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23. Juni 2014, 06:27 Uhr

Investmentfonds mit Frauenquote

"Gemischte Teams machen mehr Geld"

Ein Interview von Helene Endres

Die niederländische Bankerin Cilian Jansen Verplanke investiert nur in Unternehmen mit Frauen in der Führungsriege. Mit Feminismus hat das wenig zu tun. Ihr geht es um Rendite.

KarriereSPIEGEL: Frau Verplanke, Sie haben mit Ihren Partnerinnen den ersten europäischen Investmentfonds aufgelegt, der nur in Firmen investiert, die von Frauen und Männern gemeinsam geleitet werden. Vertragen sich Feminismus und Private Equity?

Jansen Verplanke: Wir sind keine Aktivistinnen. Uns geht es ums Geschäft. Es gibt viele Studien aus unterschiedlichen Ländern, die zeigen, dass Unternehmen mit gemischtgeschlechtlicher Führung erfolgreicher sind. Sie erzielen eine bessere Rendite - und gehen seltener Bankrott. Das ist das Beste aus allen Welten. Gleichzeitig sind von Frauen geleitete Firmen chronisch unterkapitalisiert. Für uns als Investmentfirma sind das perfekte Voraussetzungen.

KarriereSPIEGEL: Die meisten Studien dieser Art beziehen sich aber auf große, börsennotierte Unternehmen. Sie konzentrieren sich auf Mittelständler. Sind die Studien übertragbar?

Jansen Verplanke: Beim Investieren geht es um Risikomanagement. Da sind gemischte Teams besser, egal wie groß die Firma ist. Das haben nicht nur Studien gezeigt, sondern auch meine Erfahrung in 20 Jahren Investmentbanking.

KarriereSPIEGEL: Und was ist nun das Geheimnis von gemischtgeschlechtlicher Führung?

Jansen Verplanke: Bildlich gesprochen: Wenn Sie an einem See stehen, springt der Mann mit Karacho hinein, die Frau steht am Rand und fragt sich, ob das Wasser nicht doch zu kalt ist, wie tief der See ist, und steckt vorsichtig den großen Zeh rein. Beides ist nicht ideal - aber die Kombination ist perfekt.

KarriereSPIEGEL: Das heißt aber auch: Reine Frauenteams sind genauso schlecht wie reine Männerrunden.

Jansen Verplanke: Ja, absolut. Für uns gilt: Es muss mindestens eine 25-Prozent-Quote geben in der Führungsetage - vom jeweils schwächer vertretenen Geschlecht. Wenn wir auf Terminen sind und mit Investoren verhandeln, meistens übrigens Männer, und die sagen dann: 'So, Sie denken also, dass Frauen besser sind als Männer' - dann kann ich eigentlich gleich schon wieder gehen. Die haben es einfach nicht kapiert.

KarriereSPIEGEL: Und warum sind Firmen von Unternehmerinnen unterkapitalisiert, haben also zu wenig Geld in der Kasse?

Jansen Verplanke: Ich glaube, das hat zwei Gründe: Erstens sind für Frauen Geld, Macht, Expansion nicht so wichtig - sie sind oft zufrieden damit, wenn ihre Firma läuft, sie erfolgreich sind und alles gut im Griff haben. Oft wäre dann der nächste Schritt, in Wachstum zu investieren und zum Beispiel ins Ausland zu expandieren. Dafür fehlt ihnen das Kapital. Also lassen sie es. Und der zweite Grund: Frauen fehlt die Vernetzung in die Finanzwelt. Sie kennen sich nicht aus mit Kapitalgebern, Investmentfirmen, Beteiligungsmodellen.

KarriereSPIEGEL: Und da setzen Sie an.

Jansen Verplanke: Ein Großteil unserer Arbeit ist Beziehungsarbeit. Wir treten an die Unternehmerinnen heran und bitten sie um ein Gespräch. Wir wollen uns vorstellen, ich will die Eigentümerinnen kennenlernen. Wir wollen, dass sie wissen, wer wir sind und dass es uns gibt. Wir bauen gezielt Beziehungen auf und haben somit eigentlich auch keine Konkurrenz von anderen Private-Equity-Fonds.

KarriereSPIEGEL: Drei nette Frauen, fröhlich und uneitel, kommen zum Kaffeeplausch vorbei - sind Sie der absolute Gegenentwurf zur skrupellosen, gefräßigen Heuschrecke?

Jansen Verplanke: Wir glauben an unterschiedliche Führungsstile und Arten, Entscheidungen zu treffen. Und Frauen sind einfühlsamer. Wir wollen unseren Investoren vermitteln: Wir kümmern uns um euer Geld. Wir investieren einfühlsam und nachhaltig.

KarriereSPIEGEL: Wer sind die Hauptinvestoren?

Jansen Verplanke: Wir arbeiten viel mit den Vermögensverwaltern von Familienunternehmen zusammen, auch der European Investment Fund ist mit 33 Prozent ein Großinvestor in unserem Fonds.

KarriereSPIEGEL: Sie haben in den ersten drei Jahren 50 Millionen Euro eingesammelt. In welche Firmen ist das Geld bislang geflossen?

Jansen Verplanke: Das bekannteste Beispiel ist Marlies Dekkers, ein niederländisches BH-Label, auch Lady Gaga trägt die Unterwäsche oder Sarah Jessica Parker. Marlies musste jedoch voriges Jahr Insolvenz anmelden. Da stiegen wir ein und bauten zusammen einen Online-Handel auf. Daneben haben wir uns beteiligt an einem italienischen Großhändler namens Enrico, in der Firma YouMedical für freiverkäufliche Medizinprodukte und an Tuvalu Media, einer TV-Produktionsfirma.

KarriereSPIEGEL: Passiert es nicht auch einmal, dass Sie auf ein fantastisches Unternehmen stoßen mit großem Potenzial, in das Sie gern investieren würden - und dann sitzen da nur Männer?

Jansen Verplanke: Ja, das ist auch schon passiert. Die meinten dann: Wenn Sie als Frauen-Fonds jetzt bei uns einsteigen, dann sind wir doch auch wieder gemischtgeschlechtlich. Aber so läuft's nicht, wir sind nicht automatisch aktiv im Management der Firmen dabei, in die wir investieren. Also lassen wir die Finger davon.

Das Gespräch fand am Rande des Global Female Leaders Summit in Zürich statt.

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