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06. September 2016, 14:50 Uhr

Vermeintliche Horror-Berufe

Ich putze Klos und mag meinen Job

Auf Facebook kursieren viele Listen mit "Jobs, die schlimmer sind als deiner". Fast immer dabei: Toiletten reinigen, Straßen kehren, Kanäle sanieren. Drei Männer erzählen, wie sie ihre Arbeit finden.

"Du denkst, du hast einen schlimmen Job? Schau dir die hier mal an, dann wirst du dankbar sein." In den sozialen Medien kursieren Dutzende Listen mit "Jobs, die schlimmer sind als deiner". Die Idee dahinter: Wer sich bewusst macht, welch furchtbare Arbeiten andere Menschen jeden Tag erledigen, fühlt sich selbst gleich viel besser.

Auf den Listen der Horrorberufe immer unter den Top Ten: Kanalarbeiter, Toilettenreiniger und Straßenkehrer. Aber was sagen eigentlich die Betroffenen dazu? Wir haben nachgefragt.

Der Toilettenreiniger: "Die Stimmung vor den Klos ist geil"

"'Ihr putzt Klos, und das in eurer Freizeit? Was ist denn jetzt bei euch los?!' So hat meine Mutter reagiert, als sie erfahren hat, dass mein Bruder und ich auf Festivals Toiletten reinigen. Dabei macht die Arbeit sehr viel Spaß. Das Team ist cool, die Stimmung vor den Klos ist geil, bei uns läuft immer Musik, es gibt was zu lesen und Brettspiele.

Unsere Toilettenkabinen sind komfortabler als Dixi-Klos. Sie sind immer mit Toilettenpapier, Lektüre und Licht ausgestattet und funktionieren ohne Chemie. Nachdem man die Toilette benutzt hat, kippt man einen Becher Sägespäne ins Klo, so entsteht erst gar kein übler Geruch. Wenn richtig viel los ist, kann es natürlich trotzdem mal vorkommen, dass es nicht so gut riecht. Aber selbst dann riecht es eher wie im Hamsterkäfig und stinkt nicht wirklich.

Zu dem Job gekommen bin ich über meinen Bruder. Seither bin ich auf vier bis fünf Festivals pro Jahr und sorge dafür, dass die Toiletten sauber sind. Jeder Gang kostet zwei Euro. Dafür wischen wir nach jedem Benutzer schnell durch und putzen morgens und abends gründlich. Eigentlich ist es aber immer ordentlich - die Leute schätzen unsere Toiletten. Beim letzten Hurricane Festival kam der Dixi-Wagen wegen des Schlamms nicht mehr zum Entleeren der Dixis durch, da waren die Besucher auf unsere Komposttoiletten sogar angewiesen."

Der Kehrmaschinenfahrer: "Die Arbeit macht mir Spaß"

"Früher war ich Straßenkehrer, dann habe ich bei der Müllabfuhr gearbeitet. Regen, Kälte, ich war immer draußen. Ich bin froh, dass ich jetzt eine Kehrmaschine fahre. Die Arbeit macht mir Spaß, und ich muss viel beachten: den Verkehr, die parkenden Autos, manchmal sind die Straßen sehr eng. Die Besenanlage fährt an der Seite der Kehrmaschine etwa einen halben Meter raus. Wenn man damit hängenbleibt, kann man großen Schaden anrichten. In der ersten Zeit habe ich deshalb oft geschwitzt, aber jetzt habe ich Routine.

Es gibt Fahrer, die den Job nach einem Monat hingeschmissen haben. Wenn hinten ein Pkw hupt und noch einer entgegenkommt, muss man gelassen bleiben.

Ich mag die Arbeit, weil viele Menschen dankbar sind, dass ich die Straßen sauber halte. Wenn ich vorbeifahre, winken manche, und Kinder bleiben stehen und gucken fasziniert. Dann versuche ich zu zeigen, was meine Maschine alles kann und mache zum Beispiel die Wasserdüsen an.

Ich fahre seit Jahren ein festes Revier. Zu den Feiertagen bekomme ich schon mal Schokolade oder Karten als Dankeschön geschenkt. Manchmal parken Anwohner extra woanders, weil sie schon wissen, wann ich komme. Die Arbeit ändert sich außerdem mit den Jahreszeiten: Im Winter bauen wir die Maschinen zu Streufahrzeugen um. Und im Herbst saugen wir Laub weg. Da müssen wir vorsichtig sein, weil die Saugrohre auch kleine Tiere verschlucken könnten. Aber das ist mir zum Glück noch nie passiert."

Der Kanalreiniger: "Den Dreck halte ich mir mit Robotern vom Leib"

"Kanalarbeiter rühren in der Scheiße - das scheinen viele Leute zu glauben. Die wenigsten wissen, dass es bei meiner Arbeit sauber zugeht und nur selten stinkt. Den Dreck halte ich mir nämlich mit Robotern vom Leib. Sie erledigen die Arbeit in den Rohren und Kanälen. Ich bleibe über der Erde und steuere Kameras und Maschinen. Das ist technisch anspruchsvoll und abwechslungsreich.

Ich komme mit vielen Menschen in Kontakt: von der Oma, deren Gebiss in die Toilette gefallen ist, bis zum Promi, der einen Kanalbruch im Vorgarten seiner Villa hat. Auch deshalb liebe ich den Job.

Früher habe ich für eine andere Firma Kanäle gereinigt, die so groß waren, dass man mit Schiffen hätte durchfahren können. In die Kanäle hinein muss man nur, wenn die Maschinen nicht allen Dreck entfernen können. Stinken tut es auch dort unten fast nie. Allerdings findet man da wirklich alles. Sogar eine Leiche habe ich entdeckt, von der nur noch das Skelett übrig war."

Aufgezeichnet von Heike Klovert, Louisa Schmidt und Lisa Kutteruf.

Und was erleben Rosenverkäufer oder Tatortreiniger bei der Arbeit? Hier geht es zu den Porträts:

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