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Arbeiten nach Corona So stellen sich die Dax-Konzerne das "New Normal" vor

Seit Corona ist im Büro nichts mehr wie früher. Fast alle Unternehmen haben viele Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Wie wollen es die 30 größten Firmen in Deutschland damit in Zukunft halten? Wir haben nachgefragt.
Homeoffice: In vielen Konzernen das "New Normal"

Homeoffice: In vielen Konzernen das "New Normal"

Foto: mixetto/ Getty Images

Früher galt im Büro: Willst du was gelten, mach dich nicht selten - möglichst umfassende Präsenz vor Ort war unabdingbar für die Karriere und wurde auch von Führungskräften oft eingefordert. Das ist jetzt anders: Die meisten der größten deutschen Unternehmen haben in der Zeit des Corona-Lockdowns gute Erfahrungen mit mobilem Arbeiten gemacht. Wie sehr die Pandemie die Arbeitswelt für Büroangestellte langfristig verändern wird, zeigt eine SPIEGEL-Anfrage bei den 30 Dax-Unternehmen.

"Nach den insgesamt positiven Erfahrungen der vergangenen Monate steht für uns fest: Wir werden nach der Corona-Pandemie nicht zur alten Arbeitsweise zurückkehren." Dieses Fazit zieht ein Sprecher des Bayer-Konzerns - und liegt damit auf einer Linie mit den meisten anderen Konzernen. Wir wollten von den 30 größten deutschen Unternehmen, die im deutschen Aktienindex Dax gelistet sind, wissen: Wie gehen sie mit dem Thema Homeoffice um - und was hat sich im Vergleich zu früher geändert?

Dabei zeigt sich vor allem ein Trend: Negative Erfahrungen scheint es kaum zu geben, etliche Unternehmen berichten sogar von gesteigerter Produktivität ihrer Mitarbeitenden. Offenbar scheint sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass die physische Anwesenheit im Büro für das Geschäftsergebnis gar nicht entscheidend ist - Anfang des Jahres war das ein noch nicht allzu verbreitetes Konzept, jetzt ist es bereits das "New Normal".

"Eine Homeoffice-Obergrenze sieht unser Konzept nicht vor"

Fast alle Unternehmen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach mobilem Arbeiten weiter steigen wird. Allerdings glauben auch fast alle, dass die Zukunft hybriden Arbeitskonzepten gehört: Individuell zu gestaltenden Mischformen aus Büropräsenz und mobilem Arbeiten. Einige Konzerne stellen für letzteres sogar das Mobiliar - und etliche wollen ihren Bedarf an Büroflächen überdenken: Bayer will die räumliche Anpassung "proaktiv vorantreiben", auch die Deutsche Bank, die Telekom und die Allianz äußern Überlegungen in diese Richtung.

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"Die positiven Erfahrungen der letzten Wochen haben gezeigt, dass wir Homeoffice künftig noch häufiger einsetzen können", heißt es bei E.on, und RWE teilt mit: "Wir rechnen damit, dass sich der tägliche Anteil der Beschäftigten, die mobil arbeiten, auf einem höheren Niveau als vor Corona einpendeln wird. Das begrüßen wir, denn unsere Erfahrungen damit waren sehr positiv."

Siemens hatte bereits vor zwei Wochen angekündigt, die Homeoffice-Quote drastisch erhöhen zu wollen; im Konzern soll weltweit Standard werden, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiter an zwei bis drei Tagen pro Woche nicht mehr ins Büro oder ins Werk muss. "Wir haben gesehen, wie produktiv und effektiv das mobile Arbeiten sein kann. Da haben sich einige Vorurteile in Luft aufgelöst", so Jochen Wallisch, ein führender Personalmanager bei Siemens. Die Verkleinerung von Büroflächen sei allerdings nicht Treiber des Konzepts gewesen, so eine Sprecherin: "Es geht uns nicht darum, die Büros abzuschaffen, sondern aufgaben- und situationsspezifisch eine andere, selbstbestimmtere und flexiblere Kombination von Arbeitsorten zuzulassen."

Vor allem Konzerne, die schon länger Betriebsvereinbarungen zum Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten haben, zeigen sich aufgeschlossen, die Möglichkeiten dafür zu erweitern. Die meisten Unternehmen setzen auf eine möglichst gute Balance zwischen Büropräsenz und auswärtigem Arbeiten. "Eine feste Homeoffice-Quote oder -Obergrenze sieht unser Konzept ausdrücklich nicht vor", so etwa Bayer. Auch BMW sieht "einen intelligenten Mix aus Präsenz- und Mobilarbeit als Erfolgsfaktor".

Wie stellen sich die Konzerne das "New Normal" nach der Coronakrise vor? Hier der Überblick:

Homeoffice und mobiles Arbeiten: So halten es die Dax-Konzerne

Der deutsche Aktienindex Dax umfasst die 30 größten Unternehmen Deutschlands. Hier ist ein Überblick, wie diese Konzerne es mit mobilem Arbeiten halten - und was sich seit der Coronakrise geändert hat.

Der deutsche Aktienindex Dax umfasst die 30 größten Unternehmen Deutschlands. Hier ist ein Überblick, wie diese Konzerne es mit mobilem Arbeiten halten - und was sich seit der Coronakrise geändert hat.

Foto: Daniel Naupold/ picture alliance / dpa

Die meisten Konzerne setzen dabei ausdrücklich auf mobiles Arbeiten - denn auch wenn sich der Begriff Homeoffice flächendeckend etabliert hat, gibt es arbeitsrechtlich Unterschiede: Bei der Telearbeit (Homeoffice) stellt der Arbeitgeber Mobiliar und Ausstattung, und es werden feste Zeiten vereinbart - außerdem gilt in diesem Fall auch für den Arbeitsplatz im eigenen Zuhause die Arbeitsstättenverordnung, die Näheres über die Gestaltung regelt. Der Küchentisch ist hier also keine Option.

Anders beim mobilen Arbeiten, bei dem die Verordnung nicht greift - und die oft mit Instrumenten wie der Vertrauensarbeitszeit gekoppelt wird, sodass der oder die Angestellte Ort und Zeit der Tätigkeit in einem vorgegebenen Rahmen frei wählen kann. Dabei wird, so die Vermutung, auch das Büro weiterhin eine tragende Rolle spielen: "Trotz der freien Wahl des Arbeitsortes gibt es sehr viele Mitarbeiter, die das Arbeiten im Büro bevorzugen aufgrund des persönlichen Austauschs mit den Kollegen", heißt es etwa bei Continental.