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Historische Autoradios: Nur das Aussehen zählt

Foto: Peter Wallich

Oldtimer-Radios Das Beste aus den 60ern, den 70ern und von vorgestern

Viel Chrom, satter Sound, eine klassische Linie - und das ist nur das Autoradio! Peter Wallich repariert die teils 60 Jahre alten Schmuckstücke im Armaturenbrett, oft das i-Tüpfelchen auf einem gepflegten Oldtimer. Und er verpasst ihnen auf Wunsch einen iPhone-Anschluss.

Vor 20 Jahren wäre Peter Wallich ein Mann gewesen mit einem schrulligen Hobby. Heute ist er ein gefragter Spezialist. Vom Boden bis zur Decke stapeln sich in seinem Büro alte Radios. Links die Oldtimer - sie haben 60 Jahre und mehr auf dem Buckel, das Chrom glänzt, die Front ist filigran. Rechts die Youngtimer - 20 Jahre alt, schwarz, schnörkelfrei und komplett aus Kunststoff.

Jede Woche bekommt Wallich 15 bis 20 Pakete aus Amerika, Europa und Asien. Autoliebhaber, Recyclinghöfe und Teilehändler aus der ganzen Welt schicken ihm ihre alten Radios nach Ellerdorf, einem kleinen Ort mitten in Schleswig Holstein, wo er in einer alten Dorfschule lebt und arbeitet. Hier bringt der Ingenieur die Oldies wieder zum Laufen. Besonders stolz ist er auf die zwei Dutzend Adapter in seinem Programm. Er hat sie selbst entwickelt: Mit ihnen können Fahrer ihre MP3-Player und Smartphones an die alten Radios anschließen.

Der Markt boomt. "Allein in Deutschland wächst die Oldtimerszene jedes Jahr um zehn Prozent", sagt ADAC-Sprecher Johann König. Und viele Autofans wollen wieder die ursprünglichen Werksradios besitzen.

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Stellmacher: Ich zimmere dir einen Oldtimer

Foto: dapd

In den fünfziger und sechzier Jahren waren Autoradios noch echte Luxusartikel, ihr Kauf war das i-Tüpfelchen für jeden Autoliebhaber. "Ihr Preis lag deutlich über dem eines durchschnittlichen Monatslohns", sagt Wallich. Jedes Detail, vom Klangregler bis zur Nadelstreifenblende, war exakt auf das Interieur des Fahrzeugs abgestimmt und fand seine Wiederholung an Fensterheber und Amaturenbrett.

Besitzer historischer Autos sind Schöngeister. "Der Sound der Radios ist für die meisten zweitrangig. Viel wichtiger ist ihnen der Klang der Autos", sagt Wallich. "In Amerika fahren noch viele Porsche 911er. Die sind sehr laut, das kleine Original-Blaupunktradio kommt gegen den Lärm gar nicht an." Dennoch gelten Attrappen als Stilbruch. Und deshalb braucht die Szene Wallich.

Schon als Jugendlicher hat er Verstärker gebaut, später wurde er Elektroinstallateur, dann -techniker. Als er vor Jahren auf dem Flohmarkt ein Grundig Weltklang-Autoradio fand, nahm er es aus einer Laune heraus mit, reparierte es und bot es bei Ebay an. Ein halbes Dutzend Bieter fragte nach weiteren Radios.

Von nun an verbrachte der damalige Prokurist der Industrieelektronik und Automatisierungstechnik seine Abende mit den Klassikern aus dem Hause Becker und Blaupunkt und erweckte an seinem Küchentisch Kofferradios wie das Derby Blaupunkt für die BMW Isetta zu neuem Leben. Restauriert verkaufte er sie im eigenen Onlineshop . Als sein Arbeitgeber ein Jahr später seinen Betrieb zumachte, konzentrierte er sich ganz auf die Radios. Das war vor sechs Jahren. Seitdem boomt das Geschäft.

Neue Ersatzteile machen schwitzige Finger

Zur Kür seiner Arbeit gehört das Beschaffen der Originalteile. "Zwischen Original und Reproduktion liegen Welten", sagt Wallich und zieht zum Beweis zwei orangefarbene Schachteln aus seinem Werkstattschrank. In einem liegen die geschwungenen Drehknöpfe eines "Becker Grand Prix", schwarz, mit Metallring. Die Ersatzlösung im Kästchen daneben ist schlicht und komplett schwarz - und fühlt sich anders an als das Original. "Die Haptik alter Kunststoffe ist immer etwas gummiartiger als die der neuen Kunststoffe", sagt Wallich. "Von den neuen bekommt man schwitzige Finger."

Rund 2500 Radios lagert er zurzeit auf seinem Speicher. Manchmal halten auch 60 Jahre alte amerikanische Straßenkreuzer oder seltene Autos wie der Skoda 1100 auf dem Grünstreifen vor der alten Dorfschule. "Der Skodafahrer war auf der Durchreise von Österreich nach Schweden. Er wollte sich die Radios ansehen und hatte selbst ein HEA Danubia Autoradio eines österreichischen Herstellers", schwärmt Wallich. So eines hatte er noch nie gesehen.

Das hätte er gern für seine eigene Sammlung gehabt. Die ist mit rund einem Dutzend Radios recht klein. Wallich ist ein eher nüchterner Sammler und sehr wählerisch. Er sucht Raritäten wie das Continental Edison, das in den Citroen DS gehört und in einigen Louis de Funès-Filmen kurz zu sehen ist oder ein Automignon. Philips hatte 1958 den Plattenspieler für das Auto auf den Markt gebracht. Das Gerät spielte während der Fahrt störfrei Singles ab und war damals der letzte Schrei. Er würde es in die Vitrine stellen. Denn in seinem Oldtimer, einem Mercedes /8 hört er nie Radio, geschweige denn Schallplatten: "Das Radio ist wichtig für Pausen, beim Fahren ist es nur ein Accessoire."

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