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Schlaue Tiere: Was die alles können...

Foto: Sylvia Ganter

Intelligenzforschung Tierisch schlau

Hat der Mensch die Intelligenz exklusiv? Im Tierreich beobachten Biologen verblüffend kluges Verhalten, beileibe nicht nur bei Affen, Delfinen oder Hunden. Der Hamburger Forscher Jannis Liedtke experimentierte zunächst mit Papageien, nun mit Spinnen: klein, aber gemein.
Von Sylvia Ganter

Sie können sehr gut sehen, sind gefährlich und höchst angriffslustig. Ihrer Beute bringen die Rindenspringspinnen, Marpissa muscosa, den Tod. Mindestens drei Fleischfliegen müssen pro Woche dran glauben. Jannis Liedtke, 32, liefert sie ihnen gern, denn die Spinnen sollen dem Hamburger Verhaltensbiologen neue Erkenntnisse zu einer alten Frage bescheren: ob Tiere intelligent sind.

160 der kleinen Krabbler, nur rund einen Zentimeter lang, zieht er in kleinen Plastikboxen groß. Die stehen aufgereiht im Zoologischen Institut in Hamburg, in einem kleinen Nebenzimmer. Wenn Liedtke morgen das Zimmer aufschließt, hofft er immer, dass keines seiner Forschungsobjekte ausgebüxt ist.

Drei unterschiedliche Wohnformen bietet er ihnen. Die erste nennt Liedtke "angereichert-physikalisch", die Spinne darf sich zwischen Blättern und Hölzern bewegen. Die zweite Umgebung ist "sozial-komplex", die Spinne muss mit einem Geschwister auskommen und lebt dann zu zweit zwischen Papierresten. Die dritte Kategorie: keine Geschwister, nur Papier.

Die Versuchsanordnung dient dazu herauszufinden, wie intelligent die Boxenbewohner sind. Liedtke beobachtet, wie die Tiere mit ihren Artgenossen umgehen oder ob sie sich Wege merken. Die Erkenntnisse sollen ihm den Doktortitel bringen - und die Wissenschaft einen kleinen Schritt weiter beim Verständnis tierischen Verhaltens. Das sorgt immer wieder für Verblüffung und Schlagzeilen. So berichtete SPIEGEL ONLINE darüber, wie männliche Eichelhäher sich in ihre Partnerin einfühlen, Krähen auf versteckte Ursachen hinter Phänomenen schließen können und Tintenfische beim Flirten betrügen (siehe Fotostrecke).

Viele Hunde- oder Katzenhalter werden sicher nicht bezweifeln, dass ihre Lieblinge außerordentliche Fähigkeiten besitzen. Doch um die Frage, wie es um die Intelligenz von Tieren bestellt ist, sind schon viele Diskussionen geführt worden. Es liegt auch daran, dass Intelligenz ein so umstrittener Begriff ist - die Wissenschaft hat schon für den Menschen keine allgemein akzeptierte Definition. Beim Tier wird's noch einmal komplizierter.

Von schlauen Aras zu den Spinnen

Gleichwohl gibt es Verhaltensweisen bei manchen Tierarten, die viele Wissenschaftler als intelligent einstufen. Immer wieder verblüffen einzelne Tiere die Menschen mit besonderen Fähigkeiten und gelangen zu großer Bekanntheit. So stellte der Border Collie Rico 1999 vor dem "Wetten dass..?"-Publikum unter Beweis, dass er die Namen von mehr als 70 Spielzeugen erkennen konnte.

Zu welchen Gedächtnis- und Intelligenzleistungen Affen fähig sind, ist ohnehin frappierend. Oder könnten Sie etwa nachmachen, was der Schimpanse Ai schafft? Ein wahrer Zahlenzauberer im Experiment eines japanischen Primatenforschers:

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Konkurrenz muss der Mensch nicht fürchten: Der Mensch könne viele Sachen gut, ein Tier meist eine Sache herausragend, sagt Wissenschaftler Jannis Liedtke. "Aber die Gesamtheit des Pakets beim Menschen ist bisher unangetastet."

Er forschte vor den Rindenspringspinnen schon mit Papageien: mit den Aras im Hamburger Tierpark Hagenbeck. "Die Vögel haben sich anders verhalten, als ich es erwartete", sagt Liedtke. Aras seien chaotisch und wild, aber sie kooperierten miteinander, wenn es um die Futtersuche geht. "Es sind intelligente Tiere, meist war ich nicht intelligent genug, ihnen geeignete Aufgaben zu stellen", scherzt Liedtke.

Das geeignete Experiment zu finden, ist nicht leicht. "Man muss sein Untersuchungstier sehr gut kennen, um eine Methode zu entwickeln", so der Biologe. Für seine Spinnen ist es ein Labyrinth. Am Ziel des Irrgartens befindet sich eine Belohnung. Nach dem ersten Versuch zeigt der zweite Versuch, ob sich die Spinne etwas merken konnte und schneller zur Belohnung findet. Manchmal lässt Liedtke nur wenig Zeit zwischen den Versuchen verstreichen, manchmal viel. So will er Erkenntnisse über Kurz- und Langzeitgedächtnis gewinnen.

Zu Berühmtheit werden seine Rindenspringspinnen eher nicht gelangen. Das letzte Tier, das für enormes Aufsehen sorgte, war der Krake Paul, der bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 den Sieger mehrerer Spiele korrekt vorhersagte. Für einen Wissenschaftler selbstverständlich kein Ausweis von Intelligenz oder gar hellseherischen Fähigkeiten, sondern - wie es auch Liedtke sagt - "reiner Zufall".

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