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Arbeitswelt Fünf Tipps für das Homeoffice

Erschöpft nach zwei Monaten Heimarbeit unter erschwerten Bedingungen? So wird der Job von zu Hause angenehmer.
Gefrustet im Homeoffice: Schon kleine Kniffe im Alltag können helfen

Gefrustet im Homeoffice: Schon kleine Kniffe im Alltag können helfen

Foto: filadendron/ E+/ Getty Images

Homeoffice ist nicht einfach. Wir vermissen die Kollegen, den Plausch auf dem Flur, die Siebträgermaschine. Arbeiten von zu Hause bedeutet nicht nur maximale Flexibilität, es bedeutet häufig auch ständige Erreichbarkeit, fehlende Trennung zwischen Privat- und Berufsleben und Arbeiten aus dem Schlafzimmer.

All das kann Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und Erschöpfung fördern. Das zeigte eine Umfrage der Krankenkasse AOK unter 2001 Erwerbstätigen zwischen 16 und 65 schon vor Corona. 62 Prozent der Beschäftigten mit Homeoffice-Erlaubnis würden nach einer Bitkom-Befragung das Büro als Arbeitsort vorziehen.

Nicht für jede und jeden ist Homeoffice einfach. Diese fünf Tipps versuchen, Ihnen die Arbeit von zu Hause angenehmer zu machen.

1. Kennen Sie Ihre Gegner

Es ist wichtig, um seine Feinde zu wissen. Stört etwa der Lärm von draußen, sind Kopfhörer, die Schall dämpfen, eine gute Idee. Schon Schriftsteller Charles Dickens hat sich in seinem Arbeitszimmer eine zweite Zwischentür einbauen lassen, um lästige Außengeräusche zu kontrollieren. Dickens hat seinen Gegner erkannt: und gehandelt. Darum geht es.

"Strukturen herauszubilden ist ein ganz wichtiger Punkt", sagt André Niedostadek, 50, Managementberater, Buchautor und Juraprofessor an der Hochschule Harz. Zum Beispiel, indem man einen Teil der Arbeit auf die Phase verlegt, in der Kinder oder Partner noch schlafen. So arbeitet man effektiver und startet gleich mit einem positiven Grundgefühl in den Tag. Ist die ganze Familie zu Hause und die Räume beengt, leidet schnell die Konzentration.

Wenn möglich, sollte man einen festen Arbeitsplatz einrichten, an dem das Equipment stehen bleiben kann. Klare Absprachen mit der Familie über die Arbeitszeiten, in denen man möglichst nicht gestört werden sollte, können helfen. Versuchen Sie auch zu Hause, Berufliches und Privates so gut wie möglich zu trennen. Mit Kindern oder als alleinerziehender Elternteil kann das eine besondere Herausforderung bedeuten. 

Oftmals sind es Kleinigkeiten, die uns vom Arbeiten abhalten, die Sie jedoch steuern können: das Piepen der Spülmaschine oder des Wäschetrockners zum Beispiel. "All das sind vermeidbare Stressfaktoren. Es hilft, wenn wir diese Dinge gezielt in unseren Tag einplanen und sie nicht als Ablenkung begreifen", sagt Niedostadek.

Ein weiterer hartnäckiger Widersacher im Homeoffice ist das Handy. "Applenken" ist für viele Menschen ein riesiger Zeitfresser. Auch hier gibt es mittlerweile Anwendungen, mit der Sie die Nutzungszeit einzelner Apps steuern und zeitliche Kontrolle über Ihr Smartphone gewinnen können.

Es ist wichtig, solche Stressfaktoren und -verstärker auszumachen - und sich davon zu befreien. Man sollte sich die Fragen stellen: Warum lösen manche Dinge einen solchen Stress in mir aus? Wer wäre ich ohne diese Gedanken? "Diese Dinge aufzuschreiben hilft häufig sehr gut", sagt Niedostadek.

2. Entwickeln Sie Routinen

Routinen versprechen nur auf dem zweiten Blick Langeweile. Hinter Routinen verbirgt sich nämlich auch die "Route", also: der Weg. "Gerade Routinen helfen uns, nicht phlegmatisch zu werden – das gilt auch für kreatives Arbeiten", sagt Niedostadek. Schon Beethoven hat als Morgenzeremonie die 60 Bohnen, die er zum Aufbrühen seines Morgenkaffees benötigte, stets mit der Hand abgezählt.

Nun müssen Sie nicht jeden Morgen Ihre Kaffeebohnen von Hand verlesen, um strukturiert in den Tag zu starten. Dennoch können Sie Ihren Rhythmus bereits am Morgen beginnen. Während der eine mit Meditation oder einer Runde Yoga den Tag begrüßt, kann es im Heimbüro auch eine Idee sein, mit etwas Haushalt zu starten, bevor der Kampf durch den E-Mail-Dschungel beginnt.  

Helfen auch To-do-Listen, um den Tag besser zu strukturieren? "Klares Jein", sagt Niedostadek. Oftmals neigt man dazu, sich den Tag, unterteilt nach Ordnungspunkten, besonders vollzupacken – ganz gleich, ob digital oder analog. Schon am Vorabend einmal darüber nachzudenken, was einem am nächsten Tag erwartet, kann dennoch ein guter Helfer sein. Allein das Bewusstsein darüber, sich mit den anstehenden Aufgaben am nächsten Morgen auseinandergesetzt zu haben, gibt häufig bereits eine innere Ruhe.

Mittlerweile helfen auch viele Apps dabei, Gewohnheiten auszubilden. Man kann dort Tätigkeiten eintragen und sich digital daran erinnern lassen. Ein analoger und oftmals sehr wirkungsvoller Tipp: binden Sie Freunde und Familie in Ihre Alltagsroutinen ein. "Geben Sie ruhig die Erlaubnis, sich auch mal in den Hintern treten zulassen – nichts motiviert uns besser als Menschen, die uns nahestehen", sagt Niedostadek. Merken Sie, dass Sie für bestimmte Dinge immer wieder angespornt werden müssen: Verbannen Sie den Punkt aus Ihrem Alltag. Denn Gegner halten nicht nur vom Arbeiten ab, sie bremsen auch.

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3. Finden Sie das "richtige" Mindset

Das Zauberwort lautet hier: Reflexion. Besonders, wenn Sie damit beginnen, sich Gedanken über Ihr eigenes Tun zu machen, können Sie ruhig regelmäßiger den Status quo abfragen. Haben Sie sich jüngst etwa zum Ziel gesetzt, morgens dreimal in der Woche zehn Kilometer durch den Stadtpark zu joggen, ergibt es auch nach zwei Wochen durchaus Sinn, zu schauen, ob dieses Ziel realistisch gesteckt oder zu ambitioniert war. "Letztlich ist das Wichtigste, dass man sich wohl mit dem fühlt, was man gerade macht", sagt Niedostadek. Um dies in regelmäßigen Abständen zu erfragen, ist Reflexion wichtig.

Doch was mache ich, wenn ich gar nicht weiß, was ich reflektieren soll und noch gar kein klares Mindset herausgebildet habe? "Dann hilft es, sich an anderen Menschen zu orientieren, bei denen Sie das Gefühl haben, sie geben Ihnen Inspiration", sagt Niedostadek. Wichtig sei hier, so der Experte, seine Inspirationsquellen zu begrenzen, um den Fokus nicht zu verlieren.

Ein Denkansatz, den man dabei immer im Hinterkopf behalten sollte: Aus jeder Situation kann man etwas lernen und für sich mitnehmen. Mal ist das einfacher, mal ist das schwieriger. Aber allein diese Perspektive einzunehmen, kann positive Energie geben – und Stress vermeiden.

4. Gehen Sie kleine Schritte

Wichtig sind kleine Zwischenziele. Entscheidend beim Arbeiten und Lernen ist es, sich Teilerfolge vorzunehmen. Hilfreich kann dabei auch sein, diese Ziele zu visualisieren, etwa mit Hilfe eines Vision Boards. "All das hilft uns, unsere Vorstellungen zu schleifen und uns auch die kleinen Ziele immer wieder vor Augen zu führen", sagt Niedostadek. 

Eine Strategie, die der Experte hierfür empfiehlt, ist die Pomodoro-Technik. Die Pomodoro-Technik hat ihren Namen einer aufziehbaren Küchenuhr in Tomatenform zu verdanken. Sie unterteilt unsere Arbeit in Abschnitte von 25 Minuten. In diesen 25 Minuten widmen Sie sich jeweils einer konkreten Aufgabe, die Sie in dieser Zeit erledigen möchten. Danach folgen fünf Minuten Pause. Und dann geht es mit 25 Minuten weiter. Das Ticken der Uhr kann helfen, Spannung aufzubauen, wenn es in die Arbeitsphase geht. "Man kommt schnell in die Umsetzung, geht kleine Schritte und bleibt dran", sagt Niedostadek. Auch Mark Twain wusste in seiner lakonischen Art schon früh: "Das Geheimnis des Vorwärtskommens besteht darin, den ersten Schritt zu gehen".

5. Seien Sie gütig zu sich selbst

Gerade im Homeoffice besteht die Gefahr, nie das Gefühl zu haben, dass Feierabend ist. "Umso wichtiger ist es, auch mal nachsichtiger mit sich selbst zu sein", sagt Niedostadek.  

Diese Lockerheit ist der Schlüssel zu all den Homeoffice-Tipps, die zuvor gegeben wurden. Auch hier gilt: Dinge zu Papier bringen, sorgt für Klarheit. Um auch kurzfristige Gedanken und Dinge notieren zu können, lohnt sich eine handliche Kladde - alternativ tut es aber auch die Notizfunktion des Mobiltelefons.

Gut mit sich umzugehen bedeutet auch, sich Pausen zu gönnen. Praktisch ist es, die Entspannung bewusst in den eigenen Tagesablauf einzubauen. Oft merkt man an sich selbst am besten, was gerade fehlt.

Dranbleiben heißt auch, Abstand zu gewinnen, um dann mit neuer Energie Aufgaben bewältigen zu können. "Dranbleiben bedeutet immer eine Reise zu sich selbst", sagt Niedostadek. Homeoffice als Idee, sich besser kennenzulernen? Klingt doch gar nicht so schlecht.