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23. Juli 2019, 19:23 Uhr

Ab 29 Grad Raumtemperatur

Ministerialbeamte dürfen wegen Hitze "mobil arbeiten"

Die nächste Hitzewelle legt Berlin lahm: Beschäftigte dürfen von zu Hause arbeiten - oder wie beim Innenministerium um Schreibtischasyl in kühleren Büros bitten.

Auch wenn das Thermometer in den kommenden Tagen mancherorts die 40-Grad-Marke erreicht: Einen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer nicht. Die Arbeitgeber müssen allerdings auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten achten - und handeln, wenn es zu heiß wird. Steigt die Temperatur im Büro über 35 Grad, ist das nicht mehr zumutbar. (Testen Sie hier Ihr Wissen über Hitzefrei im Quiz.)

Aber bereits ab 27 Grad sollen die Arbeitgeber laut der Technischen Regel für Arbeitsstätten geschützt werden. Wie handhaben diejenigen das, bei denen Regelungen wie die Arbeitsstättenverordung ersonnen werden? Der SPIEGEL hat bei den Ministerien in Berlin und Bonn nachgefragt, wie sie ihre Mitarbeiter vor der Hitzewelle schützen.

Keine Arbeitsbefreiung, aber Heimarbeit

Hitzefrei ist für die Beamten keine Option. "Arbeitsbefreiung wird regelmäßig nicht erteilt", erläutert ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Allerdings dürfen die Ministerialbeamten in fast allen Ministerien "mobil arbeiten". "Die Beschäftigten sind damit weitgehend frei in der Wahl ihres Arbeitsortes", so der Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Kernarbeitszeit verkürzt

"Wenn dienstlich nichts dagegen spricht" wird das so auch im Verkehrsministerium gehandhabt. Die Beschäftigten dürfen laut einer Sprecherin des Familienministeriums zudem von der Kernarbeitszeit abweichen und so "zum Beispiel außerhalb der Mittagszeit arbeiten".

Das Landwirtschaftsministerium hat das bei der letzten Hitzewelle Ende Juni 2019 ähnlich gehandhabt und die verpflichtende Anwesenheitszeit um eine Stunde auf 14 Uhr verkürzt. Die Beamten im Justizministerium können wegen der großen Hitze bereits eine Dreiviertelstunde früher, um 6 Uhr, mit der Arbeit beginnen, teilt der Pressesprecher mit. Die Kernzeit ende ebenfalls bereits um 14 Uhr.

Unterschiede bei den Temperaturangaben

Allerdings wird die Arbeitszeitverkürzung den Beamten nicht geschenkt, stellen Finanz- und Wirtschaftsministerium klar. Werde im Rahmen der Gleitzeit an heißen Tagen weniger gearbeitet, "sind diese Arbeitsstunden nachzuarbeiten" beziehungsweise mit "bereits geleisteter Mehrarbeit auszugleichen".

Ab welchen Temperaturen die Ministerien die Maßnahmen für angebracht halten, ist allerdings unterschiedlich. Während die meisten allein auf die Absprache mit den Vorgesetzen verweisen, hält das Finanzministerium Abweichungen von der Kernarbeitszeit ab 29 Grad für angemessen, im Umweltministerium muss das Thermometer erst auf 30 Grad steigen.

Ventilatoren und kalte Getränke

Im Entwicklungs- und Justiz- und Außenministerium will man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zudem Ventilatoren zur Verfügung stellen. Das Entwicklungsministerium verweist außerdem auf die Versorgung mit gekühlten Getränken, die gewährleistet sei.

Auch Schreibtisch-Hopping sei möglich: "Da viele Kolleginnen und Kollegen in den Sommerferien im Urlaub sind, können Beschäftigte teilweise auf schattigere oder kühlere Büros ausweichen", sagt ein Sprecher des Justizministeriums. Auf Schreibtischasyl im "kollegialen Miteinander" setzt auch das Innenministerium.

Einzig im Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht man keinen Handlungsbedarf - dank der Ausstattung der Dienstgebäude. Dreifachverglasung, "grundwassergekühlte Decken" und "sonneneinstrahlungsgesteuerte Verschattung" erlaubten "auch bei großer Hitze ein erträgliches Arbeiten", teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.

sun/faq

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