Ab 29 Grad Raumtemperatur Ministerialbeamte dürfen wegen Hitze "mobil arbeiten"

Die nächste Hitzewelle legt Berlin lahm: Beschäftigte dürfen von zu Hause arbeiten - oder wie beim Innenministerium um Schreibtischasyl in kühleren Büros bitten.

Bundesinnenministerium im Sonnenschein
DPA

Bundesinnenministerium im Sonnenschein


Auch wenn das Thermometer in den kommenden Tagen mancherorts die 40-Grad-Marke erreicht: Einen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer nicht. Die Arbeitgeber müssen allerdings auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten achten - und handeln, wenn es zu heiß wird. Steigt die Temperatur im Büro über 35 Grad, ist das nicht mehr zumutbar. (Testen Sie hier Ihr Wissen über Hitzefrei im Quiz.)

Aber bereits ab 27 Grad sollen die Arbeitgeber laut der Technischen Regel für Arbeitsstätten geschützt werden. Wie handhaben diejenigen das, bei denen Regelungen wie die Arbeitsstättenverordung ersonnen werden? Der SPIEGEL hat bei den Ministerien in Berlin und Bonn nachgefragt, wie sie ihre Mitarbeiter vor der Hitzewelle schützen.

Keine Arbeitsbefreiung, aber Heimarbeit

Hitzefrei ist für die Beamten keine Option. "Arbeitsbefreiung wird regelmäßig nicht erteilt", erläutert ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Allerdings dürfen die Ministerialbeamten in fast allen Ministerien "mobil arbeiten". "Die Beschäftigten sind damit weitgehend frei in der Wahl ihres Arbeitsortes", so der Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Kernarbeitszeit verkürzt

"Wenn dienstlich nichts dagegen spricht" wird das so auch im Verkehrsministerium gehandhabt. Die Beschäftigten dürfen laut einer Sprecherin des Familienministeriums zudem von der Kernarbeitszeit abweichen und so "zum Beispiel außerhalb der Mittagszeit arbeiten".

Das Landwirtschaftsministerium hat das bei der letzten Hitzewelle Ende Juni 2019 ähnlich gehandhabt und die verpflichtende Anwesenheitszeit um eine Stunde auf 14 Uhr verkürzt. Die Beamten im Justizministerium können wegen der großen Hitze bereits eine Dreiviertelstunde früher, um 6 Uhr, mit der Arbeit beginnen, teilt der Pressesprecher mit. Die Kernzeit ende ebenfalls bereits um 14 Uhr.

Unterschiede bei den Temperaturangaben

Allerdings wird die Arbeitszeitverkürzung den Beamten nicht geschenkt, stellen Finanz- und Wirtschaftsministerium klar. Werde im Rahmen der Gleitzeit an heißen Tagen weniger gearbeitet, "sind diese Arbeitsstunden nachzuarbeiten" beziehungsweise mit "bereits geleisteter Mehrarbeit auszugleichen".

Ab welchen Temperaturen die Ministerien die Maßnahmen für angebracht halten, ist allerdings unterschiedlich. Während die meisten allein auf die Absprache mit den Vorgesetzen verweisen, hält das Finanzministerium Abweichungen von der Kernarbeitszeit ab 29 Grad für angemessen, im Umweltministerium muss das Thermometer erst auf 30 Grad steigen.

Ventilatoren und kalte Getränke

Im Entwicklungs- und Justiz- und Außenministerium will man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zudem Ventilatoren zur Verfügung stellen. Das Entwicklungsministerium verweist außerdem auf die Versorgung mit gekühlten Getränken, die gewährleistet sei.

Auch Schreibtisch-Hopping sei möglich: "Da viele Kolleginnen und Kollegen in den Sommerferien im Urlaub sind, können Beschäftigte teilweise auf schattigere oder kühlere Büros ausweichen", sagt ein Sprecher des Justizministeriums. Auf Schreibtischasyl im "kollegialen Miteinander" setzt auch das Innenministerium.

Einzig im Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht man keinen Handlungsbedarf - dank der Ausstattung der Dienstgebäude. Dreifachverglasung, "grundwassergekühlte Decken" und "sonneneinstrahlungsgesteuerte Verschattung" erlaubten "auch bei großer Hitze ein erträgliches Arbeiten", teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.

Und jetzt sind Sie dran
  • iStockphoto/ Getty Images
    Bekommen Sie an Ihrem Arbeitsplatz hitzefrei? Ab wie viel Grad ist das der Fall, um wie viel Uhr dürfen Sie gehen? Was genau lassen sich Ihre Chefs oder Chefinnen bei heißen Temperaturen einfallen: Gibt es Eis für alle oder Ventilatoren in den Büros? Werden Sie in schattigere Büros verlegt? Oder müssen Sie trotzdem die schwarze Arbeitskleidung oder den Anzug tragen?
  • Schreiben Sie uns eine E-Mail.
Mit Einsendung unter Ihrem vollen Namen - und gegebenenfalls Nennung der Quelle - bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung unter Nennung Ihres Namens zustimmen.

sun/faq

insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Postwachstumsökonom 23.07.2019
1. Ähm, Klimaanlagen?
Diese Debatte um hitzefrei in Büros ist absolut lächerlich. Wie wäre es, einfach Klimaanlagen zu installieren und somit das Arbeiten für jeden Büroarbeiter angenehmer zu gestalten? Durch den Klimawandel wird es auch in Deutschland immer heißer und deswegen sollte es Standard sein bei Neubauten und Geschäftsgebäuden, sowie und inbesondere Schulen und Universitäten. In meinem Unternehmen haben wir im Gesamtgebäude Klimaanlagen und haben Winter wie Sommer angenehme 24 Grad im Gebäude , unabhängig von der Außentemperatur. So macht Arbeiten Spaß. Gekühlte Getränke bewirken übrigens alles andere, aber nicht die Kühlung eines Körpers. Aber das ist es eben was auch hier aus unseren Ministerien kommt: Schwachsinn aus einer anderen Welt.
kindchen 23.07.2019
2. Das Bild ...
... zeigt übrigens nicht das Bundesinnenministerium, sondern ein Bürogebäude in Charlottenburg, das bis vor einigen Jahren von diesem Ministerium genutzt wurde. Heute befinden sich dort andere Mieter.
joe_ann 23.07.2019
3. #1 da haben Sie Recht
selbst in Ägypten trinkt man lauwarmen Tee :D Man könnte meinen, der Körper produziert vermehrt Wärme, wenn der Reiz ''kalt'' kommt
Sibylle1969 23.07.2019
4.
Im Büro sind bereits 30 Grad Raumtemperatur nicht mehr zumutbar. Im extrem heißen August 2003 arbeitete ich in einem nicht klimatisierten Teambüro, in dem noch 8 Computer liefen und für zusätzliche Wärme sorgten. Schon gegen Mittag waren es 32 Grad in unserem Büro, und das war nicht mehr erträglich. Und die Mittagsstunden sind auch nicht die heißesten des Tages, sondern die Zeit zwischen 15 und 18 Uhr. Das einzig sinnvolle ist es, möglichst früh zu beginnen und früh Feierabend zu machen. Richtig Abkühlen tut es nämlich erst nach 19 Uhr. In meinem Home Office hatte es heute 27 Grad, aber das dürfte natürlich noch hoch gehen in den nächsten Tagen. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte mein Home Office an den heißesten Tagen 30 Grad, und das war nicht wirklich zumutbar.
tclaussnitzer 23.07.2019
5. Überschrift
Meine Güte, es ist Sommer! Ich habe hier bei mir in der Nachbarschaft Leute auf dem Strassen- und Hausbau gesehen. Aber die armen , armen Büromenschen. Müssen ja soo schwitzen. Lol.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.