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Alltag als Superhirn "Ich treibe meine Frau zum Wahnsinn"

Thomas Wolf hat einen IQ von etwa 200 und gehört damit zu den intelligentesten Menschen des Planeten. Wie lebt es sich als Super-Hochbegabter? Hier erzählt Wolf über sein Projekthandbuch für die eigene Hochzeit, Taschenmesser im Mantel und Sonderwege im Supermarkt.
Informatiker Thomas Wolf: Neunmalklug und Mitglied der Giga Society

Informatiker Thomas Wolf: Neunmalklug und Mitglied der Giga Society

Foto: Simon Koy/ SPIEGEL JOB

Thomas Wolf ist 47 Jahre alt, Informatiker in München, verheiratet und überdurchschnittlich schlau - im Sinne von: sehr überdurchschnittlich. Als Mitglied der Giga Society, einer etwas geheimnisvollen Vereinigung der Oberschlauen, wurde ihm ein IQ von mindestens 196 attestiert. Ganz exakt kann das allerdings niemand sagen, denn in diesen Höhen funktionieren Intelligenztests nicht mehr verlässlich.

Was der exklusive Club soll und bezweckt, bleibt im Dunkeln; vielleicht ist er auch nicht allzu ernstzunehmen. Als einer von weltweit nur neun Giga-Mitgliedern soll Wolf klüger sein als 99,9999999 Prozent der restlichen Bevölkerung. Was viele Vorteile hat, aber den Alltag nicht immer erleichtert. Hier erzählt Wolf über seinen Berufsweg, seine Hobbys, seine Marotten.

  • Über seine Schulzeit:

"Als Kind habe ich mehrere Male den ersten Preis beim Bundeswettbewerb Mathematik und Informatik gewonnen. Was nicht heißt, dass ich ein guter Schüler war - andere Interessen sind an die Stelle des Lernens getreten. Bei mir hieß das: Computer spielen, Software programmieren. Das war damals in den siebziger Jahren noch nicht so üblich. Ich musste schon in der Grundschule die Klasse wechseln, weil ich mit meiner Lehrerin nicht zurecht kam. Wenn ich in der Schule etwas als blödsinnig empfand, habe ich das den Lehrern auch deutlich gesagt."

  • Informatikstudium - was sonst?

"Ich habe ab 1985 Informatik studiert und daneben Marktforschungssoftware für Unternehmen programmiert. Computerspiele habe ich damals auch geschrieben, zum Beispiel Imperator für den C64. Damals hat man seine Spiele als Quellcode  verbreitet. Den konnten sich andere leicht nehmen und umschreiben, das haben auch viele getan. Heute arbeite ich als freiberuflicher Software-Entwickler. Ich habe schon bei 30 verschiedenen Firmen gearbeitet und leite zur Zeit ein Projekt bei der Allianz."

  • "Hacker des Jahres":

"Damals in den achtziger Jahren gab es das Internet noch nicht, sondern das sogenannte Arpanet. Eingewählt habe ich mich zuerst mit einem 300-Baud-Akustikkoppler in sogenannte Mailboxen. Die Bundespost war damals noch der Feind. Es gab das Fernmeldeanlagengesetz, wonach man nur teure Postgeräte verwenden durfte. Wer mit einem anderen Gerät aus Japan erwischt wurde, riskierte riesige Strafen. Damals war ich bei der Bayerischen Hackerpost in München aktiv. Ich habe sogar 1991 den Wettbewerb 'Hacker des Jahres' gewonnen; da musste man sich in einer Mailbox durch verschiedene Aufgaben durchboxen. Ich gewann ein T-Shirt, das habe ich noch bis heute."

  • Über seine Marotten:

"Meine Ehefrau Catinca sagt immer, dass ich oft zu verkopft sei und Dinge zu sehr durchdenke. Manchmal treibe ich sie zum Wahnsinn. Beim Einkaufen schreibe ich immer eine genaue Liste mit einer Reihenfolge, wie man die Produkte im Geschäft am effizientesten einsammeln kann, also in welche Gänge wir nacheinander gehen müssen. Meine Frau hält sich dann aber trotzdem nicht dran.

Für unsere Hochzeit habe ich ein Projekthandbuch angelegt, das war bestimmt 40 bis 50 Seiten dick, ich habe an alles gedacht. Das hat meine Frau genervt, sie wollte eine normale Liste auf einem Notizblock schreiben. Es hat dann auch alles wie am Schnürchen geklappt. Nur meine Frau hat sich am Altar ein paar Minuten verspätet, da wurde ich schon ein bisschen nervös.

Ich habe immer ein Schweizer Taschenmesser und einen Leatherman bei mir. Wenn ich einen Mantel trage, wiegt der sicher machmal 15 Kilo. Ich habe dann eine Regenhaut dabei, Pflaster, eine Taschenlampe - ich will auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und schleppe alles ständig mit mir rum. Im Sommer geht das natürlich nicht, wenn es so heiß ist, kann ich das nicht alles an mir tragen. Dann lasse ich schon mal ein paar Sachen zu Hause. Das macht mich aber immer ein bisschen nervös, weil ich dann nicht auf alles vorbereitet bin."

  • "Bing Bang Theory" und Live-Rollenspiele - klassische Nerd-Hobbys:

"Meine Frau und ich gehen viel ins Theater und machen beim Improvisationstheater mit. Richtig gern sehen wir uns auch zusammen "Big Bang Theory" an, eine US-Serie über eine Wohngemeinschaft von zwei jungen Physikern. Meine Frau lobt mich immer, dass ich nicht so schlimm sei wie der Charakter Sheldon in der Serie. Die Figuren, die man in der Serie sieht, sind nicht an den Haaren herbeigezogen, die existieren tagtäglich in Fleisch und Blut.

In meiner Studienzeit habe ich oft bei klassischen Fantasy-Live-Rollenspielen mitgemacht. Dafür habe ich mich teilweise mit ein paar hundert Leuten getroffen, wir haben zum Beispiel mal eine Burg gemietet."

  • Über IQ-Tests und die Giga Society:

"Seit 1999 bin ich Mitglied der Giga Society, einer High-IQ-Vereinigung, der weltweit nur neun Personen angehören. Um Mitglied zu werden, muss man einen Test absolvieren, den der Gründer Paul Cooijmans konzipiert hat. Ich habe viele Monate dafür gebraucht. Wer die Aufgaben lösen kann, soll einen IQ von 196 haben. Die Mitglieder der Giga Society haben sich noch nie getroffen, weil wir auf der ganzen Welt verteilt sind. Aber irgendwann würde ich schon mal gern den einen oder anderen kennenlernen."

  • Über Tücken im Leben von Hochintelligenten:

"Ich kenne eine ganze Menge Hochintelligenter, denen es an Social Skills mangelt und die deswegen beruflich nicht weitergekommen. Einige haben Probleme, wenn ihnen ein Abteilungsleiter Vorschriften macht, die sie nicht ernst nehmen können. Andere steigen nicht auf, weil sie sich nicht gut verkaufen können."

Vor ein paar Jahren habe ich zum Beispiel ein Projekt bei einem IT-Serviceprovider in München geleitet. Dort gab es einen Entwickler, der konnte Probleme schnell lösen und hatte einige geniale Ideen. Als Projektleiter wollte ich ihn fördern und habe ihm gesagt, er solle diese Ideen mal dem Management vorstellen. Er hat sich dann aber vehement dagegen gewehrt, eine Präsentation zu halten, weil er nicht vor so vielen Leuten reden wollte.

Aufgezeichnet von Sven Becker, SPIEGEL-Redakteur in Berlin

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