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Arbeiten in der Coronakrise Weniger Stress, mehr Produktivität

Für viele Unternehmen ist Homeoffice das "new normal". Eine neue Studie zeigt: Das Arbeiten zu Hause ist gut für die Firma und die Arbeitnehmer. Doch zwei Faktoren bleiben dabei auf der Strecke.
Homeoffice mit Kind ist nicht ganz so entspannt, aber insgesamt produktiver

Homeoffice mit Kind ist nicht ganz so entspannt, aber insgesamt produktiver

Foto: MoMo Productions/ Getty Images

Für viele Arbeitnehmer war der coronabedingte Wechsel ins Homeoffice eine insgesamt positive Erfahrung. Das zeigt eine Studie der Krankenkasse DAK. Der Stresslevel der Befragten sank, während die Produktivität stieg - und mehr Zeit für die Familie da war.

Die Forschungsinstitute IGES und Forsa hatten für die DAK-Studie vor und während der Pandemie jeweils rund 7000 Beschäftigte befragt. Von denjenigen, die mittlerweile regelmäßig zu Hause arbeiten, sagten 56 Prozent, sie seien dort produktiver als im Büro. Eine andere Studie, die die mhplus-Krankenkasse und die SDK Süddeutsche Krankenversicherung bereits im April mit rund 1500 Arbeitnehmern durchgeführt hatten, war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Von denjenigen, die erst seit der Coronakrise im Homeoffice saßen, empfanden 60 Prozent ihre Produktivität als höher im Vergleich zur Tätigkeit im Büro. Bei denen, die schon länger so arbeiteten, waren es allerdings nur 44 Prozent.

Zwei Drittel der DAK-Studienteilnehmer erklärten, sie könnten Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Ähnlich viele freuen sich über den Zeitgewinn, seit das Pendeln zum Arbeitsplatz weggefallen ist. Fühlten sich vor der Pandemie insgesamt 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst, waren es während der Coronakrise nur 15 Prozent. Der Anteil der Erwerbstätigen, die nie oder nur gelegentlich gestresst waren, stieg unterdessen von 48 auf 57 Prozent. Eine Studie der Universität Bamberg  hatte allerdings im April herausgefunden, dass während der Coronakrise zwei Drittel der Eltern bedingt durch die Schließungen von Kitas und Schulen nach eigenen Angaben oft am Ende ihrer Kräfte waren und noch mehr sich häufig gestresst fühlten.

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Trennung zwischen Job und Privatleben fehlt

Allerdings vermisste fast jeder Zweite die klare Trennung zwischen Job und Privatleben. Bei den 18- bis 29-Jährigen bemängelt das sogar eine Mehrheit von 52 Prozent. Drei Viertel der Befragten fehlt zudem der direkte Kontakt zu den Kollegen.

Offenbar scheinen dennoch die Vorteile zu überwiegen. 76,9 Prozent der Beschäftigten, die erst seit der Coronakrise regelmäßig in der eigenen Wohnung arbeiten, möchten diese Arbeitsform auch in Zukunft - zumindest teilweise - beibehalten.

Das zeigte auch die Studie der mhplus-Krankenkasse und der SDK Süddeutschen Krankenversicherung: 65 Prozent der im Homeoffice Tätigen arbeitete der Befragung zufolge lieber dort als im Büro. Dabei waren diejenigen zufriedener, die schon Homeoffice-Erfahrung hatten: 72 Prozent derer, die schon vor der Pandemie zu Hause arbeiteten, finden Homeoffice besser als Büro - bei den Neulingen waren es nur 54 Prozent. Vor allem kreative Aufgaben fielen den Befragten zu Hause leichter als im Büro, ebenso wie planerische.

Allerdings befürchteten auch 41 Prozent der Homeoffice-Nutzer, dass die Arbeitsform sich nachteilig auf die Karriere auswirken könne. In der heimischen Küche kann man schließlich schlecht Firmennetzwerke pflegen, anders als in der Kaffeeküche im Büro.

Sollten allerdings immer mehr Unternehmen Homeoffice als neue Normalität annehmen und auch Führungskräfte verstärkt von zu Hause aus tätig sein, könnte sich das auch auf die Akzeptanz der Arbeitsform auswirken; so hatte jüngst der Konzern Siemens angekündigt, mobiles Arbeiten drastisch auszuweiten und für mehr als die Hälfte der Belegschaft die Präsenzpflicht quasi abzuschaffen. Laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) will mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland  Homeoffice dauerhaft stärker etablieren. 

mh/dpa
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