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Von Beruf Illusionsmaler: Aus Wand mach Dschungel

Foto: dapd

Illusionsmaler Ich glaub, ich steh im Urwald

Monate braucht Uwe Thürnau für ein Bild - und wenn es fertig ist, schmückt es nur den Hintergrund. Im Zoo malt er den Dschungel, auf den die Tiere verzichten müssen. Wenn sein Werk gelingt, ist das Gorillas oder Krokodilen total egal. Aber die Menschen freut's.

Uwe Thürnau braucht Abstand, um seine Arbeit begutachten zu können. Aus 20 Metern Entfernung schaut er sich seinen Dschungel an, dann stellt er fest: "Die Kontraste stimmen noch nicht, da muss mehr Licht und Schatten rein."

Thürnau, 60, ist ein sogenannter Illusionsmaler. Er selbst findet den Ausdruck furchtbar, weil er nach Zauberei klingt - und Illusionsmalerei ein ehrliches Handwerk ist. Er nennt sich lieber Wildlife Artist oder Naturmaler, das sagt mehr über seinen Beruf aus. Thürnau malt Wandbilder in Zoologischen Gärten. Seit Wochen arbeitet er mit vier Malern an der Innengestaltung des Rostocker Darwineums, eines riesigen Menschenaffenhauses, das im Spätherbst eröffnet werden soll.

"Meine Malerei ist nur der Hintergrund, er soll nicht ablenken von den Tieren", sagt Thürnau. Jeden Pinselstrich führt er dennoch mit einer an Pedanterie grenzenden Sorgfalt aus. Thürnau studierte Grafik und Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin, 1974 fing er als Schriftenmaler im Berliner Zoo an: "Da lebten die Tiere fast alle in Betonkäfigen mit dicken Gitterstäben davor."

Erst allmählich setzte sich die Idee durch, dass das Ambiente in den Gehegen der jeweiligen natürlichen Umgebung nachempfunden werden könnte. Thürnaus erste Arbeit war ein Krokodilbecken. Es folgten immer größere Aufträge, auch für Dioramen, Schaukästen mit dreidimensionalen Landschaftsteilen wie zum Beispiel Kunstfelsen.

Tiere malt er am liebsten, aber die würden nur ablenken

Die Arbeit am Rostocker Darwineum ist auch für Thürnau eine Herausforderung. In der 5000 Quadratmeter großen Halle sollen künftig Gorillas und Orang-Utans eine neue Heimat finden. Es gibt keine Gitter, sondern Aussichtsplattformen und Glasfronten, die Besuchern Blicke auf die Tiere gestatten. Die Betonhülle steht, jetzt wird unter Thürnaus Aufsicht verkleidet, dekoriert und gemalt.

Die beiden Giebelwände sind schon fast fertig. Wie früher die alten Meister hat Thürnau die Wände in Gitterkreuze aufgeteilt und seinen Entwurf mit Kohle detailgetreu übertragen, gemalt wird mit Fassadenfarbe. Für den Besucher soll der Urwald kilometerweit ins Hinterland reichen.

"Ich male am liebsten Tiere, Raubkatzen vor allem, aber hier würden sie nur ablenken", sagt Thürnau. "Da hätte man schnell die Grenze zum Kitsch überschritten." Nur ein bunter Vogel darf auf einem umgestürzten Baum sitzen.

Die nächsten Schritte: "In den Seitenwänden verschwindet die ganze Haustechnik, dann schweißen wir ein Stahlgerüst und formen die Außenhaut mit Spritzbeton." Zum Schluss wird mit Steinen und Wurzeln eine Landschaft gestaltet. Thürnau hat ein Modell der fertigen Halle in seinem Bauwagen gebastelt. Die Wandgemälde verbinden sich nahtlos mit den davor aufgestellten Bäumen und Büschen. "Genau so soll es sein."

Das Team ist nicht nur für die Innen-, sondern auch die Außengestaltung der 8000 Quadratmeter großen Anlage zuständig. Dafür werden Thürnau und seine deutschen und italienischen Kollegen wohl bis zum Sommer in Rostock bleiben. "Es ist eine schöne Arbeit, aber man muss sich auch klar machen: Für die Tiere ist so ein Wandbild völlig unerheblich", sagt Uwe Thürnau.

dapd/vet
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