landarzt arbeitet, sollte am besten nichts verdienen, rund um die Uhr seine Patienten unentgeltlich versorgen und ja nicht jammern", schreibt er sarkastisch.

Dabei ist gerade auf dem Land der Ärztemangel deutlich zu spüren. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, fordert deshalb mindestens tausend neue Studienplätze und neue Auswahlverfahren. Einige Universitäten bevorzugen bereits angehende Landärzte bei der Studienplatzvergabe. Außerdem sollen bald reine Onlinesprechstunden möglich sein, bei denen sich Arzt und Patient nicht begegnen.

"Die Politik will die medizinische Versorgung auf dem Land fördern - passiert ist aber das Gegenteil", kritisiert Wagner-Praus. Angehende Kolleginnen und Kollegen, die sich im ländlichen Raum niederlassen wollten, würden durch solche Verfahren wie gegen ihn abgeschreckt. Er fordert deshalb, Landärzten gesetzlich mehr Hausbesuche zuzugestehen. "Schließlich geht es um den Fortbestand der ärztlichen Versorgung auf dem Land."

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