In Kooperation mit

Job & Karriere

Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Hilfe, ich bin im falschen Job!

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Was tun, wenn man mit fast 40 merkt, dass man einen ganz anderen Beruf hätte ergreifen sollen? Unser Karrierecoach weiß Rat für eine Rechtsanwältin, die keine mehr sein will.
Festgefahren im falschen Job: Es gibt Wege aus der gefühlten Sackgasse

Festgefahren im falschen Job: Es gibt Wege aus der gefühlten Sackgasse

Foto: Zak Kendal / Cultura RF / Getty Images

Andrea, 38 Jahre, fragt: "Meine Eltern hatten früher eine Anwaltskanzlei, und für uns alle war klar, dass auch ich Jura studiere. Doch bereits im ersten Semester habe ich bemerkt, dass mir das keinen Spaß macht. Ich habe mich dennoch durch das Studium gequält und die vergangenen Jahre in einer Wirtschaftskanzlei gearbeitet. Ich fühle mich in meinem Job komplett falsch, bin mit den Kollegen nicht auf einer Wellenlänge und wünschte, ich hätte mich damals für ein anderes Studium entschieden. Wie schaffe ich es aus dieser Sackgasse heraus?"

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Liebe Andrea,

Hut ab, dass Sie das Jurastudium dennoch durchgezogen haben. Sie sind nicht allein mit dem Gefühl, sich nach dem Abitur für ein falsches Studium entschieden zu haben und dieser Wahl die Schuld für die heutige Unzufriedenheit im Beruf zuzuschreiben.

Der Lösung ist das Problem egal, heißt es im Coaching. Auch wenn Sie sich wünschen, sich damals anders entschieden zu haben, so ist es jetzt wichtig, Ihren Blick nach vorne zu richten. Vielleicht ist es ein erster Schritt, Ihr Bild der Sackgasse gegen einen Kreisverkehr zu ersetzen, in dem Sie sich zwar in den letzten Jahren schwindelig festgefahren haben, von dem jedoch auch viele Straßen abführen - auch wenn Sie deren Richtungen und Ziele noch nicht erkennen können.

Mit den folgenden fünf Fragen werden Sie herausfinden, welche "Ausfahrten" Sie auf einen neuen Weg führen können:

1. Was macht Ihr Erfahrungswissen aus?

Ihr Fachwissen aus dem Jurastudium ist das eine, das Sie in einen Beruf einbringen. Möchten Sie in Zukunft weniger oder gar nicht mehr an juristischen Themen arbeiten, dann verliert dieses Fachwissen für einen neuen Job logischerweise an Wert. Doch mit zunehmender Berufserfahrung rückt unser erlerntes Fachwissen immer mehr in den Hintergrund und wird durch wertvolles Erfahrungswissen überstrahlt. Was haben Sie in den letzten Jahren in der Kanzlei (und im Leben) alles erfahren? Ich vermute, Sie haben Einblicke in diverse Unternehmen und Branchen erhalten, Entscheidungen getroffen, schwierige Konflikte mit Kunden oder Kollegen geklärt, Erfahrungen in Projekten gesammelt, sich auf unterschiedlichen Hierarchieebenen bewegt sowie verschiedene Führungsstile erlebt. Ihr Erfahrungswissen ist all jenes, das Sie heute mit 38 Jahren von der jungen Uni-Absolventin unterscheidet - und ich bin mir sicher, da kommt eine Menge zusammen.

Podcast Cover
__proto_kicker__

2. Worauf hätten Sie mal so richtig Lust?

Wenn Sie jetzt schon über Ihren nächsten Schritt im Beruf entscheiden könnten, gibt es dann etwas, bei dem Sie echte Leidenschaft verspüren - wie auch immer der Weg dorthin aussehen könnte? Gibt es Branchen, Arbeitgeber, Produkte oder Themen, die Sie interessieren? Setzen Sie Ihre Brille als Juristin ab und erlauben Sie sich, Ihren Traumjob nach Lust und Laune auszumalen. Was sind Ihre Aufgaben, wie sieht Ihr Alltag aus, wie ticken Chef und Kollegen, und woran wird Ihr Erfolg gemessen? Womöglich entstehen hier Ideen, die sich gerade noch nach Traum anfühlen, jedoch schon bald realistischer werden, als Sie denken.

3. Mit wem haben Sie bisher am Tisch gesessen?

Oft reicht es für mehr Erfüllung im Beruf auch aus, die Seite zu wechseln. In Ihrem Fall vielleicht von der Kanzlei zum Mandanten ins Unternehmen, in eine Beratung oder die Versicherungs- oder Finanzbranche. Überlegen Sie, mit wem Sie in den letzten Jahren in Ihrer Rolle als Juristin alles an einem Tisch gesessen haben. Was waren es für Kunden oder Kooperationspartner und aus welchen Unternehmen? Die Chance ist hoch, dass Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen auch dort gefragt sind.

4. Welches Arbeitsumfeld passt zu Ihnen?

Meist ist es nicht der Job selbst, sondern das neue Arbeitsumfeld, das erfüllt, was uns im Beruf wirklich wichtig ist. Suchen Sie nicht nur nach Jobs, sondern finden Sie Arbeitgeber. Mit einer Unternehmens- und Führungskultur sowie Kollegen, die gut zu Ihnen und Ihren Wertevorstellungen passen.

5. Was kann ein erster nächster Schritt sein?

Jetzt ist es entscheidend, ins Handeln zu kommen. Denken Sie Ihre Möglichkeiten weiter, recherchieren Sie interessante Arbeitgeber und schauen Sie sich dort nach Positionen um. Treffen Sie sich mit Menschen aus Ihren Netzwerken und tauschen Sie sich aus. Je kreativer und neugieriger Sie nach spannenden Wegen aus Ihrem "Kreisverkehr" hinaus Ausschau halten, umso stärker werden Sie das Gefühl dafür entwickeln, was ein sinnvoller und am Ende auch realistisch nächster Schritt hin zu einem erfüllenden Beruf für Sie ist.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.