Im Motivationsloch Jeder fünfte Mitarbeiter fühlt sich fehl am Platz

Passen Job und Kompetenzen nicht zusammen, leiden alle - die Firma, vor allem die Angestellten. 22 Prozent der Mitarbeiter sind mit der Gesamtsituation unzufrieden, zeigt eine neue Studie. Wonach manche sich sehnen, das kennen andere im Übermaß: langweilige Routineaufgaben.

Corbis

Rund jeder fünfte Erwerbstätige hält sich für nicht richtig eingesetzt in seinem Beruf. Elf Prozent fühlen sich unterfordert, ebenso viele überfordert. Das zeigt eine neue Umfrage der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW), die für ihre Studie zum "Kompetenz- und Talentmanagement" im August gut 1000 deutsche Erwerbstätige befragen ließ.

In der Gruppe der Unterforderten klagte die Mehrheit über zu anspruchslose Aufgaben. Fast die Hälfte würde sich mehr Verantwortung wünschen, 37 Prozent mehr Abwechslung. Exakt nach dem Gegenteil sehnt sich in der Forsa-Umfrage jeder dritte überforderte Mitarbeiter - nach mehr Routine. Ein weiteres Drittel würde gern Verantwortung abgeben, und 73 Prozent leiden unter ihrem hohen Arbeitspensum.

Wenn jetzt einfach die Überforderten Verantwortung und lästige Routine von ihren Schultern nehmen und bei den Unterforderten abladen würden... So einfach geht es auch wieder nicht im Arbeitsalltag. Klar ist aber: Die Mitarbeiter richtig einzusetzen, nämlich entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihres Elans, ist ebenso Chefsache wie die Motivation. Schaffen sie das nicht, "verschwenden Unternehmen Potenzial", sagt DUW-Präsidentin Ada Pellert. "Gerade junge Arbeitskräfte brauchen Herausforderungen, um ihre Talente zu verwirklichen."

Wenn die Abwärtsspirale droht

In vielen Unternehmen heißen der Umfrage zufolge die hässlichen Geschwister im Arbeitsalltag Burnout, das allmähliche Ausbrennen mit oft schlimmen Folgen, und Boreout, die Motivations-Vernichtung durch Ödnis und Abstumpfung. Oder manchmal gar, auch das gibt es, durch die gezielte Abschiebung in die Beschäftigungslosigkeit, in "Sterbezimmer". "Wer sich im Job langweilt, traut sich bald auch weniger zu und verliert tatsächlich Kompetenzen", warnt Pellert, "gegen diese Abwärtsspirale müssen Unternehmen und Mitarbeiter rechtzeitig aktiv werden."

22 Prozent der Mitarbeiter sind mit der Gesamtsituation unzufrieden, von ihnen hat sich ein Drittel damit schon abgefunden. Die meisten aber wollen an sich selbst oder der unschönen Job-Lage etwas ändern, etwa durch Weiterbildung oder Gespräche mit den Vorgesetzten. Knapp jeder fünfte aus der Gruppe der Unzufriedenen sinniert über den Absprung und will sich einen anderen Arbeitgeber suchen.

Die Weiterbildungs-Uni hat auch Personalverantwortliche gefragt, was sie dafür tun, ihre Angestellten an den richtigen Platz und klug einzusetzen, damit sie nicht nur Dienst nach Vorschrift leisten. Und entweder innerlich kündigen oder das Unternehmen tatsächlich verlassen. "Nicht zu unterschätzen ist die Multiplikatorwirkung der eigenen Mitarbeiter, die oft auch eine Botschafterfunktion in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis übernehmen und bei positiven WÉrfahrungen für ihr Unternehmen werben", so Katharina Beyling-Vaubel, Personalerin bei BASF.

Für besonders wichtig hält Stephan Limpächer von der Daimler AG die Möglichkeit, eigene Impulse in die Arbeit einbringen zu können: "Wer erlebt, dass eigene Ideen realisiert werden, identifiziert sich stärker mit seiner eigenen Arbeit und hat mehr Freude daran."

jol

insgesamt 11 Beiträge
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Alexander Berg 15.09.2011
1. Burnout Syndrom
Während die Mehrheit die Lösung in der Behandlung sucht: ca. 10. Mio an Burnout Erkrankte (Fuldaer Zeitung), macht sich kaum jemand über die eigentlichen Ursachen Gedanken. Diese finden sich, anders als die Mehrheit annimmt, in der Überfrachtung vorhandener Organisationstrukturen, die sich der Mensch selbst schuf. Die Lösung findet sich in der zeitgemäßen Anpassung nach dem ganzheitlich/systemischen Ansatz. Auf diese Weise erkennt man die Systemgesamtzusammenhänge, findet die Ursachen und löst diese auf, einschließlich der bestehenden, krankmachenden Komplexität. Mehrheitlich wahrgenommene Symptome lösen sich auf, nebenbei entwickelt das Unternehmen eine neue Form der Effizienz, Unternehmer und Mitarbeiter haben das Gefühl, nach einem langen Leiden wieder ins Leben zurückzukehren.
marypastor 15.09.2011
2. Wenn ein Angestellter
Zitat von sysopPassen Job und Kompetenzen nicht zusammen, leiden alle - die Firma, vor allem die Angestellten. 22 Prozent der Mitarbeiter sind mit der Gesamtsituation unzufrieden, zeigt eine neue Studie. Wonach manche sich sehnen, das kennen andere im Übermaß: langweilige Routineaufgaben. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,786474,00.html
mit seinem Job nicht zufrieden ist kann er ja gehen und was anderes suchen. Wenn aber meint, er findet nichts, sollte er schleunigst seine Einstellung aendern.
mactor, 15.09.2011
3. Denke ich nicht.
Zitat von marypastormit seinem Job nicht zufrieden ist kann er ja gehen und was anderes suchen. Wenn aber meint, er findet nichts, sollte er schleunigst seine Einstellung aendern.
Warum? Wenn man langjährig wo ist und gutes Geld verdient macht man halt nur noch auf Routine. Ausgebrannt würde für mich nicht in Frage kommen dazu lasse ich das alles nicht nahe genug an mich ran aber ein "Motivationsloch" kenne ich. Ist aber kein Problem. Macht man halt "Dienst nach Vorschrift" sozusagen. Aber eben nicht mehr. Selbst kündigen würde ich nie ohne was anderes. Damit würde ich ja mich bestrafen und nicht "die Schuldigen"...
Löber 15.09.2011
4. Im Motivationsloch: Jeder fünfte Mitarbeiter fühlt sich fehl am Platz Auf Thema antwo
Zitat von marypastormit seinem Job nicht zufrieden ist kann er ja gehen und was anderes suchen. Wenn aber meint, er findet nichts, sollte er schleunigst seine Einstellung aendern.
Schon einmal gekündigt und lange Zeit arbeitslos gewesen? Wer heute kündigt weiss nicht ob er morgen schon einen neuen Job hat. Ich weiss nicht in welcher Welt Sie leben, aber in der Welt in der ich lebe liegen die Jobs nicht so einfach auf der Straße rum! Da überlegt sich mancher Arbeitnehmer zu kündigen. Das ist die Realität! Das mit der Einstellung ändern ist auch nicht so einfach. Wie wäre es denn wenn die Arbeitgeber IHRE Einstellung ändern würden? Das wäre für alle der bessere Weg!
kezia_BT 16.09.2011
5. Jobs sind zum Geldverdienen da, zu sonst nichts!
Zitat von marypastormit seinem Job nicht zufrieden ist kann er ja gehen und was anderes suchen. Wenn aber meint, er findet nichts, sollte er schleunigst seine Einstellung aendern.
Wenn man weiß, daß was anderes nicht zu finden ist, und schon gar nicht zu denselben Konditionen, dann muß man den Tag halt durchhocken und sehen, daß man noch genug Zeit und Energie fürs wirkliche Leben aufspart. 40 Stunden Maloche sind einfach zuviel, Punkt.
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