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Hilfskraft, Professor, Rektor Was verdienen Wissenschaftler?

Über die Gehälter von Professoren wird mit Leidenschaft gestritten. Doch sie sind eine Minderheit an den Unis. Bei der Vergütung von Wissenschaftlern herrscht ein buntes Durcheinander: Manche forschen sehr feudal, andere werden arm durch akademische Arbeit. Der Überblick.
Von Benjamin Haerdle
Wissenschaft, ein brotloses Gewerbe? So pauschal kann man das nicht sagen

Wissenschaft, ein brotloses Gewerbe? So pauschal kann man das nicht sagen

Foto: Corbis

Was ist ein "angemessener Lebensunterhalt" für Professoren? Mit dieser Frage werden sich die Wissenschaftsminister der Bundesländer in den nächsten Monaten eingehend beschäftigen, nachdem das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Mitte Februar einem Marburger Chemieprofessor Recht gab. Dieser hielt sein Grundgehalt in Höhe von 3890 Euro plus Leistungszulage von monatlich 23,72 Euro für nicht ausreichend - und bekam Recht.

Die Debatte über das Urteil ist noch lange nicht vorüber. So mokierte sich der renommierte Staatsrechtler Bodo Pieroth in einem Beitrag für SPIEGEL ONLINE darüber, dass die Professoren zwar lauthals über ihr Grundgehalt klagen - über ihre oft üppigen Zuverdienste aber schweigen.

Hessen muss nach dem Richterspruch bis zum Jahresende die Professorenbesoldung neu regeln und auch andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Brandenburg werten das Urteil bereits aus.

Wer sich von den finanziellen Verhältnissen deutscher Akademiker ein Bild machen will, sollte allerdings nicht nur die Professoren betrachten. Rund 41.000 gibt es, und damit sind sie nur ein kleiner Teil der mehr als 320.000 Wissenschaftler, die an Deutschlands Hochschulen tätig sind. Was all die anderen Forscher verdienen, zeigt dieser Streifzug durch Labore, Hörsäle und Büros.

Die Basis - Wissenschaft schnuppern, zu Schnupperpreisen

Testlauf im Hörsaal: Studentische Hilfskräfte arbeiten meist hinter den Kulissen

Testlauf im Hörsaal: Studentische Hilfskräfte arbeiten meist hinter den Kulissen

Foto: Corbis

Unterlagen zur Vorlesung aufbereiten, die Internetseite zum E-Learning betreuen, wissenschaftliche Publikationen korrigieren oder Literatur recherchieren - typische Aufgaben, die Katrin Lennartz als studentische Hilfskraft am Institut für Soziologie der Universität Münster übernimmt. Acht Stunden arbeitet sie pro Woche für die Sozialwissenschaftlerin Katrin Späte. Lennartz macht das großen Spaß: "Wie Universität und Wissenschaft funktionieren, verstehe ich jetzt viel besser", sagt die 24-Jährige, die im fünften Semester Soziologie und Erziehungswissenschaften studiert.

8,56 Euro verdient sie pro Stunde, der typische Honorarsatz in Nordrhein-Westfalen. In den anderen Bundesländern sind die Stundenhonorare ähnlich hoch und liegen zumeist zwischen sieben und zehn Euro. Für die Münsteraner Studentin ist der Stundenlohn "sehr in Ordnung". Rund 300 Euro bekommt sie so pro Monat. Das reicht ihr, denn finanziell ist sie nicht dringend auf das Geld angewiesen. Zum Sommersemester wechselt sie nun für den Master an die LMU München. Auch dort will sie sich wieder um einen Job als studentische Hilfskraft bewerben.

Unternehmen zahlen für solche Tätigkeiten mehr

So zufrieden wie Katrin Lennartz ist nicht jeder: Denn Unternehmen in der freien Wirtschaft zahlen Studenten als Aushilfskräfte oft einen höheren Stundenlohn. Und an manchen Hochschulen wie etwa an ostdeutschen Fachhochschulen sind Stundenlöhne um die fünf Euro keine Seltenheit. Zudem sind die Rahmenbedingungen oft unattraktiv: kurze Arbeitsverträge, unsichere Weiterbeschäftigungsaussichten oder eine hohe Abhängigkeit, wenn der Professor auch als Prüfer auftritt.

Der untere Mittelstand - ohne Drittmittel wird's eng

Julia Schmidt hat ein spannendes Forschungsthema und wird gut bezahlt. Letzteres ist bei Doktoranden selten. Die 29-Jährige forscht seit dem Sommer an der Juristischen Fakultät am Lehrstuhl für Kriminologie an der Ruhr-Uni Bochum und promoviert in den Sozialwissenschaften zum Thema Gewalt gegen Rettungskräfte. Finanziert wird ihre Dissertation über ein Drittmittelprojekt der Unfallkasse NRW.

Die halbe Stelle bringt ihr ein gutes Auskommen, wird sie doch nach der Entgeltgruppe 13 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder (TVL) bezahlt. Weil sie davor schon als wissenschaftliche Hilfskraft arbeitete, rutschte sie in die Besoldungsstufe zwei und bekommt nun mehr als 1700 Euro brutto. "Finanziell reicht das gut aus, zumal ich noch den Studentenstatus und damit noch andere Vergünstigungen wie zum Beispiel das Semesterticket habe", sagt sie. Sie selbst weiß: "Das sind paradiesische Verhältnisse."

Scharfe Kritik: Gewerkschafter Andreas Keller prangert die Ausbeutung der Hilfskräfte an

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Foto: GEW

Wer seine Promotion nicht über Drittmittelprojekte und Stipendien finanzieren kann, den stellen die Hochschulen gerne als wissenschaftliche Hilfskraft an. Die Bezahlung lehnt sich an Empfehlungen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder an, variiert in den Bundesländern aber erheblich. Mit dem Master einer Universität in der Tasche gibt es maximal 13,61 Euro pro Stunde, mit dem Fachhochschul-Master höchstens 10,03 Euro.

Das sorgt nach Meinung von Andreas Keller, in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als Vorstandsmitglied zuständig für die Hochschulen, für "prekäre Verhältnisse", denn: "Die Hilfskräfte dürfen monatlich nur maximal 82 Stunden an der Hochschule arbeiten und haben am Monatsende gerade mal 1100 Euro brutto - dabei machen sie die gleiche Arbeit wie die wissenschaftlichen Mitarbeiter", sagt er. Von dem Gehalt gehen noch Steuern und die Sozialversicherungsbeiträge ab. "Mit diesen Niedriglohnverhältnissen kann sich niemand eine Existenz sichern", sagt Keller. Viele wissenschaftliche Hilfskräfte müssten sich deshalb noch Nebenjobs suchen.

Der gehobene Mittelstand - in der Warteschleife

Der Weg zur Professur ist lang. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Stellen für Akademiker, die nach gelungener Promotion die wissenschaftliche Karriere als sogenannter Postdoc fortsetzen wollen. Viele landen auf einer vollen Stelle in der Entgeltgruppe 13 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder (TVL). Je nach Erfahrungsschatz der Wissenschaftler gibt es zwischen 3182 Euro und - sehr viel seltener - 4600 Euro brutto.

Kai Schmidt, promovierter Physiker an der TU Dortmund, kehrte mit der Auszeichnung European Young Investigator Award im Jahr 2008 aus der Schweiz nach Deutschland zurück und wurde beim Blick auf den Lohnzettel gleich mal enttäuscht. Zwar bekam er als Gruppenleiter laut TVL E15 monatlich rund 4500 Euro brutto, also netto etwa 2296 Euro, lag damit jedoch 50 Euro unter dem Nettogehalt seiner Frau, die im gleichen Alter und in der gleichen Steuerstufe als verbeamtete Lehrerin an einer Sonderschule unterrichtete. "Im Vergleich zu Lehrern, Richtern und Ärzten ist die Bezahlung der Wissenschaftler unbefriedigend", kritisiert Schmidt.

Hinzu kommt die berufliche Unsicherheit, denn die meisten Stellen sind nur zeitlich befristet. Viele der Nachwuchsforscher hangeln sich deshalb von einem Drittmittelprojekt zum nächsten. Das gilt auch für Schmidt selbst. Seine Stelle läuft Anfang 2013 aus.

Hauptsache Beamter

Weitaus besser haben es die verbeamteten Vertreter des akademischen Mittelbaus, die an den Hochschulen auf Dauerstellen sitzen und sehr gut bezahlt sind. So winken einem Akademischen Rat (A 13) beispielsweise in Nordrhein-Westfalen im Alter von 35 Jahren 3863,66 Euro; ein Akademischer Oberrat auf der Besoldungsstufe A 14 bekommt mit 35 Jahren gar 4180,64 Euro. Diese Dauerstellen sind aber selten, weil die Hochschulen im Mittelbau zusehends auf zeitlich begrenzte Arbeitsstellen setzen, die über Drittmittel finanziert werden.

Finanziell trostlos sieht es dagegen für die Privatdozenten aus. Die habilitierten Wissenschaftler hängen in der Dauerwarteschleife für eine Professur fest, leisten oft aber wertvolle Arbeit für die Lehre, indem sie Seminare abhalten. Das wird miserabel vergütet: Für solche Lehraufträge zahlen die Hochschulen nur selten mehr als tausend Euro, in der Regel sogar deutlich weniger.

Die Professoren - Kennzeichen W

Wissenschaftler mit vielen Geldquellen: Professoren stehen besser da, als der Lohnzettel vermuten lässt (Symbolbild)

Wissenschaftler mit vielen Geldquellen: Professoren stehen besser da, als der Lohnzettel vermuten lässt (Symbolbild)

Foto: Corbis

W wie Wissenschaft. Damit begann im Jahr 2005 für Deutschlands Professoren eine neue Zeitrechnung. Die W-Besoldung sollte die bisherige C-Besoldung an den Hochschulen ersetzen. Das Neue: Statt wie bislang die Gehaltshöhe in der Regel mit dem Dienstalter zu verknüpfen, sollten die verbeamteten Professoren leistungsorientiert bezahlt werden.

Dafür führte der Bund Grundgehälter ein, die deutlich unter der C-Besoldung liegen. Die Professoren können diese aber durch besondere Leistungen in Forschung oder Lehre oder durch leitende Tätigkeiten an der Hochschule aufstocken. Wer 2005 als Professor forschte, konnte zwischen den beiden Tarifen noch auswählen. Die meisten entschieden sich für den deutlich besser dotierten C-Tarif.

Wie viel Geld die Professoren erhalten, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. C3-Professoren erhalten zum Beispiel in der 15. Dienstalterstufe in Baden-Württemberg 6150,51 Euro, in Berlin lediglich 5547,53 Euro. Für C4-Professoren, also etwa Lehrstuhlinhaber, gibt es in Baden-Württemberg 7080,00 Euro, in Berlin 6391,73 Euro.

Buntes Dickicht von Zulagen

Auch die W-Besoldung variiert. Am besten bezahlt Baden-Württemberg seine Hochschullehrer: Ein W3-Professor bekommt dort als Grundgehalt 5528,94 Euro, sein W2-Kollege 4578,74 und ein W1-Prof 3924,26 Euro. Deutlich weniger gibt es in Berlin: 4890,35 Euro für W3, 4027,35 für W2 und 3525,55 für W1.

Dazu können noch staatliche Zulagen kommen. Die kann jeder Professor frei verhandeln. Allerdings hat er keinen Rechtsanspruch darauf. Extrageld gibt es beispielsweise für Professoren, die Sprecher eines Sonderforschungsbereichs sind oder als Dekan eine Fakultät leiten. Wie viel die Fakultätschefs erhalten, hänge von der Größe der Fachbereiche und von der Rechtslage an der Hochschule ab, sagt Ulrike Preißler, Justitiarin beim Deutschen Hochschulverband. Die Technische Universität Dortmund zahlt nicht hauptamtlichen Dekanen beispielsweise eine monatliche Zugabe von 300 Euro.

Das Beste sind die lukrativen Nebentätigkeiten

Das tatsächliche Einkommen der Professoren liegt zum Teil noch deutlich über dem Grundgehalt und den Leistungszulagen. Offizielle Zahlen dazu gibt es keine. Aber klar ist, dass Professoren sich gerade in der Medizin, in Architektur, den Rechts-, Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften über Nebentätigkeiten noch einiges hinzuverdienen, indem sie ihre Expertise als Berater anbieten, Gutachten schreiben, Vorträge halten oder Forschungsaufträge ausführen. Häufig können sie gegen geringes Entgelt auch die Ressourcen ihres Instituts nutzen - und in manchen Fällen übersteigen die Einnahmen aus Nebentätigkeiten die Professorenbezüge.

Was Professoren konkret tun dürfen, haben die Länder in Nebentätigkeitsverordnungen oder spezielleren Hochschulnebentätigkeitsverordnungen festgehalten, die unterschiedlich ausfallen. Generell gilt, dass die Tätigkeit nicht mehr als ein Fünftel der Arbeitszeit betragen darf, also maximal acht Stunden pro Woche. Zudem dürfen dienstliche Interessen wie die der Hochschule nicht beeinträchtigt werden. Was das genau bedeutet, muss vielerorts der Rektor oder der Präsident prüfen. Die Hochschulchefs sind formell dafür zuständig, die Nebentätigkeiten zu genehmigen.

Die Chefs - Exzellenz zahlt sich aus für Exzellenzen

Spiritus Rektor: Die Gehälter deutscher Uni-Chefs sind hoch - doch anderswo wird ihre Verantwortung höher wertgeschätzt (Symbolbild)

Spiritus Rektor: Die Gehälter deutscher Uni-Chefs sind hoch - doch anderswo wird ihre Verantwortung höher wertgeschätzt (Symbolbild)

Foto: Corbis

An der Spitze der Hochschulen thronen die Rektoren oder Präsidenten. Was sie verdienen, darüber wird in Deutschland nicht gern laut geredet. Offener diskutiert das die Öffentlichkeit in Österreich. Dort kursieren seit Anfang des Jahres die Gehaltssummen einiger Hochschulchefs. Laut Tageszeitung "Die Presse" erhielt Heinz Engl, Rektor an der Universität Wien, im Jahr 2011 224.000 Euro brutto, zuzüglich Leistungsprämien. An der benachbarten Wiener Wirtschaftsuniversität strich Rektor Christoph Badelt rund 198.500 Euro brutto im Jahr 2010 ein.

Von solchen Summen können deutsche Rektoren oft nur träumen. "In Deutschland verdient ein Hochschulrektor in der Regel zwischen 80.000 und 100.000 Euro", sagt Klaus Landfried. Der ehemalige Präsident der Uni Kaiserslautern und Ex-Chef der Hochschulrektorenkonferenz sucht bei der Personalagentur "Leaders in Science" Führungspersonal für die Hochschulen.

Ein Stellenmarkt mit Headhuntern und Feilscherei

Fixe Besoldungssätze für die Hochschulspitzen gibt es hierzulande allenfalls auf dem Papier. "Das Gehalt ist nicht exakt festgelegt, sondern kann im Prinzip frei verhandelt werden", sagt Landfried. Es orientiere sich aber am W3-Gehalt zuzüglich Funktions-, Leistungs- und Familienzulagen. Aber natürlich gibt es Ausnahmen: An renommierten und forschungsstarken Hochschulen wie den hochdekorierten Exzellenzuniversitäten liegt das Gehalt vor allem bei für externe Rektoren deutlich darüber.

Auch die Reputation der Führungskraft kann den Preis nach oben treiben, da gibt es keinen Unterschied zur freien Wirtschaft: "Je besser die Marktposition der Person, desto selbstbewusster kann der Kandidat verhandeln", sagt Headhunter Landfried.

Insgesamt aber rangierten Deutschlands Hochschulchefs im Gehaltsvergleich mit anderen Wissenschaftsnationen im hinteren Bereich. Die Gehälter der österreichischen Rektoren hält Landfried für angemessen: "Das wird der Verantwortung der Rektoren gerecht, schließlich leiten sie große Einrichtungen mit Zehntausenden Studierenden und etlichen tausend Mitarbeitern."

KarriereSPIEGEL-Autor Benjamin Haerdle (Jahrgang 1972) ist Redakteur des Hochschulmagazins "duz" und schreibt seit über zehn Jahren als freier Autor über Hochschul- und Wissenschaftspolitik.

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