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Medizinisches Pflegepersonal »Die Mehrheit würde sich lieber heute als morgen impfen lassen«

Die Impfbereitschaft reicht von Begeisterung bis Verweigerung. Rolf Dubb bildet Intensivpfleger aus und sagt: Je besser sich die Kollegen mit Medizin auskennen, desto eher wollen sie den Schutz vor Corona.
Ein Interview von Matthias Kaufmann
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Matthias Bein / picture alliance / dpa

Zur Person
Foto: Dominik Wörner

Rolf Dubb, 62, leitet den Bereich Weiterbildung der Akademie der Kreiskliniken Reutlingen und deren Simulationszentrum für Medizin und Pflege, in dem Ärzte, Pflegekräfte und Rettungsdienstmitarbeiter für Notsituationen trainiert werden. Dubb gibt unter anderem Kurse zur Weiterqualifizierung als Notfall- und Intensivpfleger.

SPIEGEL: Herr Dubb, Sie bilden medizinisches Pflegepersonal weiter. Muss man auch bei Ihnen die Mitarbeiter mit Eierlikör auf die Impfung aufmerksam machen?

Dubb: Nein, die Mehrheit der Kollegen aus der medizinischen Pflege würde sich lieber heute als morgen impfen lassen. An unserer Klinik haben wir keine Probleme, die Plätze der Impfangebote zu füllen, da ist eher die Verfügbarkeit von Impfstoff der begrenzende Faktor. Ich kenne Kollegen, die sich deshalb privat um einen Impftermin bemühen.

SPIEGEL: Bei ambulanten Diensten und in der Seniorenpflege sah das vor allem noch im November oder Dezember anders aus. Viele Pflegende in diesen Bereichen reagierten zunächst skeptisch, darauf haben manche Arbeitgeber mit Kündigungen, andere mit Anreizen reagiert, etwa mit Eierlikör.

Dubb: Ich finde es gut, wenn Vorgesetzte kreativ werden, um das Gespräch über die Impfung zu fördern. Bei dem Pflegeanbieter, von dem Sie sprechen, war das ja verbunden mit Informationsveranstaltungen, die wichtig für eine wohlüberlegte Entscheidung sind. Allerdings wäre das bei uns nicht nötig.

SPIEGEL: Warum nicht?

Dubb: Viele von uns haben direkt mit Corona-Patienten zu tun. Wer live gesehen hat, was die Krankheit mit Menschen anrichtet, will sich so gut es geht davor schützen. Und weil Covid-19 hochansteckend ist, bedeutet Selbstschutz ja auch immer den Schutz von Patienten, Angehörigen, Freunden.

SPIEGEL: Nicht alle, die als Pflegekräfte im Krankenhaus arbeiten, haben mit der Pflege von Corona-Patienten zu tun.

Dubb: Das denken Außenstehende oft, aber die Krankheit betrifft ja alle Abteilungen, schon beim Infektionsschutz. Sogar auf der Entbindungsstation haben wir es teils mit Infizierten zu tun. Nur wenigen Menschen mit medizinischem Fachwissen leuchtet der Nutzen der Impfung nicht sofort ein. Ich habe vor ein paar Tagen eine Umfrage in einer unserer Weiterbildungsklassen gemacht, Fachkräfte aus Notaufnahmen aus ganz Baden-Württemberg. 80 Prozent von denen sind schon geimpft.

SPIEGEL: Das ist aber nicht repräsentativ.

Dubb: Nein. Aber es gab eine Umfrage im Dezember unter Krankenpflegern und Ärzten in Kliniken. Bei den Ärzten lag die Impfbereitschaft bei 73 Prozent, beim Pflegepersonal waren es 50 Prozent. Die Umfrage fand vor Beginn der Impfungen statt, inzwischen dürften die Werte deutlich höher liegen. Das sieht auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) so, die die Umfrage durchgeführt hat.

SPIEGEL: Was macht Sie da sicher?

Dubb: Viele äußerten damals noch Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen. Inzwischen wissen wir, dass es damit in der Praxis keine Probleme gibt. Und schon damals waren 90 Prozent der Ärzte und 75 Prozent der Pflegenden der Ansicht, dass die Impfung zur Eindämmung der Pandemie wichtig ist.

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SPIEGEL: Wie erklären Sie es sich, wenn Mitarbeiter von Pflegediensten die Impfung ablehnen?

Dubb: Ich hoffe, dass es bei vielen schlicht Uninformiertheit ist. Viele, die in der Altenpflege arbeiten, haben nur wenige medizinische Kenntnisse – was sich übrigens durch die Reform der Pflegeberufe gerade zum Besseren ändert. Es gibt aus meiner Sicht einen Zusammenhang zwischen medizinischer Qualifikation und Impfbereitschaft. Gerade auf Intensivstationen, wo ich selbst 30 Jahre lang gearbeitet habe, ist die Bereitschaft dafür hoch. Dort hat man es immer mit einer Vielzahl von Keimen zu tun, viele davon hochresistent. Da muss man sich schützen.