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Gender-Pay-Gap Island verbietet ungleiche Löhne von Männern und Frauen

Island macht Ernst bei der Lohngleichheit: Seit Jahresanfang schreibt ein Gesetz gleiches Gehalt für gleichwertige Tätigkeiten vor.
Isländischer Fußballfan

Isländischer Fußballfan

Foto: Maja Hitij/ Getty Images

Sie leisten die gleiche Arbeit, kriegen aber weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen - für viele Frauen ist das Alltag. Island hat nun als erstes Land der Welt ein Gesetz eingeführt, das grundsätzlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit garantiert. Der "Equal Pay Act" ist seit Jahresanfang in Kraft.

Betroffene Frauen müssen jetzt nicht mehr nachforschen, ob sie schlechter bezahlt werden. Stattdessen ist es ab sofort Pflicht der Unternehmen, eine faire Bezahlung zu dokumentieren.

Die Regelung gilt für Betriebe mit 25 und mehr Mitarbeitern, der Nachweis muss alle drei Jahre erbracht werden. Schon seit 2012 können isländische Unternehmen ein entsprechendes Zertifikat freiwillig erwerben, nun ist es verpflichtend geworden.

Zwar ist eine durch das Geschlecht bedingte Benachteiligung bei der Bezahlung in Island schon seit Jahrzehnten gesetzlich verboten. Doch die Unternehmen argumentierten bisher oftmals mit der Art der Arbeit - mit dem Effekt, dass Frauen trotzdem weniger Gehalt bekamen. Der "Equal Pay Act" soll diese Benachteiligung jetzt beenden.

Dauer der Ausbildung und Qualifikation als Kriterien

"Nun müssen die Firmen beweisen, dass sie gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit zahlen", sagt Maríanna Traustadóttir vom isländischen Gewerkschaftsbund. Entscheidend sei dabei der Begriff der Gleichwertigkeit: "Das heißt zum Beispiel, dass Kindergärtnerinnen nicht weniger verdienen dürfen als ein Chauffeur, der bei der gleichen Gemeinde angestellt ist und der mit dem Lastwagen Sand bringt für den Spielplatz."

Nach der Neuregelung müssen jetzt die Dauer der Ausbildung und die Qualifikation verglichen werden, "sodass klassische Frauenberufe grundsätzlich bessergestellt werden", sagt Traustadóttir. Nur so könne wirkliche Lohngleichheit erreicht werden.

Nach Experteneinschätzungen gilt Island auf diesem Gebiet schon lange als Vorreiter. Das Weltwirtschaftsforum etwa bescheinigt dem Land bereits seit neun Jahren eine weltweite Spitzenposition bei der Gender-Gerechtigkeit. Trotzdem verdienen Frauen dort im Schnitt immer noch fast 17 Prozent weniger als Männer.

In Deutschland beträgt der Gender-Pay-Gap etwa 21 Prozent. Die ungleiche Bezahlung existiert dabei auf allen Qualifikationsstufen - bis hinein ins Management von Unternehmen, zeigen Studien.

Mit dem neuen Entgelttransparenzgesetz erhalten nun auch Arbeitnehmer in Deutschland die Möglichkeit, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wie viel Geld Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen. Das neue Gesetz gilt allerdings nur für Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten. Außerdem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Und die Firmen müssen nur den Median der Gehälter nennen.

him/dpa