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Fachkräftemangel IT-Konzern HPE lockt mit Elternzeit bei vollem Gehalt

Das Angebot von Hewlett Packard Enterprise gilt für die weltweit rund 60.000 Angestellten. Das Unternehmen, das auch in Deutschland tätig ist, reagiert so auf den Mangel bei IT-Fachkräften.
Bei voller Bezahlung in Elternzeit gehen können - im Wettbewerb um gute Mitarbeiter ist auch das ein Punkt, der zählt

Bei voller Bezahlung in Elternzeit gehen können - im Wettbewerb um gute Mitarbeiter ist auch das ein Punkt, der zählt

Foto: Sebastian Gollnow/ DPA

Die Angestellten von Hewlett Packard Enterprise (HPE) können ab sofort eine sechsmonatige Elternzeit nehmen - bei voller Weiterbezahlung ihres Gehaltes. Das Angebot, das weltweit gelte, könne von Müttern und Vätern bei Geburt oder Adoption eines Kindes rückwirkend ab Mai in Anspruch genommen werden und gelte auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, teilte der in Böblingen ansässige deutsche Ableger des US-Konzerns am Montag mit. Hierzulande beschäftigt HPE rund 2100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; HPE entstand 2015 durch die Aufspaltung des Konzerns Hewlett-Packard in zwei Sparten. HP Inc. führt das Geschäft mit Personalcomputern und Druckern fort, HPE betreibt das Unternehmenskundengeschäft.

Diese Elterngeld-Modelle gibt es

Das Angebot ist vor allem dem Versuch geschuldet, besonders qualifizierte Mitarbeiter zu binden - und HPE kann es sich offenbar leisten: Im Geschäftsjahr 2018 betrug der Gewinn des Unternehmens rund 1,9 Milliarden US-Dollar.

In der IT zeichnet sich schon jetzt ein Fachkräftemangel ab: Angesichts der Digitalisierung sind beispielsweise Entwicklerinnen und Entwickler aktuell stark nachgefragt. "Fachkräfte sind heute viel knapper als im letzten Jahrzehnt. Es dauert inzwischen viel länger, offene Stellen zu besetzen. Und viel häufiger misslingt es", sagt Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das erhöhe branchenübergreifend den Druck auf Arbeitgeber.

Hinzukommt, dass das Berufsfeld bislang extrem männlich dominiert ist. Von den Bewerbern auf eine Stelle für IT-Spezialisten sind nur 15 Prozent weiblich, fand der Branchenverband Bitkom jüngst bei einer Befragung von mehr als 500 Unternehmen heraus. 55 Prozent der Firmen erklärten, sich intern das Ziel gesetzt zu haben, den Frauenanteil zu erhöhen.

Viele Männer haben Angst vor dem Karriereknick

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft zeigte jüngst, dass Väter in Deutschland immer noch deutlich weniger Elternzeit als Mütter nehmen - und das vor allem mit finanziellen Einbußen und der Sorge vor beruflichen Nachteilen begründen. Das gesetzliche Elterngeld in Deutschland beträgt maximal 1800 Euro netto pro Monat (siehe Kasten). Der Personal-Geschäftsführer für das Deutschland-Geschäft von HPE, Ernst Reichart, sagte, man wolle die Mitarbeiter für die Arbeit im Unternehmen motivieren, "indem wir ihnen helfen, ihre Karriere mit ihrem Familienleben in Einklang zu bringen". Nehmen Mitarbeiter das Angebot in Anspruch, erhalten sie den Angaben zufolge in den ersten sechs Elternzeitmonaten ausschließlich Geld von HPE. Staatliche Leistungen entfallen für diesen Zeitraum, können aber anschließend im Fall einer längeren Elternzeit bezogen werden.

Man könne "motivierte junge Leute eine Zeit lang mit schlechten Löhnen in einer schicken und trendy Arbeitsumgebung ausbeuten und gleichzeitig bei Laune halten", urteilt Arbeitsmarktforscher Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen unter Verweis etwa auf Start-ups, Medienunternehmen und Architekturbüros. "Spätestens, wenn sich die Kinderfrage stellt, ist Schluss damit." Zugleich gilt: Wer Talent hat und mit seinen Qualifikationen auf dem Markt einigermaßen gefragt ist, wird sich kaum allzu lange mit einem geringen Gehalt ohne nennenswerte Zusatzleistungen abspeisen lassen.

Laut einer neuen Umfrage steht die berufliche Karriere nur für zwei Prozent der Frauen und drei Prozent der Männer an erster Stelle. Für 65 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer ist die Familie indes das Wichtigste im Leben, wie die Erhebung des Meinungsforschers YouGov im Auftrag von HPE außerdem ergab. Nur drei Prozent der 18- bis 24-Jährigen verneinten die Frage, ob sie später einmal Elternzeit nehmen würden oder bereits Elternzeit genommen hätten. Bei den Menschen zwischen 25 und 34 Jahren beträgt der Anteil zehn Prozent.

Bei SAP kehren alle Angestellten aus der Elternzeit zurück

Auch andere Unternehmen in der Branche werben mit Familienfreundlichkeit: Beim Softwarekonzern SAP dürfen die rund 21.000 Mitarbeiter in Deutschland sogar fast gänzlich frei entscheiden, wann sie von wo arbeiten. Ins Büro kommen sollen sie nach Möglichkeit nur einmal pro Woche. Außerdem hat das Unternehmen Krippen- und Kindergartenplätze, Eltern-Kind-Büros und Sonderzahlungen nach der Geburt eines Kindes im Angebot. Ein SAP-Sprecher sagt, die Rückkehrquote der Eltern nach der Elternzeit betrage 100 Prozent. Beim Technologieunternehmen Microsoft erhalten Mütter hierzulande eine Prämie für die Geburt eines Kindes, Väter dürfen sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub nehmen.

Arbeitsmarktforscher Bosch sagt, solche Offerten könnten sich vor allem Unternehmen leisten, die ihre Preise durch innovative Produkte oder eine starke Marktposition beeinflussen könnten. In anderen Branchen - etwa im Sozialen, in der Pflege oder bei Hotels und Gaststätten - ist die Lage lange nicht so luxuriös. Auch dort herrscht zwar ein Mangel an Fachkräften - doch Gehälter und Zusatzleistungen sind nach wie vor vergleichsweise gering.

mh/dpa
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