So arbeitet Deutschland Der Druck steigt

In der Berufswelt haben die körperlichen Belastungen abgenommen - aber psychisch wird die Arbeit immer anstrengender.

DPA

Ein Beitrag zur Themenwoche "Arbeitsmarkt" von und


Wo steht Deutschland: bei der Integration von Flüchtlingen, dem Umweltschutz, der sozialen Gerechtigkeit? Wir wollen es herausfinden - und berichten in sieben Themenwochen über Deutschland im Wahljahr 2017.
Einen Überblick finden Sie hier.

Es ist gar nicht lange her, da war Arbeitslosigkeit das entscheidende politische Thema in Deutschland: Als Helmut Kohl von Gerhard Schröder abgelöst wurde, war sie ein zentrales Wahlkampfmotiv. Und auch als Schröder das Kanzleramt für Angela Merkel räumen musste.

In diesem Jahr geht es eher um die Arbeit selbst. Wie sie in Zukunft aussieht, wie man mit ihren Belastungen fertigwird. Dieser Überblick zeigt: Heute sind die Belastungen viel häufiger psychischer Natur als früher.

Das hängt natürlich davon ab, wie der Broterwerb genau aussieht. Die Statistiker der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fragen regelmäßig die Erwerbstätigen selbst, zuletzt 2012: Welcher Branche ordnen Sie sich zu?

Wer nun gedacht hat, inzwischen sitze die Mehrheit der Arbeitnehmer in einem Büro, liegt falsch. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen verdient das Gehalt anderswo.

Man muss das so vorsichtig formulieren, denn: Keine Branche arbeitet nur an dem einen typischen Arbeitsplatz. Wenn sich jemand zum Beispiel dem öffentlichen Dienst zurechnet (23,7 Prozent), dann besteht zwar eine gute Wahrscheinlichkeit, dass er in einem Büro sitzt. Aber ebenso, wie es dort auch Straßenreiniger oder Hausmeister gibt, erledigen einzelne Mitarbeiter von Handwerksbetrieben den Papierkram - im Büro. "Sonstige Dienstleistungen" (20,5 Prozent) können sogar alles Mögliche sein, Schreibtischarbeit inklusive.

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Generell gilt: Je büroartiger die Arbeitsbedingungen und je weniger Menschen in der Fabrik oder in der Landwirtschaft schuften, desto angenehmer sind Arbeitsbedingungen körperlich. Dabei wirkt sich ein jahrzehntelanger Trend aus: Der primäre Sektor, also die Landwirtschaft, hat immer weniger Beschäftigte, der Dienstleistungssektor immer mehr. Und auch der sekundäre Sektor, die Produktion, geht zurück, wenn auch etwas langsamer.

Verlässt man das Büro, sehen die äußeren Arbeitsbedingungen nicht mehr so gepflegt aus: Zum Beispiel müssen rund 20 Prozent der Männer ihre Arbeit in Zwangshaltungen verrichten, etwa gebückt, auf den Knien oder über Kopf. Knapp ein Viertel der männlichen Beschäftigten muss schwer heben - was aber nur 11,7 Prozent belastend finden.

Übrigens hat die BAuA bei ihrer jüngsten Befragung nicht erhoben, wie viele Menschen ihre Arbeit hauptsächlich sitzend verrichten. Im Jahr 2006 waren es 54,5 Prozent. Die Größenordnung, sagen die Fachleute, dürfte heute aber noch die gleiche sein.

So lesen Sie die Grafiken zu den Arbeitsbedingungen
    Diese Grafiken zeigen, wie viel Prozent der Vollzeitarbeitnehmer sich von einem Arbeitsmerkmal belastet sehen - und wie viele das Merkmal ohne subjektive Belastung erleben. Lesebeispiel: 40,7 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten im Stehen und finden es nicht belastend, weitere 15,7 Prozent stehen ebenfalls und empfinden den Umstand als belastend. (Das heißt, das insgesamt 56,4 Prozent im Stehen arbeiten.) Die Werte sind nach Geschlechtern getrennt, weil sich der Anteil entsprechender Tätigkeiten auch nach Geschlecht stark unterscheidet.

Das führt zu der Frage, was all das mit den Arbeitnehmern macht. Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Arbeitsunfälle geht seit Jahren zurück - zur Entwicklung des Krankenstandes lesen Sie hier mehr. Die schlechte: Psychische Belastungen nehmen zu. Wobei sich das Bild differenzieren lässt: Zwar steigen vielerorts der Leistungsdruck und das Arbeitstempo, aber eine Auswertung der BAuA für den SPIEGEL zeigt: Mehr Menschen als noch in den 2000er-Jahren geben heute an, damit dennoch zurechtzukommen.

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Was ist ein Arbeitsunfall - und was nicht?


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