In Kooperation mit

Job & Karriere

Arbeit weltweit Immer weniger Menschen haben einen festen Job

Nur ein Viertel der Arbeitskräfte weltweit ist angestellt und bezieht ein festes Gehalt. Die Internationale Arbeitsorganisation warnt vor zunehmender Unsicherheit, auch in Deutschland.
Privat, prekär, unterbezahlt: Eine Anstellung ist weltweit eher Ausnahme als Regel

Privat, prekär, unterbezahlt: Eine Anstellung ist weltweit eher Ausnahme als Regel

Foto: Ralf Hirschberger/ picture alliance / dpa

Drei Viertel der Arbeitskräfte in 180 Ländern haben nur befristete oder Zeitverträge, informelle Jobs ohne Vertrag oder gehen einer unbezahlten Beschäftigung in ihren Familien nach. Das geht aus dem Jahresbericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervor, der am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde.

ILO-Generaldirektor Guy Ryder kritisierte "die Unsicherheit, die die Arbeiter in der Welt heute trifft". Das Verhältnis stellt sich besonders drastisch dar, weil die ILO Familienarbeit und typische Haushaltstätigkeiten der Erwerbsarbeit gleichstellt; in vielen anderen Studien dieser Art wird ausschließlich Erwerbsarbeit herangezogen.

Doch selbst, wenn man nur die Menschen betrachtet, die für ihre Arbeit bezahlt werden, ist die Unsicherheit groß. Laut ILO haben davon weltweit nur 42 Prozent einen unbefristeten Vertrag. Zudem seien im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Lohnunterschiede zwischen ständigen und temporär Beschäftigten stark gestiegen.

Teufelskreis aus schwacher Nachfrage und langsamem Jobaufbau

Sichere Arbeitsverhältnisse gibt es vor allem in den entwickelten Wirtschaftsnationen. Dort sind etwa acht von zehn Arbeitnehmern Angestellte. In Südasien und in Afrika südlich der Sahara seien es hingegen etwa zwei von zehn. Die übrigen arbeiteten auf eigene Rechnung oder innerhalb ihrer Familie.

Unsichere Arbeitsverhältnisse gingen vielfach mit einer "Zunahme von Ungleichheiten und Armut" einher, sagt ILO-Chef Ryder. Seine Organisation fordert die Regierungen in aller Welt auf, Arbeitskräfte besser gegen Willkür und ungerechte Behandlung zu schützen. Ohne staatliches Gegensteuern werde sich ein "Teufelskreis aus schwacher globaler Nachfrage und langsamem Jobaufbau der Nachkrisenzeit verstetigen", warnen ILO-Fachleute.

Dies gelte auch für Europa, wo der Schutz der Arbeitnehmer seit der Finanzkrise im Jahr 2008 grundsätzlich zurückgefahren worden sei. Die Krise habe zu einem starken Anstieg der Teilzeitarbeit geführt, insbesondere bei Frauen.

Kritik an deutschen Minijobs

Dies und Beschäftigungsformen wie Minijobs in Deutschland oder Verträge auf Abruf in den Niederlanden bedeuteten, dass die Regierungen überlegen müssten, wie auch Menschen ohne Vollzeitstelle mehr Einkommenssicherheit bekämen, so Ryder.

Es sei aber auch notwendig, grundsätzliche Fragen nach einem Wandel der Arbeit zu stellen. Möglicherweise könne soziale Gerechtigkeit in Zukunft nicht mehr durch unbefristete Verträge und eine Arbeit von 9 bis 17 Uhr wie in früheren Generationen sichergestellt werden, sagt Ryder.

Eine positive Entwicklung stellt die ILO bei Arbeitskräften fest, die unter der Armutsgrenze leben. Hätten vor 20 Jahren noch die Hälfte der Arbeitskräfte weltweit weniger als zwei Dollar (1,76 Euro) pro Tag verdient, habe dies 2014 nur noch auf ein Viertel zugetroffen. Zehn Prozent der Arbeitskräfte müssten allerdings mit Tageslöhnen unter 1,25 Dollar auskommen.

mamk/afp/rtr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.