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Der zweite Shutdown So bleiben Sie im Homeoffice motiviert

Es ist leicht, in negatives Denken zu verfallen, wenn man allein zu Hause arbeitet und kein Feedback bekommt. Drei Strategien können helfen, Ihre Motivation und Ihr Selbstvertrauen zu stärken.
Foto: Kniel Synnatzschke / plainpicture

Einige Menschen arbeiten seit Jahren im Homeoffice. Doch für viele war es zu Beginn der Corona-Pandemie eine ziemliche Umstellung, nicht mehr direkt neben ihren Kollegen und Vorgesetzten im Büro zu sitzen. Klar klingt es verlockend, den Arbeitstag in einer Jogginghose verbringen zu können oder mittags eine Runde zu laufen. Aber irgendwann überwiegen die Nachteile für Motivation, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl: Es fehlt, dass einem niemand mehr ein »Gut gemacht!« zuruft, es fehlen die ermunternden Worte der Kollegen in der Kaffeeküche. Es fehlt das Lächeln am Empfang, das einen auf dem Weg zum Aufzug begleitet.

Weniger Feedback, kaum Ermutigung und weniger zwischenmenschliche Interaktion fordern nicht nur einen emotionalen Tribut; sie können auch unsere Leistung beeinträchtigen. Viele Führungskräfte arbeiten daran, ihr Feedback für Kollegen im Homeoffice zu verbessern. Doch das reicht nicht: Wir alle müssen uns Selbstvertrauen und Motivation aufbauen, damit wir weiter vorankommen. Denn effektive Selbstmotivation unterscheidet besonders leistungsstarke Mitarbeiter von allen anderen.

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Foto: Jonas Zwierzynski / manager magazin

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Hier sind drei Strategien, mit denen Sie Ihre Motivation stärken können: 

1. Fordern Sie Ihr Negativdenken heraus 

Zwei Denkweisen kennzeichnen das Negativdenken: das Überschätzen von unwahrscheinlichen Wahrscheinlichkeiten und das Überschätzen verheerender Folgen. Wenn uns regelmäßiges Feedback fehlt, denken wir uns Geschichten aus, die unser Selbstvertrauen und unsere Selbstsicherheit untergraben. Das passiert schon in den besten Zeiten – und jetzt erst recht.

Wenn Sie anfangen zu denken: »Ich höre gar nichts mehr von meinem Chef... werde ich bald beurlaubt oder entlassen?«, dann müssen Sie sich selbst zu rationalerem Denken zwingen (auch wenn es theoretisch möglich wäre, beurlaubt oder entlassen zu werden). 

Der erste Schritt besteht darin, Ihr Negativdenken als das zu benennen, was es ist, und sich seine Auswirkungen vor Augen zu führen. Wenn Ihr Kopf anfängt, durch diese dunklen Gassen zu wandern, sagen Sie sich (laut, wenn es hilft): »Ich habe negative Gedanken und diese helfen mir überhaupt nicht weiter«. Oder: »Ich denke mir gerade eine schreckliche Geschichte aus, aber das ist alles, was es ist – eine Geschichte«. Oder: »Diese Gedanken machen mir Angst und ich kann sie ändern.«

Der zweite Schritt besteht darin, sich daran zu erinnern, dass Sie die Kraft haben, selbst mit dem schlimmsten Szenario umzugehen. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um alle inneren Ressourcen aufzulisten, die Ihnen zur Verfügung stehen: Ihre Belastbarkeit, Entschlossenheit, Ihr Sinn für Humor und so weiter. Dann denken Sie an Ihre Unterstützer: Ihre Familie, Ihre Freunde, Ihr Netzwerk – alle, auf die Sie sich verlassen können.

Der dritte Schritt besteht darin, in Ihrem Negativdenken den Kern der Wahrheit zu finden, der Ihrer wirklichen Aufmerksamkeit bedarf. Wenn Sie sich ständig Sorgen machen, dass Sie entlassen werden könnten, fragen Sie sich, woher die Angst kommt (zum Beispiel zu wenig Feedback). In »The Gift of Fear: Survival Signals That Protect Us from Violence« schreibt der Sicherheitsexperte Gavin de Becker, dass wir intuitiv spüren, wann wir in Gefahr sind – aber dass die ständige Angst uns nicht wirklich vor Gefahr schützt. Machen Sie einen konkreten Plan, um das, was Sie beunruhigt, anzugehen – oder lassen Sie es los.

2. Sehen Sie Ihr Umfeld

Laut Blake Ashforth, einem Experten für Identität an der Arizona State University, basiert unser Selbstverständnis weitgehend darauf, wie andere Menschen uns wahrnehmen. Gerade dieser Umstand macht weniger Feedback und fehlendes Lob für viele von uns so schwierig. Wenn wir nicht mehr gesagt bekommen: »Ich schätze Ihren kreativen Input sehr« oder gar »Ohne Sie hätten wir diesen Pitch nicht gewinnen können«, neigen wir dazu, uns zu fragen, wer wir sind und was wir der Firma überhaupt bringen. »Bin ich wirklich ein Teamplayer, wenn ich so wenig von meinem Team höre«, werden Sie vielleicht denken.

Für jeden Menschen, mit dem wir uns beschäftigen – ein Kollege, ein Chef, ein Freund, ein Kind – haben wir ein anderes Ich, das in der jeweiligen Situation auftaucht. Wie Ashforth schreibt: »Eine bestimmte Rolle ruft ein bestimmtes Selbst hervor, sodass das Individuum eigentlich ein Portfolio verschiedener Ichs ist.« Dieses Portfolio ermöglicht es uns, die Person zu sein, die wir in einem bestimmten Moment sein müssen. So fühlen wir uns besser und können schwierige Situationen leichter meistern. 

»Eine der Bewältigungsstrategien besteht darin, sich selbst als eine Person mit mehreren Identitäten zu sehen«, sagt der Autor und Wharton-Professor Adam Grant in seinem Podcast »WorkLife«. Auch wenn Sie von Ihrem Chef im Moment vielleicht noch nichts über Ihr »Teamplayer«-Selbst hören, können Sie Ihr Selbstvertrauen stärken, indem Sie über all die positiven, hilfreichen, unterstützenden »Ichs« nachdenken, die Sie für die Menschen um Sie herum sind. 

Denken Sie an mindestens fünf andere Menschen in Ihrem Leben, die Sie sehr schätzen. Schreiben Sie die Namen auf und wie diese Sie sehen – zum Beispiel: »Meine Kollegin Katrin sieht mich als zuverlässigen Berater«. Oder: »Mein Kunde Sam sieht mich als strategische Denkerin«. 

3. Rufen Sie Gutes in den Wald

In Robert B. Cialdinis zeitlosem Buch »Influence: The Psychology of Persuasion« zitiert er die »Reziprozität« oder auch Gegenseitigkeit als erstes Prinzip der Überzeugungskraft. Mit anderen Worten: Wir sind darauf ausgerichtet, andere Menschen so zu behandeln, wie sie uns behandelt haben. Das treibt uns dazu, Gefälligkeiten (oder Kränkungen) zu erwidern und andere gut (oder schlecht) zu behandeln. Das motiviert uns auch dazu, Schulden zurückzuzahlen (oder auch nicht – wenn es das ist, was die andere Person uns angetan hat). 

Wenn es darum geht, mehr positives Feedback, einen Schub an Cheerleading oder einfach mal nette, persönliche Nachrichten zu erhalten, ist es vielleicht am besten, dies zunächst selbst zu liefern. Wenden Sie sich jede Woche an einige Ihrer Kollegen, Vorgesetzten, direkten Mitarbeiter und sogar an Kunden und Lieferanten, um ihnen positives Feedback zu geben. Lassen Sie sie wissen, dass Sie an sie denken, sagen Sie ihnen, welchen positiven Einfluss sie haben und vielleicht sogar, dass Sie sie vermissen. Und dann bereiten Sie sich darauf vor, all das auch zurückzubekommen.

Während Sie darauf warten, dass das Lob zurückhallt, können Sie natürlich auch einfach direkt danach fragen. Sagen Sie Ihrem Vorgesetzten oder Teamkollegen: »Ich weiß, dass das hier gerade eine Extremsituation ist, aber ich möchte immer noch gern Ihr Feedback hören. Es ist mir jetzt besonders wichtig, da wir uns nicht mehr sehen. Können wir uns bei unserem nächsten Telefonat fünf bis zehn Minuten Zeit nehmen, um mir etwas Feedback zu geben?« (und seien Sie auch selbst darauf vorbereitet, Feedback zu geben). 

Denn was gerade jetzt wichtig ist, wo wir wieder in den Lockdown gehen: Mobiles Arbeiten kann dazu führen, dass wir einander physisch und emotional nicht mehr so nahe sind. Aber es muss nicht unser Selbstvertrauen und unser Selbstwertgefühl untergraben.  © HBR 2020