Die größten Hürden beim Homeoffice Der Chef sieht's halt nicht so gern

Homeoffice wäre in vielen Jobs technisch kein Problem. Der entscheidende Faktor ist aber oft die Unternehmenskultur. Frauen sind doppelt benachteiligt, wie eine Studie zeigt.

Homeoffice: Frauen dürfen seltener
Nicolas Armer/ DPA

Homeoffice: Frauen dürfen seltener


Beim Homeoffice klaffen Angebot und Nachfrage auseinander: Laut einer Untersuchung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales eignen sich 40 Prozent der Jobs dafür, aber bei nur zwölf Prozent wird es praktiziert.

Andere Studien kommen zu abweichenden Zahlen, aber die Lücke bleibt. Warum ist sie so groß? Zwei Forscherinnen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben das untersucht und bieten neuen Stoff für die Diskussion über das Recht auf Homeoffice. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will es gesetzlich verankern, wie es etwa die Niederlande seit 2015 vormachen; die CDU lehnt das ab.

Kernbotschaft der Studie, die dem SPIEGEL vorab vorliegt: Frauen sind doppelt benachteiligt, wenn es um die Möglichkeit geht, zu Hause zu arbeiten. Weitaus mehr Frauen als Männer geben an, technisch sei Homeoffice zwar möglich, aber nicht erlaubt. Und wenn es erlaubt ist, machen es viele trotzdem nicht, weil sie weitaus eher als Männer berufliche Nachteile befürchten, wenn sie sich ins Homeoffice setzen - und das unabhängig vom Karrierelevel.

Für Männer sei die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, eher ein Karriereprivileg, so Yvonne Lott, die am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung forscht. "Frauen bekommen generell seltener Zugang zum Homeoffice", sagt Lott. Ihnen werde zudem eher pauschal unterstellt, dass sie sich zu Hause nebenbei um Kinder und Haushalt kümmerten, statt konzentriert zu arbeiten, so ihre Beobachtung.

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Der Untersuchung zufolge liegen die Gründe für die Ablehnung des Homeoffice vor allem in der jeweiligen Unternehmenskultur. Wenn Firmen eher auf Anwesenheit und Kontrollmöglichkeiten setzen, ist Homeoffice grundsätzlich negativ belastet.

Grundlage der Studie ist ein Datensatz des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der repräsentativ für Unternehmen ab 50 Beschäftigten ist. Befragt wurden 1800 Beschäftigte, die nicht von zu Hause aus arbeiten.

Der häufigste Grund: Die Arbeit von daheim passe nicht zum Job. Das sagen knapp 80 Prozent. Mehr als zwei Drittel sagen, die Anwesenheit am Arbeitsplatz sei dem Chef wichtig. Und insgesamt 60 Prozent meinen, Homeoffice sei technisch nicht möglich - und 14 Prozent, technisch sei es kein Problem, aber nicht erlaubt.

mh



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