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Job & Karriere

Tipps von den Karriereberaterinnen Hoch qualifiziert und arbeitslos - wie finde ich trotz Krise einen guten Job?

Dorothea Assig
Dorothee Echter
Ein Gastbeitrag von Dorothea Assig und Dorothee Echter
Gute Referenzen, Auslandserfahrung - und seit Monaten auf Jobsuche: Wie schafft man es, gerade jetzt eine neue Stelle zu bekommen? Und wie lange darf das dauern?
In der Firma ist kein Platz mehr für den 54-Jährigen: Wie kann er mitten in der Coronakrise einen guten neuen Job finden?

In der Firma ist kein Platz mehr für den 54-Jährigen: Wie kann er mitten in der Coronakrise einen guten neuen Job finden?

Foto: Stephen Shepherd / plainpicture

Jan, 54 Jahre, Entwicklungsleiter bei einem Automobilzulieferer: "Nach vier Jahren in Spanien und Mexiko, wohin mich meine Firma entsendet hatte, kam ich Anfang des Jahres zurück nach Deutschland. Doch hier gab es keine Aufgabe im Unternehmen für mich; einen weiteren Auslandsaufenthalt konnte ich meiner Familie nicht zumuten. Deshalb unterschrieb ich einen Aufhebungsvertrag. Die Jobsuche gestaltet sich allerdings sehr schwierig, gerade jetzt in der Coronakrise. Ich tue mich schwer mit den richtigen Kontakten. Headhunter antworten nicht. Wie finde ich einen guten Job?"

Dorothea Assig und Dorothee Echter sind Beraterinnen für das internationale Topmanagement, Konferenzrednerinnen und Autorinnen von Fachartikeln und Fachbüchern. Dazu zählen »Freiheit für Manager« und »Ambition. Wie große Karrieren gelingen«. Ihr jüngstes Buch: »Eines Tages werden sie sehen, wie gut ich bin! – Wie Karrieremythen Ihren Erfolg blockieren und wie Sie dennoch weiterkommen.« Ariston Verlag. In ihren Beiträgen gehen sie besonders auf Probleme von Führungskräften ein. E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de schreiben – Stichwort Assig und Echter 

Lieber Jan,

den Aufhebungsvertrag haben Sie wahrscheinlich schon bereut, denn gerade jetzt gibt es viele Suchende - und Unternehmen zögern bei Einstellungen. Deshalb machen Sie jetzt die Jobsuche zu Ihrem neuen Fulltime-Job. Machen Sie sich aber klar: Das kann auch zwei Jahre dauern. Aber dann werden Sie mit Ihrem Können und Ihrer internationalen Erfahrung eine gute neue Aufgabe finden.

Sie brauchen eine Erfolg versprechende Geschichte

Was bewegt Sie? Fassen Sie in rund 20 Wörtern zusammen, was Sie erreichen konnten, was Sie dabei angetrieben hat, warum Ihnen dies so wichtig war, wie und für wen Sie in Zukunft große Erfolge herbeiführen wollen und können. Dieses "Erfolgsnarrativ" ist eine entscheidende Ergänzung zum Lebenslauf. Suchen Sie sich selbst eine neue Aufgabe, sei sie auch noch so vermeintlich klein: einem Freund helfen, der gerade ein Start-up aufbaut; im Ehrenamt die Software einer gemeinnützigen Organisation überprüfen; als Dozent an einer Hochschule lehren oder Ähnliches. So können Sie interessante aktuelle Wahrnehmungen schildern, die zu Ihrer Erfolgsgeschichte passen, das wirkt positiv auf andere und sogar auf Sie selbst zurück.

Wer sind Sie und was wollen Sie?

Präsentieren Sie Ihre Daten und Ihre Erfolgsgeschichte in den sozialen Medien, etwa auf LinkedIn. Wenn Sie dort mit der Funktion "#openwork" zeigen, dass Sie offen für Jobangebote sind, sehen dies nur diejenigen, die Stellen zu besetzen haben. Feilen Sie ständig an Ihrer Selbstdarstellung und evaluieren Sie: Werden Sie schon gefunden, angesprochen? Wenn nicht, entwickeln Sie Ihr Profil weiter:

  • Benutzen Sie große Worte für Ihre fachliche Expertise (in Ihrem Fall auf Englisch) wie "größter wirtschaftlicher Erfolg", "höchste Innovationsrate", "weltweite Patente",...

  • ...und für Ihren Level Begriffe wie "Entwicklungsleiter", "Mitglied der Geschäftsleitung", "Direktor Forschung und Entwicklung".

  • Kommen Anfragen unterhalb Ihres Levels, streichen Sie nochmals alles, was zu bescheiden klingt, nehmen Sie etwa das Wort "Team" heraus.

  • Lernen Sie von Profilen anderer erfolgreicher ManagerInnen und EntwicklungsleiterInnen.

Wenn Sie gefragt werden: Warum sind Sie gegangen?

  • "Ich wollte meine Erfolge fortsetzen, das war aufgrund veränderter Konstellationen nicht möglich" - das reicht.

  • Zeigen Sie sich offen für Jobs im Ausland, denn wer weiß, ob es nicht am Ende ein Interims- oder Beratungsmandat gibt oder einen Job, der nur teilweise oder digitale Präsenz verlangt.

  • Äußern Sie keinerlei negativen Kommentar zu Ihrer Ex-Firma oder Ex-Chefs, das wirkt nachtragend.

Das Wichtigste: Wertschätzung, Dankbarkeit, Unkompliziertheit

Sie können das alles tun, alle von Ihrem Können überzeugen, und dennoch werden Sie nicht auf eine neue Position berufen, wenn Ihre persönliche Veränderung fehlt: vom Leistungserbringungs-Universum, in dem geplant, Ziele gesetzt, kontrolliert, fachlich kommuniziert und gearbeitet wird bis zum Anschlag, zum Wertschätzungs-Universum, in dem Sie alle bei Laune halten, über sich selbst und alle anderen großartig sprechen, Komplimente, Dank, Glückwünsche großzügig verteilen.

Wie - nur noch Wohlwollen und Sympathie erzeugen? Bei ALLEN? Ja, denn Sie möchten ja, dass über Sie gesprochen wird. Schon die allerkleinste Störung aus dem Leistungserbringungs-Universum, wie eine beiläufige negative Bemerkung über irgendjemanden, wie ein unterlassener Dank, kann das Empfehlungs-Schwungrad zum Stillstand bringen.

Sie wollen positiv wahrgenommen werden, vorwärts gewandt - Sie wollen, dass man an Sie denkt, wenn es eine neue Funktion zu besetzen gibt. Sie wollen nicht der jammernde Bittsteller sein, der frustriert über seine alte Firma lästert.

Ihr neues Repertoire:

  • Dankbare Abschiedsbriefe mit Ihren neuen Daten - ohne Bitten etwa darum, Kontakte herzustellen

  • Herzliche "Zurück in Deutschland"-Mails mit Ihren neuen Daten - ohne Absicht oder Wünsche dahinter

  • Einladungen zum Frühstück, Lunch, Dinner in Städten, in denen die anderen arbeiten, einfach so

  • Plaudern und auf die Frage, was Sie gerade machen, sagen: "Ich bin in interessanten Gesprächen für einen neuen Job als Entwicklungsleiter"

  • Gelegenheiten suchen zu gratulieren, Glück zu wünschen, Komplimente zu machen, zu danken, in Kontakt zu bleiben, Menschen zusammenzubringen und vor allem Andere zu empfehlen.

Viel Erfolg!

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