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Arbeitsrecht Hitze im Büro - was Sie von Ihrem Chef verlangen dürfen

Temperaturen über 33 Grad: In Deutschland ist es derzeit so heiß wie im Hochsommer. Welche Rechte haben Angestellte? Und ab wann gibt es Hitzefrei? Der Überblick.
Arbeitnehmer am Ventilator

Arbeitnehmer am Ventilator

Foto: Wolfram Kastl/ picture alliance / dpa

Sie sitzen gerade im heißen Büro oder müssen draußen arbeiten und Ihnen laufen die Schweißperlen über die Stirn? Kein Wunder, in dieser Woche wurden bereits Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius gemessen und es bleibt warm. Der Deutsche Wetterdienst hat bereits eine Hitzewarnung herausgegeben.

Dürfen Angestellte nun zu Hause bleiben? Und was ist, wenn der Chef in kurzer Hose und Hawaiihemd erscheint? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer bekommt wann Hitzefrei?

Für Arbeitnehmer gibt es kein Recht auf Hitzefrei. Nach der Arbeitsstättenregelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich aber nicht über 26 Grad Celsius liegen. Allerdings müssen Beschäftigte auch bei Temperaturen von 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaßnahmen ergreifen.

Ausgenommen sind Schwangere und Mitarbeiter, die mit einem Attest belegen können, dass sie ab bestimmten Temperaturen gesundheitliche Probleme bekommen. Sie dürfen vom Arbeitgeber eine bestimmte Raumtemperatur einfordern. Falls der Chef oder die Chefin nicht für Kühlung sorgen kann, gibt es für sie Hitzefrei.

Wie können Schutzmaßnahmen aussehen?

Laut Arbeitsstättenrichtlinie müssen Fenster und Glaswände vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden - zum Beispiel mit Jalousien. Falls es trotzdem unerträglich heiß im Büro wird, sollten Beschäftigte ihren Chef darauf hinweisen oder den Betriebsrat einschalten.

Falls die Klimaanlage läuft, sollte es aber auch nicht zu kühl im Büro werden. Experten empfehlen, dass es drinnen maximal sechs Grad kälter sein sollte als draußen.

Wer draußen arbeitet, muss vor direkter Sonne geschützt werden. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Hüte bereitstellen. Auch eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sollten die Beschäftigten Sonnenbrillen tragen.

Darf ich mit Shorts zur Arbeit kommen?

Es ist so heiß, dass sogar die Tastatur schwitzt? Da ist es nur verständlich, wenn Angestellte leicht bekleidet zur Arbeit kommen. Doch kurze Hosen und Flipflops sind vielleicht in der Freizeit okay, aber nicht unbedingt im Büro. Der Chef darf einen Dresscode vorgeben. Das ist vor allem für diejenigen wichtig, die viel Kundenkontakt haben. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Abmahnung.

Außerdem muss in jedem Fall der Arbeitsschutz gewährleistet bleiben. Wegen Hitze den Schutzhelm abzulegen oder die Sicherheitsschuhe auszuziehen, geht also nicht. Chefs dürfen aber nicht alles verbieten. Es gilt der Grundsatz: Kleidung und Aussehen müssen für die Position geeignet sein. Im Zweifelsfall sollten Sie die Chefs einfach fragen - oder genau beobachten, wie sie sich selbst kleiden. Kommt er oder sie beispielsweise in kurzer Hose, sollte das auch für Sie okay sein.

Wie ungewöhnlich ein Mann reagierte, der im Büro mit Shorts arbeiten wollte, aber nicht durfte, lesen Sie hier.

Kann ich einen Ventilator im Büro aufstellen?

Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze ist ein Ventilator sinnvoll - Arbeitnehmer müssen allerdings vorher ihren Chef um Erlaubnis fragen, ob sie das Gerät anschließen dürfen. Denn der Strom, der aus den Steckdosen des Unternehmens kommt, gehört zu den Arbeitsmitteln. Und die sollen für die Arbeit genutzt werden und nicht dafür, es sich am Schreibtisch gemütlich zu machen.

Wie sieht es mit Pausen aus?

Wenn schon kein Hitzefrei, dann empfiehlt es sich, die Arbeit sinnvoll auf den Tag zu verteilen: So können Arbeiten wenn möglich in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden - dies kann auch im Büro sinnvoll sein. Das empfiehlt zumindest die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Außerdem sollte es mehrere zusätzliche kurze Pausen geben, die in kühleren Bereichen verbracht werden.

Was ist, wenn mein Kind Hitzefrei hat?

Wenn der Sommer kommt, fällt schon mal die Schule aus. Ob es überhaupt Hitzefrei gibt oder nicht und wer darüber bestimmt, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Meistens darf die Schulleitung ab einer bestimmten Temperatur darüber entscheiden.

Und wenn diese beschließt, dass es zu heiß zum Lernen ist, stehen viele berufstätige Eltern vor einem Problem. Denn wer kümmert sich jetzt um das Kind? In vielen Fällen können Schüler weiterhin in der Schule betreut werden. Falls nicht, muss der Chef berufstätigen Eltern freigeben. Allerdings nur, wenn die Schule kurzfristig entschieden hat, dass es Hitzefrei gibt und wenn sich der Angestellte um eine andere Betreuung bemüht hat.

koe
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