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Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Sie suchen gerade niemanden? Nehmen Sie mich trotzdem!

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Tarek weiß genau, zu welcher Firma er will. Das Problem ist nur: Dort ist gerade keine Stelle ausgeschrieben. Was muss er beachten, wenn er sich trotzdem einfach initiativ bewirbt?
Wie komme ich in die Firma, die ich gut finde, auch wenn da gerade keine Stelle frei ist?

Wie komme ich in die Firma, die ich gut finde, auch wenn da gerade keine Stelle frei ist?

Foto:

dusanpetkovic / Getty Images/iStockphoto

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Tarek, 37, fragt: »Ich bin auf Jobsuche und möchte zu einem Unternehmen wechseln, das mich schon immer fasziniert hat. Ich habe dort regelmäßig nach Stellen geschaut, doch in meinem Aufgabengebiet ist nichts ausgeschrieben. Sollte ich mich initiativ bewerben und wie unterscheidet sich eine Initiativbewerbung von der Bewerbung auf Stellenanzeigen?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Lieber Tarek,

bei einer Initiativbewerbung geht die Initiative von Ihnen aus. Das ist wenig überraschend, doch zentral, um zu verstehen, was Sie anders machen sollten als bei einer Bewerbung auf offene Stellen. Jede Initiativbewerbung ist aus Sicht eines Arbeitgebers unverlangt eingesandt. Das bedeutet: Sie macht Arbeit, lässt sich nicht zu einer ausgeschriebenen Stelle zuordnen und erfordert eine gedankliche Transferleistung – Sie mit Ihrem Werdegang zu verstehen und zu überlegen, in welchen Positionen Sie einen Mehrwert schaffen könnten.

Ziel einer guten Initiativbewerbung ist es daher, sich selbst sowie Ihre Idee einer Mitarbeit wie auf einem Silbertablett zu präsentieren und die Lust beim Leser oder der Leserin zu wecken, Sie kennenlernen zu wollen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Ihre Bewerbung in der Ablage »Sonstiges« versumpft und Sie niemals eine Antwort erhalten. Hier sind meine vier Tipps für Ihre Initiativbewerbung:

1. Schaffen Sie eigene Klarheit über Ihre Werte und Ziele

Bevor Sie mit einem Arbeitgeber Kontakt aufnehmen, sollten Sie sich selbst klar darüber werden, was Ihnen im Beruf in den nächsten Jahren wichtig ist und was für Sie ein gesundes Arbeitsumfeld ausmacht. Auch sollten Sie Ihr Fach- und Erfahrungswissen kennen und wertschätzen können. Eigene Klarheit ist das Wichtigste bei einer Initiativbewerbung. Denn stärker als bei einer Bewerbung auf eine Stellenausschreibung müssen Sie einem Leser das Gefühl vermitteln, dass es sich lohnt, Zeit in Sie zu investieren. Dies gelingt nur, wenn Sie sich Ihrer Werte sowie Motivation bewusst sind und hierüber offen und ehrlich sprechen können.

2. Entwickeln Sie konkrete Ideen für Zielpositionen

Finden Sie so viel wie möglich über Ihren Wunscharbeitgeber heraus: Was sind aktuelle interne Projekte und welche Themen beschäftigen die Branche? Wer arbeitet dort im Unternehmen in welchen Positionen? Gibt es Funktionen, die aus Ihrer Sicht aus- oder neu aufgebaut werden sollten? Verfügen Sie über Wissen, das dort heute noch fehlt und einen Nutzen hat oder haben Ihre Erfahrungen aus einer anderen Branche dort einen Wert? Entwickeln Sie konkrete Ideen, in welchen Positionen Sie einen Mehrwert schaffen können.

3. Sagen Sie, was Sache ist und zeigen Sie Profil

Viele Bewerber denken bei Initiativbewerbungen, dass sie so allgemein wie möglich gehalten die Chance auf nur irgendeine Position erhöhen. Doch wie kann ein Personaler oder ein Geschäftsführer auf der Basis von weichgespültem Wischiwaschi die Entscheidung treffen, Ihnen Zeit zu schenken? Schaffen Sie Klarheit darüber, was Ihre aktuelle Situation ausmacht und welche konkreten Positionen Sie sich im Unternehmen vorstellen können. Bringen Sie auf den Punkt, was Sie hierfür Wertvolles einbringen, was Ihnen im Team wichtig ist und wie Sie persönlich ticken. Klarheit schafft Sicherheit, ein krampfhaftes Anbiedern mit Schleimspur ist das Aus jeder Initiativbewerbung.

4. Kreativität und Mut für neue Wege

Initiativbewerbungen erfordern mehr Aufmerksamkeit. Überlegen Sie sich, wer der beste Adressat für Ihren Erstkontakt ist und welches Format zu Ihnen passt. Ist es eine Bewerbung aus Anschreiben und Lebenslauf, eine eigene Webpage oder ein kurzes Video? Vielleicht ist es auch zunächst nur eine Nachricht über XING oder LinkedIn an den Geschäftsführer oder die Führungskraft im Fachbereich. Schreiben Sie, dass Sie sich beruflich verändern, dieses Unternehmen schon länger im Blick haben und welche Ideen Sie für Ihre Mitarbeit dort entwickelt haben. Weniger als Bewerber, mehr als potenzieller neuer Kollege – nach dem Motto ›Wollen wir uns mal auf einen Kaffee treffen?‹. Denken Sie auch an die Kontakte aus Ihren Netzwerken, denn auch Vitamin B kann Ihrer Initiative auf die Sprünge helfen.

Leidenschaft statt Verzweiflung

Für viele Jobwechsler sind Initiativbewerbungen der letzte Versuch, wenn sie keine Stellen mehr finden. Diese Strategie ist Zeitverschwendung. Wer selbst die Initiative ergreift, sollte echtes Interesse an einem Arbeitgeber besitzen und neugierig darauf sein, gemeinsam die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu entdecken.

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